Studie zu resistenten Keimen
Keime als blinde Passagiere

Münster -

Jedes Jahr infizieren sich ungefähr 54.000 Deutsche mit antibiotikaresistenten Keimen, ungefähr 2300 sterben, Tendenz steigend. Eine Forschergruppe hat jetzt eine Studie zu der Frage vorgestellt, wann genau sich Auslandsreisende mit den antibiotikaresistenten Keimen infizieren.

Mittwoch, 05.12.2018, 11:00 Uhr aktualisiert: 05.12.2018, 21:42 Uhr
Multiresistente Keime werde oft von Reisenden mitgebracht, die ihren Urlaub in Ländern in Südasien verbracht haben.
Multiresistente Keime werde oft von Reisenden mitgebracht, die ihren Urlaub in Ländern in Südasien verbracht haben. Foto: dpa

Aus dem Urlaub bringt man etwas mit nach Hause. Erinnerungen, Souvenirs – und manchmal auch antibiotikaresistente Keime. Jedes Jahr infizieren sich ungefähr 54 000 Deutsche mit antibiotikaresistenten Keimen, ungefähr 2300 sterben, Tendenz steigend. Eine Forschergruppe mit Wissenschaftlern aus Münster, Berlin und Groningen hat jetzt eine Studie zu der Frage vorgestellt, wann genau sich Auslandsreisende mit den antibiotikaresistenten Keimen infizieren und welche Risikofaktoren besonders gravierend sind, heißt es in einem Bericht über die Studie.

An der Erfassung nahmen über 100 Personen teil, die in der deutsch-niederländischen Grenzregion wohnen. Voraussetzung war, dass die Teilnehmer eine Reise nach Afrika, Asien oder Südamerika machten. In diesen Regionen ist die Wahrscheinlichkeit am höchsten, sich mit antibiotikaresistenten Keimen zu infizieren. Das größte Infektionsrisiko liegt mit 75 Prozent bei Reisen nach Südasien vor, etwa in Ländern wie Indien, Pakistan oder Afghanistan.

Prof. Frieder Schaumburg von der Westfälischen-Wilhelms-Universität rät vor allem eines: „Es ist unnötig, Angst zu haben“. Wichtig sei die Tatsache, dass die meisten Reisenden nur vorübergehend mit bestimmten antibiotikaresistenten Keimen besiedelt seien. Nach der Reise lägen schon bald keine Infektionen mehr vor. Wer bei guter Gesundheit sei, müsse sein Reiseverhalten nicht unbedingt ändern.

Wer allerdings unter einem geschwächten Immunsystem leidet, sollte höhere Vorsicht walten lassen. Die Risikofaktoren für eine Besiedlung sind keine große Überraschung: Wer eine Reise nach Asien unternimmt, dort in Süßwasser-Gewässern schwimmt und sich von Streetfood oder nicht vegetarisch ernährt, läuft eher Gefahr, sich mit antibiotikaresistenten Keimen zu infizieren.

Die Studie war Teil des EurHealth1Health-Projektes, das innerhalb des Interreg-Programms Deutschland-Nederland durchgeführt und durch die Europäische Union, das niederländische Gesundheitsministerium, das NRW-Wirtschaftsministerium sowie die Niedersächsische Staatskanzlei mitfinanziert wird. EurHealth-1Health, das von dem Universitätsklinikum Groningen koordiniert wird, hat zum Ziel, durch grenz- und sektorübergreifende Zusammenarbeit antibiotikaresistente Keime gemeinsam zu bekämpfen und Infektionsprävention zu stärken.

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