Gutachten im Prozess gegen notorischen Müllsammler
Vom Angeklagten geht Gefahr aus

Münster -

Im Prozess gegen den 54 Jahre alten Mann aus Kinderhaus, der in seinem Garten massenweise Müll hortet und seine Nachbarin bedroht, hatte am Dienstag der psychiatrische Gutachter das Wort. Seine Einschätzung: Der Angeklagte ist gefährlich.

Dienstag, 27.11.2018, 17:19 Uhr
 
 Das Amtsgericht in Münster. Foto: Matthias Ahlke

Es gibt Konflikte, für die das Rechtssystem nur schwer adäquate Lösungen findet. Ein solcher Fall ist der Prozess vor dem Amtsgericht Münster gegen den Hauseigentümer aus Kinderhaus, der seit Jahren seine Nachbarn mit der Anhäufung von Müll auf seinem Grundstück und Morddrohungen drangsaliert.

Am Dienstag hatte der psychiatrische Gutachter das Wort – und er hält den Angeklagten für eine Gefahr, zumindest für die Nachbarin, auf die sich seine Aggressionen konzentrierten, wie der Psychiater darlegte.

Der Angeklagte hat ihr zwar bisher nur wiederholt mit Tötungsabsichten gedroht, wurde aber nie wirklich gewalttätig. „Nur weil sich das Ehepaar passiv verhalten und nicht direkt auf die Drohungen und Schmähungen reagiert hat“, begründete der Arzt der psychiatrischen Klinik Eickelborn, in der er den Angeklagten als Patienten bereits bei früheren Aufenthalten kennengelernt hatte. Der 54-Jährige hatte wegen eines Sexualdelikts eine siebeneinhalbjährige Strafe im Maßregelvollzug abgesessen und sich dabei, so der Arzt, mit Blick auf seine Persönlichkeitsstörung als „nicht therapiefähig“ gezeigt.

Sieben Risikofaktoren

Der Mediziner, der das Verhalten des Mannes im aktuellen Prozesses beobachtet hatte, legte dar, dass der 54-Jährige in einem psychiatrischen Prüfschema sieben von acht Risikofaktoren dafür erfülle, dass er für sich und andere eine Gefahr darstellt. Der Mann sei „sehr aufbrausend“ und leide unter verminderter Steuerungsfähigkeit.

Im Sinne des Strafrechts hält der Gutachter den Mann für schuldfähig. Während der Arzt das Gutachten erläuterte, fixierte der Angeklagte immer wieder seine als Zuschauerin im Saal anwesende Nachbarin und rief: „Meine Nachbarin tritt mir mit mittelbarer Gewalt entgegen.“

Gewalttätige Ausbrüche

Auch am Dienstag wies der Richter den Angeklagten wiederholt zur Ordnung, nachdem dieser ungefragt wortreich seine Sicht der Dinge erläuterte. Aus der Verhandlung wurde er deswegen diesmal - anders als vor einer Woche - nicht ausgeschlossen. Dabei und am Ende des Verhandlungstages war es – wie drei Justizbeamte als Zeugen jetzt aussagten – im Zellentrakt des Gerichts zu gewalttätigen Ausbrüchen des Angeklagten gekommen. Einen von ihnen hatte dieser mit einer bei Bauarbeiten liegen gelassenen Akkubohrmaschine bedroht, woraufhin ihn die Beamten überwältigten.

Der Angeklagten sieht sich dementgegen als Opfer der Justiz und kündigte Strafanzeigen wegen Körperverletzung an. Der Prozess wird fortgesetzt.

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