Wünschewagen des ASB
Einmal noch zurück ins Leben

Münster -

Es ist ein Highlight – und zwar häufig das letzte im Leben. Wir haben uns umgehört und angesehen, wie eine Fahrt mit dem Wünschewagen abläuft.

Mittwoch, 05.12.2018, 08:00 Uhr aktualisiert: 05.12.2018, 09:34 Uhr
Die beiden gelernten Krankenschwestern Pia Robers (l.) und Franziska Burlage betreuen die Fahrgäste im Wünschewagen.
Die beiden gelernten Krankenschwestern Pia Robers (l.) und Franziska Burlage betreuen die Fahrgäste im Wünschewagen. Foto: Björn Meyer

Manche wollen ins Fußballstadion, andere ins Theater, die meisten möchten ans Meer, und wieder andere nur noch mal nach Hause. Der eine oder andere sucht sich auch ganz ausgefallene Plätze aus. Doch egal wohin die Fahrgäste des Wünschewagens auch wollen, für sie alle ist es eine Fahrt „noch einmal zurück ins Leben“, sagt Pia Robers. Die 28-Jährige, die seit kurzem wieder in Vreden wohnt, begleitet bereits seit vier Jahren Todkranke mit dem Wünschewagen, einem Projekt des Arbeiter-Samariter-Bundes, zu einem Ziel ihrer Wahl. Früher von Essen aus: „Jetzt bin ich froh, dass es auch in Münster einen Wünschewagen gibt“, sagt die gelernte Krankenschwester, die an diesem Morgen mit Franziska Burlage (22), einer weiteren Freiwilligen, vor dem Wünschewagen steht.

Fahrt soll Spaß machen

Auf den ersten Blick sieht der Mercedes-Sprinter hinter ihnen aus wie ein gewöhnlicher Krankenwagen, beim zweiten Hinsehen allerdings wird klar, dass der Wagen weit mehr ist. Zwar ist die medizinische Versorgung selbstverständlich komplett an Bord, doch entdecken lässt sie sich zunächst nicht. Alles ist in Fächern verstaut oder hinter Verkleidungen angebracht. Einem einzigen Gedanken folgend: „Der Fahrgast soll die Fahrt genießen und sich eben nicht fühlen, wie in einem Krankenwagen“, erklärt Robers. Dafür verfügt der Wünschewagen auch über verdunkelte Panoramaverglasung. „Die Aussicht, gerade bei Fahrten zum Meer, ist für viele schon ein absolutes Highlight“, sagt Robers, die scherzt, dass sie nahezu die gesamte holländische Nordseeküste bereits kenne.

Beten, fluchen oder Sekt trinken

Doch während solch einer Fahrt passiert viel mehr als nur ein Blick aus dem Fenster. „Bei jedem ist das individuell“, sagt Robers und beschreibt, wie mancher reden wolle, der nächste nur genießen. „Ich habe auch schon mit Menschen gebetet oder mit ihnen geflucht – na ja, beim Fluchen zugehört“, sagt sie mit einem Lächeln. Zudem passiere es nicht selten, dass sich jemand ein Bier, einen Wein oder ein Glas Sekt mitbringe, um den Tag zu zelebrieren, erzählt Pia Robers. Schon beim Gedanken daran, sieht man die Freude in ihren Augen.

Dabei ist der Tag im Wünschewagen für sie durchaus anstrengend. Zwar sei stets alles bis aufs kleinste Detail organisiert, dennoch könne so ein Tag schnell bis tief in die Nacht gehen, schließlich gelte es nach der Fahrt noch den Wagen wieder auf den nächsten Fahrgast vorzubereiten. „Berührungsängste aber muss man nicht haben. Ganz im Gegenteil, der Tag gibt einem auch selber Lebensmut“, sagt Robers.

Sternenhimmel am Fahrzeugdach

Während auf der Hinfahrt vor allem für den Gast vieles neu sei, werde es auf der Rückfahrt meistens ruhiger. „Da schlafen die Fahrgäste häufig“, sagt Robers und gesteht: „Auch mir fallen dann schon mal die Augen zu.“

Öffnet sie sie wieder, so wird im neuen Wünschewagen – im Moment fährt in Münster noch ein älteres Modell aus Essen – ein eigens installierter Sternenhimmel am Fahrzeugdach zu sehen sein: „Damit es für die Fahrgäste, die liegen müssen, nicht so anstrengend ist, nach oben zu schauen“, sagt Robers. Schließlich soll im Wünschewagen alles perfekt sein – wenigstens noch für ein einziges Mal im Leben.

Die Projekte der WN-Spendenaktion 2018

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  • Unseren Mitmenschen helfen - besonders jenen, die in einer akuten Notsituation sind: Das ist der Leitgedanke der WN-Spendenaktion.  Wir stellen Ihnen alle vier Projekte aus Münster vor. 

    Foto: diverse
  • Weiterbildung und gesellschaftliche Teilhabe - davon sind Menschen mit Behinderung oft ausgeschlossen. Um sich weiterzubilden und gegenseitig zu bestärken, gibt es das Fabi-Bildungsprogramm "Menschen mit Behinderung bilden sich weiter" der Evangelischen Familienbildungsstätte. Es setzt darauf, dass die Teilnehmer des Projektes nicht nur selbst lernen, sondern mit dem erlangten Wissen selbst Kurse für andere Betroffene durchführen können, so wie Thomas Wendt (rechts), der Co-Leiter eines Tanzkurses ist.

    Foto: Pjer Biederstädt
  • Das Angebot des Projektes ist groß. Es geht um Gesundheit, Sport, Ernährung, Computer, Reisen oder Kultur – die Liste ist lang. Inklusion ist kein Konzept, sondern eine Haltung, so Barbara Stober, Vorsitzende des Trägervereines. Spendenkonto-IBAN: DE 43 4005 0150 0000 0088 88

    Foto: Familienbildungsstätte
  • Wenn die Krankheit einen Menschen langsam in den Tod begleitet, dann haben die meisten einen letzten Wunsch. Doch wie kommt man als todkranker Krebspatient aus dem Krankenhaus in das Stadion seines Lieblings-Fußballvereines? Oder ans Meer? Oder ein letztes mal nach Hause? Zu diesem Zweck gibt es die Wünschewagen-Hotline des Arbeiter-Samariter-Bundes: um Menschen das vielleicht letzte mal glücklich zu machen.

    Foto: Oliver Werner
  • Die Erfüller der Wünsche arbeiten ehrenamtlich, sie benötigen eine Schulung und Ausstattung. So entstehen pro Jahr für jeden Mitarbeiter Kosten in Höhe von etwa 1500 Euro. Um das Team auf 120 Mitarbeiter aufstocken zu können, um noch mehr Menschen den letzten Wunsch zu erfüllen, ist der Wünschewagen auf Spenden angewiesen. Spendenkonto-IBAN: DE 43 4005 0150 0000 0088 88

    Foto: ASB
  • Bis vor nicht allzu langer Zeit galt Lublin als eine der ärmsten Regionen in der EU. Zwar sieht das mittlerweile anders aus, dennoch fehlt es vielerorts gerade im sozialen Bereich. Um das zu ändern, stärkt Münster die Region durch eine Städtepartnerschaft. Verantwortlich dafür ist auch der Förderverein Münster-Lublin, der lokale Projekte unterstützt. 

    Foto: privat
  • Neben einem Heim für obdachlose Frauen und alleinerziehende Mütter möchte der Verein nun mit Hilfe der Evangelischen Kirchengemeinde drei weitere soziale Projekte unterstützen: ein Kinderhospiz und zwei Schulen, eine für gehörlose, die andere für blinde Schüler. Spendenkonto-IBAN: DE 43 4005 0150 0000 0088 88

    Foto: Einrichtung
  • Nach einer erfolglosen Chemotherapie stellt eine Knochenmarktransplantation für Krebspatienten oft die letzte Hoffnung dar. Mit der Transplantation geht aber auch eine wochenlange Isolation einher. Der Freundeskreis KMT Münster setzt sich dafür ein, diese Zeit so erträglich wie möglich zu gestalten.

    Foto: Freundeskreis KMT Münster
  • Das Transplantationszentrum in Münster soll um 20 Zimmer erweitert werden. Der Freundeskreis KMT Münster sammelt Spenden für neue Laborgeräte, Trainingsgeräte, E-Book-Reader und Spezialfernseher, die das Immunsystem der Patienten nicht beeinträchtigen. Spendenkonto-IBAN: DE 43 4005 0150 0000 0088 88

    Foto: Matthias Ahlke

Projekte der WN-Spendenaktion: Wünschewagen (Schwerkranken soll ein letzter Wunsch erfüllt werden), Knochenmarkzentrum (ergänzende Einrichtung von 20 neuen Patientenzimmern im Erweiterungsbau), Lublin (Unterstützung für hilfebedürftige Kinder und Jugendliche in Münsters Partnerstadt), Bildung + Behinderung (Ermöglichung gleichberechtigter Teilhabe am Leben)

► Wer für ein bestimmtes Projekt spenden möchte, sollte das bei der Überweisung vermerken. Eine Spendenquittung wird ab 200 Euro automatisch ausgestellt, wenn die Adresse angegeben ist.

► Namensnennung: Wenn Sie mit der Nennung Ihres Namens in der Zeitung einverstanden sind, tragen Sie bitte bei der Überweisung unter Verwendungszweck „Veröffentlichung: Ja“ ein.

► Konto: Sparkasse Münsterland-Ost (BLZ: 400 501 50); IBAN: DE 43 4005 0150 0000 0088 88

► Datenschutz: Ihre personenbezogenen Daten verwenden wir, soweit keine darüber hinausgehende Einwilligung vorliegt, nur zur Abwicklung des der Erhebung zugrundeliegenden Zwecks. Nähere Informationen zu unserem Umgang mit personenbezogenen Daten erhalten Sie unter www.wn.de/service/datenschutz.

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