Dilemma auf dem Baugelände
Weiterer Verzug droht beim Bau der Gesamtschule im Ostviertel

Münster -

Die Kosten für den Bau der neuen Gesamtschule im Ostviertel explodieren – und nun droht ernsthaft weiterer Bauverzug. Die schnelle Umsiedlung der Halle des Sportvereins Shotokan-Karate vom Baugelände ist unrealistisch.

Montag, 26.11.2018, 06:50 Uhr aktualisiert: 26.11.2018, 06:56 Uhr
Gleich mehrere Probleme gibt es beim Bau der neuen Gesamtschule: Das Baufeld beispielsweise ist mit Sand abgedeckt, weil es sich bei dem Erdreich um „schwach belasteten Boden“ handelt.
Gleich mehrere Probleme gibt es beim Bau der neuen Gesamtschule: Das Baufeld beispielsweise ist mit Sand abgedeckt, weil es sich bei dem Erdreich um „schwach belasteten Boden“ handelt. Foto: Matthias Ahlke

Die Nachricht von der Kostenexplosion beim Bau der zweiten städtischen Gesamtschule hat schon die Runde gemacht. In der kommenden Woche sollen die Ratsausschüsse den Baubeschluss fassen. Die voraussichtliche Kostensteigerung um 12,2 Millionen auf 64,8 Millionen Euro ist dabei nicht die einzige schlechte Botschaft. Der ohnehin bereits um Jahr verzögerten Fertigstellung der sechszügigen Schule droht weiterer Verzug.

Abriss der Sporthalle?

Auf dem Schulgelände steht, wie berichtet, noch die Halle des Sportvereins Shotokan-Karate, die der neuen Vierfach-Turnhalle der Schule weichen soll. Das juristische Tauziehen um die Verlagerung ist weiter unentschieden, und für die über 300 Shotokan-Sportler spitzt sich die Lage zu.

In der Verwaltungsvorlage zum Schul-Neubau können die Shotokan-Mitglieder lesen, dass ihre Halle, errichtet auf einem Erbpachtgrundstück, im kommenden Sommer abgerissen werden soll. Wohin dann mit dem Kursangebot und den Trainingseinheiten in Karate, Yoga und anderen Sportarten?

ie Selbstverständlichkeit, mit der die Stadt davon ausgeht, dass wir bei ihren Plänen mitgehen, gibt es nicht.

Oliver Lich,Vorsitzender von Shotokan

Die Vorlage spricht von einer „Interimslösung“. Für Oliver Lich , den Vorsitzenden von Shotokan, brächte dies den Verein in eine möglicherweise existenzielle Problemlage. „Die Selbstverständlichkeit, mit der die Stadt davon ausgeht, dass wir bei ihren Plänen mitgehen, gibt es nicht“, sagt Lich. Schließlich müsste zuerst der Vorstand, dann auch die Mitgliederversammlung dem Plan zustimmen, in eine ungewisse Zukunft zu gehen. Die Stadt geht von zwölf, eventuell nur neun Monaten aus, in denen der Verein in diversen öffentlichen Hallen im Stadtgebiet Obdach finden müsste. Der bisherige Verlauf der „Causa Ersatzneubau“ verbreitet beim Verein aber eher Skepsis, wie Oliver Lich zu erkennen gibt.

Der Stadt läuft die Zeit davon

Planungen für den Bau einer neuen Halle, ein „Dojo“, liegen seit Langem vor, der Bauantrag ist seit Jahresbeginn 2018 bei der Stadt. Doch bekanntlich beansprucht auch der Sportverein Münster 08 das vorgesehene städtische Grundstück. Eine entsprechende Klage liegt seit Monaten beim Oberlandesgericht Hamm. Bis vor Kurzem, so geht aus einer nichtöffentlichen städtischen Vorlage hervor, galt in der Verwaltung die Entscheidung, den Ausgang des Rechtsstreits abzuwarten, um nicht vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden.

Nun aber läuft der Stadt endgültig die Zeit davon. Die neue Marschrichtung lautet, die Dinge jetzt voranzutreiben. Den Prozess gegen Münster 08 hat die Stadt in erster Instanz gewonnen. Rein juristisch hätte der Bau der Karate-Halle längst begonnen werden können.

Wir wollen weiter konstruktiv bleiben.

Oliver Lich,Vorsitzender von Shotokan

„Wir wollen weiter konstruktiv bleiben“, betont der Vorsitzende des Shotokan-Vereins, der das Recht auf seiner Seite weiß. Er könnte sich dem Abriss seiner jetzigen Halle verweigern und mitten auf dem künftigen Schulgelände bleiben. Den Verein treibe aber die Sorge um, dass er mit seinem Trainingszentrum auch viele Mitglieder verlieren könnte.

Die Schule aber muss spätestens zum Schuljahr 2021/22 fertig werden. „Ein Dilemma“, heißt es in Ratskreisen.  

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