Gregor Meyle im Interview
„Ich liebe handgemachte Musik“

Münster -

Preisgekrönte Alben, eine eigene TV-Sendung, Hunderttausende Konzertbesucher: Gregor Meyle ist erfolgreich und geht wieder auf Tour. Im Interview spricht er über den nackten Mickey Rourke, den besten Rapper Deutschlands und die längste Theke, die er je gesehen hat.

Donnerstag, 22.11.2018, 11:02 Uhr aktualisiert: 22.11.2018, 17:05 Uhr
Markenzeichen des Singer-Songwriters Gregor Meyle sind Hut, Bart und Brille. Der Musiker ist gerade auf großer Deutschlandtournee.
Markenzeichen des Singer-Songwriters Gregor Meyle sind Hut, Bart und Brille. Der Musiker ist gerade auf großer Deutschlandtournee. Foto: Axel Müller Photography

Bryan Adams hat dich für das neue Album fotografiert. Wie war das?

Gregor Meyle : Das war Wahnsinn. Aber es gibt dazu eine Vorgeschichte. In der Zeit, als ich noch keinen richtigen Job hatte, habe ich Arbeiten angenommen, die sonst keiner machen wollte. Also habe ich vor ungefähr 15 Jahren als Lichttechniker nachts auf der Photokina ausgeleuchtet. Hinterher habe ich dann die Bilder gesehen vom nackten Mickey Rourke im Whirlpool. Die hat Bryan Adams geschossen und bei der Messeleitung durchblicken lassen, wie toll das Set ausgeleuchtet gewesen sei. Was ehrlicherweise gar nicht sein kann, es sei denn, er hat bisher nur Sets ohne Beleuchtung gesehen (lacht).

Und dann sitzt du Jahre später selbst in so einem Set.

Meyle: Das liegt daran, dass wir beide Botschafter bei der Organisation „Hear the World“ sind und er Fotos von allen Botschaftern gemacht hat. Da sind unfassbare Leute wie Bruce Springsteen, Jamie Cullum und Sting dabei. Ich habe dann über das Management angefragt, ob Bryan nicht - wenn die Kamera eh aufgebaut ist und ich noch Geld für unsere Charity-Aktion geben würde - auch Fotos für das Album machen könnte. Und einen Tag vor seinem Konzert in Köln hat er dann gefragt, ob ich Zeit hätte. Und das war echt ein Ding: Dass dieser Superstar einfach aus seiner Schale herausspringt und sogar eine Stunde Familienfotos von uns macht.

Total uneigennützig.

Meyle: Ja. Wir sehen uns im November wieder und da schenke ich ihm dafür eine Gitarre. Die hab ich schnitzen lassen. Ein cooleres Geschenk gibt es fast nicht.

Bist du denn mit seiner Musik groß geworden?

Meyle: Ich habe zehn Jahre lang am Mischpult lustiger Coverbands aus Ober- und Unterfranken gestanden. Da ist abends mindestens einmal „Summer of 69“ gespielt worden (lacht). Ich habe ihn mal auf einem Konzert gesehen. Drei Stunden. Der gibt Vollgas. Und du kennst jeden Song, kannst alle mitsingen, weil das Hits sind.

Mich hat es damals beeindruckt, wie man die Stimmen von Bryan Adams, Sting und Rod Stewart so harmonisch klingen lassen kann.

Meyle: “All for Love” ist eine Mega-Nummer, die damals auch analog gemischt worden ist. Wahrscheinlich ist einer allein nur für die Stimmen zuständig gewesen. Aber ich finde, die Stimmen kann man sehr gut auseinanderhalten. Im Gegensatz zu der Coverversion des Randy-Newman-Songs „Feels Like Home“, auf dem Diana Krall und Bryan Adams ein Duett singen. Zwar auch gut gemixt, aber es hat eine Weile gebraucht, bis ich die beiden auseinanderhalten konnte.

(Wegen der Nennung von Diana Krall, die Frau von Elvis Costello, folgen mehrere Minuten Fachsimpeleien über Costello und gegenseitige Musik-Tipps...)

Du hast eine eigene Plattenfirma. Aber außer von dir, gibt es da keine Veröffentlichungen, warum?

Meyle: Wir standen kurz davor, ein paar junge Künstler zu bekommen. Aber die haben sich dann für eine große Plattenfirma entschieden, weil die einfach mit mehr Geld winken kann (lacht). Ich bin letztlich aber gar nicht so unglücklich darüber. Denn ich mache das ja alles selbst, neben meiner eigenen Musik.

Und vermutlich neben der Familie. Die hält dich ja auch bestimmt auf Trab.

Meyle: Man ist gut beschäftigt (lacht). Ich arbeite sehr viel nachts, das Studio ist direkt neben unserem Haus. Dann springe ich eben rüber, wenn die Kleine im Bett ist.

Apropos. Dein neues Album ist sehr abwechslungsreich. Ist das einfach so passiert oder war das Konzept?

Meyle: Ich bin bekannt dafür, dass ich eigentlich nie ein Konzept habe (lacht). Ich mag natürlich Musik aus allen Ländern, ob das Buena Vista Social Club ist oder Gregory Porter: Ich liebe handgemachte Musik. Und ich bin old school. Ich mag „Painted from Memories“ (Elvis Costello), „Both Sides Now“ (Joni Mitchell)...

Gerade bei den leicht jazzigen Anklängen im Song „Fußspuren im Sand“ hätte ich auf Van Morrison getippt.

Meyle: Natürlich. „Keep Me Singing“, das er vor zwei Jahren veröffentlicht hat, gehört zu meinen Lieblingsalben. Er schreibt herzzerreißende Songs. Ich höre aber auch Eagles, Ed Sheeran, ich mag Motown. Und ich liebe Amos Lee, wahnsinniger Typ, unfassbare Vocals. Das alles fließt mit in die Musik, die ich schreibe. Und ich habe das Glück, eine Band zu haben, mit der ich auch live unterwegs bin, und mit der ich aus dem Vollen schöpfen kann.

Du hast sogar einer Kuba-Nummer auf dem Album. Wobei ich erwartet hättet, weil du ja auch in Südafrika warst, dass da eine Art Paul-Simon-Werk herauskommt...

Meyle: Ich habe noch zwei Nummern auf Halde, an denen ich seit drei Jahren arbeite. Aber bei solchen Rhythmen kannst du keine schweren Worte mit Metaphern singen, die verlangen nach Lyrics, die eine Geschichte erzählen. Da bin ich noch auf der Suche, das muss einfach stimmen. Von diesem Album sind sie noch herunter gepurzelt, aber ich hoffe, dass ich es für das nächste hinbekomme.

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Danny Fresh ist bei einem Song auf deinem Album dabei. Mit welchem Rapper würdest du denn auf keinem Fall zusammenarbeiten wollen?

Meyle: Die Aktion von Kollegah beim Echo fand ich absolut daneben. Das habe ich auch direkt auf der Bühne gesagt. Am Tag darauf bin ich mit Campino nach Düsseldorf gefahren. Der hatte Augenränder bis zur Kinnlade und sah aus, als habe man ihn durch eine Bettwäsche-Mangel gezogen. Der hat sich die ganze Nacht Gedanken gemacht. Musik als Ventil ist ja völlig in Ordnung, aber die haben doch auch Familie, wie kann man dann solche Lyrics singen?

Und es geht ja auch anders. Man muss ja nicht provozieren, nur um zu provozieren.

Meyle: Genau. So wie Danny Fresh, den ich für den besten Rapper Deutschlands halte und nach dessem Konzert die Leute auch gechillt nach Hause gehen können. Hip-Hop ist so sprachgewandt, da kann fast jeder Singer-Songwriter einpacken. Deichkind, Fanta 4 oder Samy Deluxe und Fettes Brot: Das ist doch geil, wenn man solche Lyrics schreiben kann.

Ticket-Info

Karten für das Konzert von Gregor Meyle am 29. November (Donnerstag, 20 Uhr) in der Jovel Music Hall in Münster (Albersloher Weg 54) sind erhältlich im WN-Ticket-Shop am Prinzipalmarkt in Münster, über die WN/Eventim-Ticket-Hotline 01806 / 570 067 (Festnetz 0,20 Euro/Anruf, Mobilfunk max. 0,60 Euro/Anruf, 7,50 Euro Service- und Versandgebühr) oder unter  wn.de/tickets .

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Du kommst jetzt Ende November nach Münster.

Meyle: Ja, ins Jovel. Super Laden. Ich habe noch nie so eine lange Theke gesehen (lacht). Das war und wird wieder eine Megaparty.

Mit wie vielen Leuten steht ihr denn auf der Bühne?

Meyle: Wir sind zehn Leute. Nahezu die komplette „Sing meinen Song“-Band. Das sind alles Kumpels von mir, die sind perfekt eingespielt. Es ist für mich ein Traum, mit denen unterwegs sein zu können.

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