Großeinsatz & Straßensperrung am UKM
Kran-Kletterer harrt elf Stunden aus - Mann blieb unverletzt

Münster -

Am Uniklinikum in Münster lief den ganzen Tag über ein Großeinsatz von Polizei und Feuerwehr, weil ein Mann auf einen Baukran geklettert war. Nach elf Stunden kam der Mann unversehrt vom Kran herunter. Die Sperrung der Albert-Schweitzer-Straße wurde gegen 18 Uhr aufgehoben.

Freitag, 30.11.2018, 07:59 Uhr aktualisiert: 30.11.2018, 20:01 Uhr
Großeinsatz & Straßensperrung am UKM: Kran-Kletterer harrt elf Stunden aus - Mann blieb unverletzt
Elf Stunden lang hielt der 54-Jährige aus Kinderhaus hoch oben auf dem Kran Polizei und Rettungskräfte in Atem. Die Albert-Schweitzer-Straße war die ganze Zeit gesperrt, Patienten und Besucher des UKM wurde über Umwege auf das Gelände gelotst. Foto: Oliver Werner

Es war am Freitagmorgen noch dunkel, als der 54 Jahre alte stadtbekannte Müllsammler auf dem Gelände des Uniklinikums die Sicherheitsabsperrung an dem 96 Meter hohen Baukran überwand und sich an den Aufstieg machte.

Dort verharrte der Mann auf dem Ausleger – und löste einen Großeinsatz von Polizei und Feuerwehr aus, der elf Stunden dauerte. Gegen den Mann läuft zurzeit ein Prozess beim Amtsgericht , er war am Donnerstag bei einem begleiteten Ausgang aus der LWL-Klinik entflohen. Um 18.16 Uhr twitterte die Polizei, dass er unversehrt vom Kran heruntergestiegen sei.

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Die Albert-Schweitzer-Straße vor der Uniklinik Münster ist am Freitagmorgen gesperrt. Foto: Oliver Werner

Die Albert-Schweitzer-Straße und die Zufahrt zum Klinikum waren den ganzen Tag über für jeglichen Verkehr gesperrt. Ambulante Patienten hatten große Probleme, ihre Termine einzuhalten. Der Betrieb im Uniklinikum sei aber nicht beeinträchtigt worden, sagte am Nachmittag eine UKM-Sprecherin. Wie der Mann die Absperrung zum Kran überwinden konnte, blieb unklar. Spezialkräfte der Polizei versuchten den ganzen Tag über, vom Dach des Bettenturms Ost mit dem Mann Kontakt zu halten und ihn zum Abstieg zu bewegen.

Schon zweimal hatte er in Münster durch Kran-Besteigungen für erhebliches Aufsehen gesorgt. 1998 kletterte er auf den Kran der Baustelle des LVM-Turmes, 2004 auf einen Kran der Baustelle der Münster-Arkaden. Damals blieb er drei Tage dort oben, er steig er ab, als die Einsatzkräfte abgerückt waren.

Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie

Über die Einfahrt zur Psychiatrie (rote Markierung) können Patienten und Besucher zu den Bettentürmen gelangen. Foto: Google Maps

Der 54-Jährige beschäftigt Polizei, Behörden und Gerichte seit Jahrzehnten. Seit drei Jahren drangsaliert er seine Nachbarn neben seinem ererbten Reihenhaus in Kinderhaus, in dessen Garten er riesige Mengen von Müll anhäuft. Nachdem die Nachbarn begannen, sich zu wehren und schließlich Zwangsräumungen durchsetzten, bedroht er speziell seine im Nebenhaus lebende Nachbarin.

Am 15. Oktober war ein Sondereinsatzkommando der Polizei vor seinem Haus angerückt, nachdem er seine Nachbarin akut bedroht hatte. Seither hielt sich der Mann zur Behandlung in einer geschlossenen Abteilung der LWL-Klinik Münster auf. Bei einem, so ein LWL-Sprecher, „begleiteten Gruppenausgang“ am Donnerstagmorgen war der 54-Jährige geflohen. Nachdem er vom Kran geklettert war, wurde er wieder in die LWL-Klinik gebracht, wie der LWL-Sprecher erklärte.

Psychische Erkrankung und zwangsweise Unterbringung

Die gesetzlichen Hürden für die zwangsweise Unterbringung von Personen in psychiatrischen Einrichtungen sind hoch: Nach dem „Gesetz über Schutzmaßnahmen bei psychischen Erkrankungen“ (PsychKg) ist es möglich, Personen für eine Zeit von einigen ­Wochen in psychiatrischen Einrichtungen unterzubringen, wenn Eigen- oder Fremdgefährdung vorliegt und jemand nicht selbstbestimmt handeln kann.

Der Mann auf dem Kran war auf Grund­lage dieses Gesetzes in der LWL-Klinik. Geht es um die Unterbringung von Straf­tätern, die wegen einer psychischen Erkrankung vermindert oder nicht schuldfähig sind, muss die Kammer eines Landgerichts feststellen, ob die rechtliche Möglichkeit dafür gegeben ist.

Das aktuelle Verfahren gegen den Mann beim Amtsgericht müsste also gegebenenfalls vom Landgericht erneut aufgerollt werden. Für die Zeit, bis eine Entscheidung fällt, gibt es nach der Strafprozessordnung (§ 126a) die Möglichkeit einer einstweiligen Unterbringung. Die Kriterien dafür sind vergleichbar mit denen für die Verhängung von Untersuchungshaft gegen Angeklagte. 

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Hinweis in eigener Sache

Hinweis: Der Pressekodex sieht vor, dass über Suizide oder Suizidversuche zurückhaltend berichtet wird. Dies gilt insbesondere für die Nennung von Namen und die Schilderung näherer Begleitumstände. Grund für die Zurückhaltung ist die hohe Nachahmerquote nach jeder Berichterstattung über Selbsttötungen. Eine Berichterstattung findet nur dann statt, wenn die Umstände eine besondere öffentliche Aufmerksamkeit erfahren.

Wenn Sie sich selbst betroffen fühlen, kontaktieren Sie bitte umgehend die Telefonseelsorge . Unter der kostenlosen Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222 erhalten Sie Hilfe von Beratern, die schon in vielen Fällen Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen konnten. Ergänzend können Sie das Angebot der Krisenhilfe Münster  (0251-519005) in Anspruch nehmen und dort bis zu zehn kostenlose persönliche Beratungstermine vereinbaren.

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