Altersvorsorge
Böses Erwachen: Direktversicherte fühlen sich um Rendite gebracht

Münster -

Es klang nach einer guten Anlage: die Familie absichern, zugleich Geld für die Rente zurücklegen. 1984 setzte Michael Rosmus daher bei seinem Arbeitgeber seine Unterschrift unter eine Direktversicherung mit Gehaltsumwandlung. Das böse Erwachen kam vergangenes Jahr in Form eines Schreibens der Krankenkasse. 

Montag, 05.11.2018, 15:59 Uhr
Veröffentlicht: Montag, 05.11.2018, 15:20 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Montag, 05.11.2018, 15:59 Uhr
Im vergangenen Jahr haben die von der Krankenkassenpflicht für Direktversicherungen betroffenen Rentner vor dem Reichstag in Berlin demonstriert, um das Thema wieder in die Bundespolitik zu bringen.
Im vergangenen Jahr haben die von der Krankenkassenpflicht für Direktversicherungen betroffenen Rentner vor dem Reichstag in Berlin demonstriert, um das Thema wieder in die Bundespolitik zu bringen. Foto: imago

Mit dem Eintritt in die Rente wurde die Lebensversicherung fällig, aber nicht nur die: „Ich sollte Krankenkassenbeiträge für die Versicherung bezahlen – und zwar auch den Arbeitgeberanteil“, sagt der Münsteraner. Von den erwarteten 50.000 Euro für das neue Auto und die neue Heizungsanlage blieben unter dem Strich nur 41.000 Euro.

Betroffene sprechen von "Abzocke"

Der ehemalige Bauingenieur spricht zurückhaltend: „Ich war erst einmal total erstaunt und überrascht.“ Andere Betroffene formulieren es drastischer, reden von „Abzocke“, wenn sie plötzlich Krankenkassen- und Pflegeversicherungsbeiträge für die Auszahlung der Direktversicherung bezahlen sollen – und zwar nicht nur den Arbeitnehmer-, sondern zusätzlich den Arbeitgeberanteil. Zusammen werden rund 18 Prozent der Auszahlung fällig. Die Rendite? Aufgezehrt.

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Michael Rosmus Foto: Gunnar A. Pier

Zu verdanken haben die Betroffenen das der rot-grünen Bundesregierung unter Kanzler Schröder. In einer „Nacht- und Nebelaktion“ habe die zum 1. Januar 2004 das entsprechende Gesetz erlassen, sagt der ebenfalls betroffene Karl Heinz Kersting. Und dieses Gesetz gelte auch für Verträge, die vor 2004 geschlossen wurden. Von „unechter Rückwirkung“ sprächen die Juristen, sagt Erwin Tischler vom Verband der Direktversicherungsgeschädigten (www.dvg-ev.org), in dem sich Betroffene zusammengeschlossen haben. „Unechte Rückwirkung?“, fragt Kersting und fügt ein „R“ ein: „Für mich ist das unrechte Rückwirkung!“

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Karl-Heinz Kersting Foto: Gunnar A. Pier

Ungerecht behandelt

Als ungerecht behandelt empfinden sich die Betroffenen nicht nur, weil der Staat mitten im laufenden Vertrag die Spielregeln geändert habe. Als ungerecht empfinden sie auch, dass die Regel nicht für privat Krankenversicherte gilt, auch nicht für privat abgeschlossene Lebensversicherungen, sondern nur für in der gesetzlichen Krankenkasse Versicherte, die eine Direktversicherung mit Gehaltsumwandlung über den Arbeitgeber abgeschlossen haben. Im Vertrag steht dann der Arbeitgeber als Versicherungsnehmer, der Arbeitnehmer als Begünstigter.

Über den Tisch gezogen fühlen sich die Betroffenen auch, weil sie die Krankenkassen-„Rechnung“ nicht auf einen Schlag zahlen können, sondern über 120 Monate abtragen müssen. So werde nicht nur die Beitragsbemessungsgrenze ausgehebelt, sondern „so werden wir auch noch an jeder künftigen Steigerung der Kassenbeiträge beteiligt“, so Tischler.

Politik sucht Kompromiss

Inzwischen ist das Pro­blem wieder bei der Politik angekommen. Eine Kompromissformel könnte offenbar darin bestehen, dass man ab 2019 den vollen Beitragssatz wieder halbiert, Betroffene also nur noch den Arbeitnehmeranteil bezahlen. Aber wer kommt dann für die Einnahmeausfälle auf? Und was ist mit denen, die wie Rosmus, Kersting & Co. schon gezahlt haben?

Die Münsteraner legen jedenfalls Wert darauf, dass hier nicht nur ein „paar zornige alte Männer“ ihre Interessen formulieren. „Es geht uns auch um die, die noch einzahlen“, sagt Kersting. „Man wird immer dazu angehalten, privat vorzusorgen – und dann wird man von der Regierung um den Lohn der Privatvorsorge im Rentenalter betrogen.“

Zum Thema

Der DVG-ev lädt für Donnerstag, 8. November, 19 Uhr, zur Infoveranstaltung in die Stadthalle Münster-Hiltrup ein. Anmeldung unter hiltrup@dvg-ev.org

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