Zentrale Unterbringungseinrichtung für Flüchtlinge
Nachbarn bezeichnen Pläne als „rechtswidrig“

Münster -

Am Montagabend informiert die Stadt über ihre Pläne zur Einrichtung einer Zentralen Unterbringungseinrichtung (ZUE) am Pulverschuppen. Die dortigen Anwohner halten das Vorgehen für rechtswidrig.

Montag, 03.12.2018, 08:00 Uhr aktualisiert: 03.12.2018, 09:16 Uhr
Zentrale Unterbringungseinrichtung für Flüchtlinge: Nachbarn bezeichnen Pläne als „rechtswidrig“
Die Anlieger am Pulverschuppen bezeichnen die Pläne als rechtswidrig. Foto: Oliver Werner

Wenn am Montag (3.12.) die Stadt über den geplanten Bau einer „Zentralen Unterbringungseinrichtung für Flüchtlinge“ (ZUE) informiert, werden die Anwohner der Streusiedlung um den Pulverschuppen nahe der Warendorfer Straße gut hinhören. Dort will die Stadt die Einrichtung für 500 Asylsuchende ohne Bleibeperspektive auf einem 3,6 Hektar großen Gelände bauen. Sie ist dazu von der Bezirksregierung verpflichtet worden, nachdem der Rat die Einrichtung einer Zen­tralen Ausländerbehörde (ZAB), die über Asylverfahren entscheidet, mehrheitlich abgelehnt hatte.

Die rund 70 Anwohner leben seit Jahren in der Nachbarschaft von Flüchtlingseinrichtungen. Am ehemaligen Pulverschuppen sind aktuell Asylsuchende untergebracht, Platz ist für 200 Personen. Früher gab es hier für viele Jahre eine inzwischen aufgelöste Siedlung, in der vor allem Flüchtlinge aus den Balkanländern lebten.

Hinweis auf Standort Heumannsweg

Erich Varnhagen, einer der Anwohner, erwähnt das, um von vornherein dem Verdacht entgegenzutreten, Fremdenfeindlichkeit leite die Bedenken der hier lebenden Münsteraner gegen die Pläne. „Es erweist sich als schwierig, gegen etwas zu sein, ohne im Grundsatz etwas dagegen zu haben“, sagt Varnhagen.

Die Art und Weise, wie die Stadtverwaltung nun, getrieben durch den Druck der Bezirksregierung, den Bau der Einrichtung „möglichst schnell durchziehen“ wolle, möchten er und seine Nachbarn nicht akzeptieren. Sie sind überzeugt, dass das Vorgehen der Stadt bei der Planung rechtswidrig ist.

Eine städtische Analyse möglicher Standorte durch die Verwaltung ergab im Frühjahr, dass der Pulverschuppen die bestmögliche Fläche für die ZUE sei. Das wollen die Nachbarn nicht gelten lassen. Nach der Bewertung der Einzelkriterien eigne sich unter den zwölf untersuchten Standorten eindeutig am besten eine Fläche am Heumannsweg, betonen sie.

Hier soll die Unterbringungseinrichtung entstehen.
Foto: Jürgen Christ

Gravierende Probleme angeprangert

Die Anwohner selbst sehen für den Standort Pulverschuppen gravierende Probleme: Der Flächenverbrauch sei zu hoch, zu viel Grünfläche werde geopfert. Denn nicht das angrenzende, ohnehin bereits bebaute frühere Kasernen-Gelände solle die ZUE aufnehmen, sondern die große Ackerfläche nebenan. Es gebe weder eine adäquate Erschließung noch eine Entwässerung des Grundstücks.

Mitte November hat der Rat mit Stimmen von CDU, SPD, Grünen und FDP den Flächennutzungsplan für das Gelände geändert, um die Voraussetzungen für den Bau der ZUE zu schaffen. Die Stadtverwaltung, so ist der Beschlussvorlage zu entnehmen, geht davon aus, dass so für die Realisierung kein zusätzlicher Bebauungsplan aufgestellt werden müsse.

Das sehen die Nachbarn nach juristischer Beratung anders: Für die Ansiedlung einer ZUE bedürfe es zur Sicherstellung einer geordneten Entwicklung einer Bauleitplanung. Durch das Vorhaben werde die Zersiedlung des Freiraums eingeleitet.

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