Gedenkfeier zum Volkstrauertag
Vom Kampf gegen Hitler bis zum Afghanistan-Einsatz

Münster -

Der Volkstrauertag dient der Erinnerung an die Toten aus Krieg, Vertreibung und Terror. Bei der zentralen Gedenkfeier am Rathaus wurde der Bogen gespannt vom Dritten Reich bis in die heutige Zeit.

Montag, 19.11.2018, 11:06 Uhr
Veröffentlicht: Sonntag, 18.11.2018, 18:30 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Montag, 19.11.2018, 11:06 Uhr
An der Kranzniederlegung beteiligten sich auch der Reservistenverband der Bundeswehr und der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge.
An der Kranzniederlegung beteiligten sich auch der Reservistenverband der Bundeswehr und der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Foto: Oliver Werner

Am Volkstrauertag würdigte bei der zentralen Gedenkveranstaltung am Rathaus Oberstleutnant Martin Guttzeit von der Luftwaffe auch die Akteure des Widerstands gegen Hitler und die Menschen, die auf der Flucht vor Vertreibung und Terror ihr Leben ließen. „Auch gedenken wir der Soldaten, Polizisten und anderen Menschen, die heute in Afghanistan, Mali und anderen Ländern für Frieden und Freiheit kämpfen.“ Guttzeit schloss mit dem Brecht zugeschriebenen Zitat: „Der Mensch ist erst wirklich tot, wenn niemand mehr an ihn denkt.“

Bei der Kranzniederlegung an der Rückseite des Rathauses vor einigen Dutzend Politikern, Militärs und Bürgern neigten zum Trommelwirbel die Abordnungen der Burschenschaft der Pflüger Halle zu Münster und der Franconia die Fahnen.

Im Friedenssaal beteiligte sich das Paulinum mit einem Chor und drei Texten, ein Quartett des Luftwaffenmusikkorps spielte. Bürgermeisterin Wendela-Beate Vilhjalmsson erinnerte an den Missbrauch des Gedenktags als „Heldengedenktag“ durch die Nationalsozialisten.

Den Hauptvortrag las Stadtrat Wolfgang Heuer als Vertreter des Autors, des erkrankten Sharon Fehr, Geschäftsführer der Jüdischen Gemeinde Münster. Er erinnerte an jene jüdischen jungen Männer, die „wie ihre nichtjüdischen Kameraden – die meisten von ihnen halbe Kinder“ im August 1914 „teilweise mit großer Begeisterung in den Krieg gezogen“ waren. Sie hätten nicht nur für ihr Vaterland kämpfen wollen, „sie erhofften sich auch, dass sie nun endlich auch als gleichberechtigte deutsche Patrioten akzeptiert würden“. Aber der Antisemitismus ging weiter. 1916 sollte eine „Judenzählung“ Juden als „Drückeberger“ verunglimpfen. Das Ergebnis fiel anders aus, es entsprach „nicht dem Bild, das sich die Antisemiten erhofft hatten“. Mit der „Dolchstoßlegende“ ging die Propaganda weiter. „Nicht wenige waren für ihre Tapferkeit mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet worden und mit diesem an der Brust gingen etliche von ihnen in die Vernichtungslager der Nazis.“ Der Antisemitismus, so Fehr, „betrifft uns Juden, aber er ist nicht unser Pro­blem. Er ist vielmehr das Problem der nichtjüdischen demokratischen Gesellschaft, die ihn um ihrer eigenen Würde und Ehre willen nicht zulassen darf.“

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