1600 Überlastungsanzeigen am Uniklinikum
Personalrat schlägt Alarm

Münster -

200 Arbeitsplätze werden Universitätsklinikums Münster bis zum Jahr 2020 abgebaut. Der Personalrat warnt in einem internen Schreiben vor den Langzeitfolgen einer weiteren Arbeitsverdichtung. Und hat dafür gute Gründe.

Freitag, 09.11.2018, 21:05 Uhr
Am Universitätsklinikum werden Stellen abgebaut.
Am Universitätsklinikum werden Stellen abgebaut. Foto: Oliver Werner

Der Personalrat des Universitätsklinikums Münster ( UKM) schlägt angesichts der aus seiner Sicht steigenden Arbeitsverdichtung am größten münsterischen Krankenhaus Alarm.

Aus der Belegschaft heraus haben die Interessens­vertretung der Arbeitnehmer 1610 Gefährdungs- und Überlastungsanzeigen erreicht. „Sie kommen aus den verschiedensten Bereichen. Die Zahl ist auf Rekordniveau“, bestätigt Personalrat Leif Dryden ein hausinternes Schreiben des Gremiums.

10 .600 Mitarbeiter sind am UKM beschäftigt. Sie haben die Möglichkeit, per Formblatt auf eine Arbeits­überlastung hinzuweisen.

Personalrat warnt UKM-Spitze

Der Personalrat warnt auch vor dem Hintergrund des durch den UKM-Vorstand geplanten Personalabbaus in den nächsten Jahren vor einer weiteren Arbeitsverdichtung und den damit verbundenen Langzeitfolgen. „Die Auswirkungen des Pflegenotstandes sind bereits da. Wir sehen die drohende Arbeitsverdichtung sehr kritisch“, sagt Dryden.

Aufgrund des historisch hohen Defizits im Geschäftsbericht 2017 mit 30 Millionen Euro plant der Vorstand um den ärztlichen Direktor Prof. Dr. Dr. Robert Nitsch und den kaufmännischen Direktor Dr. Christoph Hoppenheit einen personellen Abbau um 200 Stellen bis zum Jahr 2020. Zu betriebsbedingten Kündigungen soll es dabei nicht kommen. Die Stellen sollen weitestgehend im Rahmen der natürlichen Fluktuation nicht wieder besetzt werden, heißt es.

Forderung nach Konsolidierungsplan

Hintergrund ist laut Personalrat die Forderung eines Konsolidierungsplanes der zuständigen NRW-Ministerien (Wissenschaft und Finanzen) an den Vorstand. Von dieser Maßnahme hänge auch die Finanzierung der geplanten Bauprojekte am UKM ab, so der Personalrat.

Nitsch und Hoppenheit hatten gegenüber unserer Zeitung bereits im Sommer deutlich gemacht, dass das UKM deutlich mehr Geld aus Düsseldorf als die zur Verfügung gestellten 370 Millionen Euro benötigt, um die notwendige Erneuerung des in die Jahre gekommenen Klinikums zu finanzieren. Von einer doppelt so hohen Summe ist die Rede.

Keine offizielle Reaktion

Von dem Abbau der Arbeitsplätze sind hauptsächlich Beschäftigte aus dem medizinisch-technischen Bereich und der Verwaltung betroffen. Stellen von Technischen Assistenten, medizinischen Fach­angestellten und in den Sekretariaten sollen nicht neu besetzt werden. Dabei sei die Arbeit schon zum jetzigen Zeitpunkt nicht mehr zu bewältigen, schreibt der Personalrat. Und kritisiert die „sehr zurückhaltende In­formationspolitik des Vorstands“. Viele UKM-Mitarbeiter seien verunsichert.

Von der Geschäftsleitung gibt es keine offizielle Reaktion auf das hausinterne Schreiben. Sie hatte im Sommer gegenüber unserer Zeitung eine Einsparung von 8 0 vollen Stellen im 7000 Mitarbeiter umfassenden medizinisch-technischen Bereich und in der Verwaltung bestätigt. Das UKM plant, im Jahr 2021 wieder eine schwarze Null zu schreiben.

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