ASB-Wünschewagen-Projekt
Motor eines Hilfsprojekts

Münster -

Ein umgebauter Krankentransportwagen, viele Hauptamtliche – das Herz des Wünschewagens aber sind Ehrenamtliche, ohne die das Projekt nicht zu stemmen wäre. Doch umsonst sind die Freiwilligen für den Arbeiter-Samariter-Bund nicht.

Montag, 26.11.2018, 20:00 Uhr aktualisiert: 26.11.2018, 20:06 Uhr
Wünschewagen-Projektleiterin Birgit Bäumer-Borgmann (l.) kümmert sich beim Arbeiter-Samariter-Bund unter anderem um die Schulung der Ehrenamtlichen, die sich an dem Projekt beteiligen möchten.
Wünschewagen-Projektleiterin Birgit Bäumer-Borgmann (l.) kümmert sich beim Arbeiter-Samariter-Bund unter anderem um die Schulung der Ehrenamtlichen, die sich an dem Projekt beteiligen möchten. Foto: Björn Meyer

Eigentlich wollte sich die ASB-Angestellte Birgit Bäumer-Borgmann selbst als Ehrenamtliche für den Wünschewagen, der Todkranken die Erfüllung eines letztes Wunsches ermöglichen will, melden. Dann aber ergab sich für sie die Gelegenheit, beruflich die Projektleitung des „ W ünschewagen Münsterland“ zu übernehmen. Bäumer-Borgmann griff zu.

Seitdem kümmert sich Birgit Bäumer-Borgmann darum, dass Wünsche in Erfüllung gehen. Sie spricht mit den Betroffenen, veranlasst Buchungen und nimmt Kontakt zu Vereinen und Institutionen auf, die bei der Erfüllung der Wünsche helfen können. Sie informiert und – vielleicht die wichtigste Aufgabe – sie schult die Ehrenamtlichen, denn sie sind der Motor des Projekts, ohne den all das nicht möglich wäre. Rund 50 sind in Münster mittlerweile ausgebildet worden.

Der Wunsch zu helfen

„Auf einen Stamm von 120 möchten wir gerne kommen“, sagt ASB-Mitarbeiterin Stefanie Könitz-Goes. Am vergangenen Wochenende fand dafür wieder eine Schulung statt – mit Menschen unterschiedlichen Alters, aus unterschiedlichen Milieus und mit unterschiedlichen Vorkenntnissen. Sie alle eint: Sie wollen helfen.

Oder sie überlegen sich zumindest, das zu tun. „Es ist völlig in Ordnung, wenn man sich das erstmal anschauen und sich bei einer Schulung informieren möchte“, sagt Könitz-Goes. Genau für diese Schulungen sammelt der ASB bei dieser Aktion die Spenden. Denn während die Menschen ihre Zeit einbringen, sollen die kompletten Kosten von der Hilfsorganisation getragen werden. Dafür fallen neben der Schulung auch Ausstattung und Dienstbekleidung sowie Aufwendungen, nicht selten auch eine Ausbildung zum Rettungssanitäter an. Die werden am dringendsten gebraucht, denn ohne Rettungssanitäter an Bord kann der Wünschewagen nicht starten. Pro Ausbildung eines Rettungssanitäters fallen laut ASB allein rund 1300 bis 1500 Euro an.

Besonders gesucht sind außerdem Menschen mit pflegerischen Vorkenntnissen, die den Patienten während der Fahrt betreuen. Die seien „das Herzstück“, sagt Bäumer-Borgmann.

So wie Elisabeth Aufberg. Die 65-Jährige ist gelernte Krankenschwester, arbeitete zudem als Sozialarbeiterin. In der Zeitung habe sie über den Wünschewagen gelesen. Da habe sie sich gedacht: „Ich habe doch noch etwas Zeit.“ Ihre einzige Motivation ist das freilich nicht: „Ich habe vieles bekommen im Leben, jetzt möchte ich etwas zurückgeben. Ich freue mich schon darauf, wenn es losgeht“, sagt sie.

► Projekte: Wünsche­wagen (Schwerkranken soll ein letzter Wunsch erfüllt werden), Knochenmarkzentrum (ergänzen de Einrichtung von 20 neuen Patientenzimmern im Erweiterungsbau), Lublin (Unterstützung für hilfebedürftige Kinder und Jugendliche in Münsters Partnerstadt), Bildung + Behinderung (Ermöglichung gleichberechtigter Teilhabe am Leben)

► Wer für ein bestimmtes Projekt spenden möchte, sollte das bei der Überweisung vermerken. Eine Spendenquittung wird ab 200 Euro automatisch ausgestellt, wenn die Adresse angegeben ist.

► Namensnennung: Wenn Sie mit der Nennung Ihres Namens in der Zeitung einverstanden sind, tragen Sie bitte bei der Überweisung unter Verwendungszweck „Veröffentlichung: Ja“ ein.

► Konto: Sparkasse Münsterland-Ost (BLZ: 400 501 50); IBAN: DE 43 4005 0150 0000 0088 88

► Datenschutz: Ihre personenbezogenen Daten verwenden wir, soweit keine darüber hinausgehende Einwilligung vorliegt, nur zur Abwicklung des der Erhebung zugrundeliegenden Zwecks. Informationen zu unserem Umgang mit personenbezogenen Daten erhalten Sie unter www.wn.de/service/datenschutz.

Positives Feedback

Aus gleich mehreren Gründen ist auch der Münsteraner Ralf Buddendieck (54) zur ASB-Schulung, die an diesem Tag ausnahmsweise in Hiltrup stattfindet, erschienen. Vor zehn Jahren erkrankte der Berufsfeuerwehrmann an Krebs.

Mittlerweile habe er das hinter sich gelassen, arbeite wieder, plane aber auch schon für die Zeit im Ruhestand. „Menschen eine Freude zu bereiten, das gibt mir so viel, das kann man mit Geld gar nicht bezahlen“, sagt er. Zugleich warnt er aber auch: „Ich denke, dass ist nicht unbedingt für jeden etwas. Es geht hier immer noch um todkranke Menschen, da sollte man schon stabil sein.“

Angst vor der Aufgabe möchte Birgit Bäumer-Borgmann den Freiwilligen allerdings nehmen. „Viele kommen zu uns mit der Sorge, dass sie die Erwartung des Patienten im Zwischenmenschlichen nicht erfüllen können oder das der Patient sehr viel weint. Aus der Erfahrung können wir sagen, dass das sowohl für die Ehrenamtlichen als auch für den Patienten ein Tag mit hohem Adrenalinspiegel wird. Das Feedback, das uns dabei erreicht, lautet eigentlich immer, wie toll es war.“

Zum Thema

Um sich am Wünschewagen-Projekt zu beteiligen, brauchen Ehrenamtliche unter anderem eine Erste-Hilfe-Bescheinigung (nicht älter als zwei Jahre), ein erweitertes Führungszeugnis sowie gegebenenfalls die Nachweise medizinischer Abschlüsse. Kosten entstehen für die Ehrenamtlichen dabei nicht.

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