Quartiersmanagement
Erste Maßnahmen für einen sichereren Bremer Platz

Münster -

Der Bremer Platz soll sicherer werden, ohne dass die Szene verdrängt wird. Das neue Quartiersmanagement hat jetzt erste Maßnahmen angestoßen. Weitere Ideen sollen 2019 an einem Runden Tisch entwickelt werden.

Mittwoch, 21.11.2018, 06:55 Uhr aktualisiert: 21.11.2018, 06:57 Uhr
Stefan Scholz ist – neben Christine Möller – von der Stadt als Quartiersmanager am Bremer Platz eingesetzt worden. Erste Maßnahmen zu einer Verbesserung der Situation sind bereits geplant. An der Stelle, auf die er zeigt (Soester Straße/Ecke Schillerstraße) sollen bis Dezember Blumenkübel als Sichtschutz aufgestellt werden.
Stefan Scholz ist – neben Christine Möller – von der Stadt als Quartiersmanager am Bremer Platz eingesetzt worden. Erste Maßnahmen zu einer Verbesserung der Situation sind bereits geplant. An der Stelle, auf die er zeigt (Soester Straße/Ecke Schillerstraße) sollen bis Dezember Blumenkübel als Sichtschutz aufgestellt werden. Foto: Oliver Werner

Seit zwei Jahrzehnten treffen sich am Bremer Platz Drogenkonsumenten, Alkoholkranke und Obdachlose, werden hier Drogen gehandelt – vor den Augen der Öffentlichkeit. Zusammen mit den Ordnungsbehörden, verschiedenen Ämtern der Verwaltung, Anliegern, sozialen Einrichtungen, aber auch den Betroffenen selbst versucht jetzt ein neu eingerichtetes Quartiersmanagement, zu einer Entschärfung der Situation beizutragen, die allen Seiten gerecht wird.

Erste Maßnahmen sind bereits umgesetzt – oder sollen in den kommenden Wochen umgesetzt werden, berichtet Stefan Scholz , der hier neben Christine Möller als Quartiersmanager arbeitet. So wurden Sitzbänke, die sich direkt an der Schillerstraße befanden, so umgesetzt, dass ein größerer Abstand zwischen Szene und Anliegern besteht. In Kürze werden außerdem an der Ecke Soester Straße/Schillerstraße bepflanzte Kübel als Sichtschutz platziert. Damit dann keine „dunklen Ecken“ entstehen, werden an der Soester Straße neue, hellere LED-Straßenlaternen aufgestellt.

Planungsworkshop im kommenden Jahr

Schließlich soll an der Ecke Bremer Straße/Schillerstraße eine weitere Toilettenanlage gebaut werden, die ebenfalls um einen Sichtschutz ergänzt wird. Ob diese Maßnahmen wirken oder womöglich zu neuen Problemen führen, werde man genau beobachten, betont Scholz – und dann entsprechend reagieren.

Der Quartiersmanager spricht von einer „konzertierten Aktion“, mit der die Probleme am Bremer Platz angegangen werden sollen. Die verschiedenen Interessengruppen haben bereits Gremien gebildet, diese werden Vertreter an einen Runden Tisch entsenden, der zum ersten Mal Anfang 2019 tagen wird. Ebenfalls zu Beginn des kommenden Jahres soll ein Planungsworkshop starten, der sich Gedanken um die künftige Gestaltung des Bremer Platzes macht. Also für die Zeit nach der Fertigstellung des „Hansetors“ auf der Ostseite des Hauptbahnhofs, für das an diesem Mittwoch der erste Spatenstich erfolgt.

Razzia am Bremer Platz

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„Das Projekt sorgt bei den Anwohnern, aber auch bei den Szenen für große Unsicherheit“, sagt Scholz. „Diese Unruhe bekommen wir nur mit allen Akteuren gemeinsam in den Griff.“ Ziel sei es, dass sich die Szene nicht unkontrolliert in die Umgebung verlagert, sondern am alten Platz bleibt – unter Rahmenbedingungen, mit denen alle Akteure leben können.

Umfrage der Polizei: Gemischte Gefühle im Bahnhofsviertel

Wie sicher fühlen sich die Menschen im Bahnhofsviertel?

Die Polizei verteilte rund um den Hauptbahnhof 5700 Fragebögen an Anwohner, Geschäftsinhaber, Arbeitnehmer, Pendler, Schüler und Nutzer der sozialen Einrichtungen (darunter das Haus der Wohnungslosenhilfe, das Kettelerhaus und der Drogenhilfeverein Indro), um eine Antwort auf diese Frage zu bekommen. Die Resonanz war groß – 2410 Fragebögen wurden ausgefüllt. Die Rücklaufquote von mehr als 40 Prozent habe gezeigt, dass mit der Befragung ein sensibler Punkt berührt wurde, betont die Polizei.

Zu den Ergebnissen der Umfrage: 58 Prozent der Teilnehmer gaben an, dass sie sich im Bahnhofsviertel „sehr sicher“ oder „eher sicher“ fühlen. Ihnen stehen 42 Prozent gegenüber, die sich „eher unsicher“ oder „sehr unsicher“ fühlen.

Die Furcht, Opfer einer Straftat zu werden, ist bei der Hälfte der Befragten „sehr hoch“ bis „hoch“. Bei den anderen 50 Prozent ist diese Furcht hingegen nur „gering“ bis „sehr gering“.

Am meisten Unwohlsein bereitet den Umfrage-Teilnehmern der Aufenthalt drogenabhängiger und wohnungsloser Personen. Auch Vandalismus und verschmutzte Bürgersteige sorgen für Unmut. Wie die Polizei betont, äußern Befragte aber auch Verständnis dafür, dass ein Aufenthaltsort für Wohnungslose und Suchtkranke vorhanden ist.

Kommentar

Ein guter Anfang

Ordnungsamt und Polizei konnten nicht verhindern, dass sich die Situation am Bremer Platz in den letzten Jahren weiter verschärft hat. Immer schamloser werden vor aller Augen Drogen konsumiert, verrichten Menschen ihre Notdurft. Es ist ein Bild des Elends, das sich dort bietet.

Die Lösungsansätze der Vergangenheit sind gescheitert, neue Konzepte müssen her, um den Bremer Platz wieder für einen Stadtraum für alle zu machen. Das Quartiersmanagement startet mit großen Ambitionen – und mit einer bedeutenden Neuerung: Künftig werden alle, auch die Szene und die Anlieger, an einem Tisch sitzen und miteinander reden. Nicht übereinander.

Das hört sich vielversprechend an – und macht Hoffnungen, dass der Bremer Platz der Zukunft zu einem Ort werden könnte, der sowohl von gesellschaftlichen Randgruppen als auch von der Nachbarschaft genutzt werden kann. Das Quartiersmanagement wird diesen Prozess begleiten – mindestens bis 2023. Damit ist gewährleistet, dass gute Ideen nicht schon im Ansatz stecken bleiben.

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Mit der Präsenz der Polizei sind 52 Prozent „sehr zufrieden“ oder „eher zufrieden“. Zugleich regen Umfrage-Teilnehmer an, dass sie sich in den späten Abendstunden und in der Nacht noch mehr Präsenz wünschen würden. Generell ist 91 Prozent der Befragten die Präsenz der Polizei rund um den Hauptbahnhof „sehr wichtig“ bis „eher wichtig“.

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