Prototyp durch 3D-Druck
Motorrad aus dem Drucker: Heißer Ofen aus vielen Schichten

Münster -

Ein ehemaliger Münsteraner ist Entwicklungsleiter einer Weltneuheit – ein funktionstüchtiges Motorrad, das nahezu komplett aus dem Drucker kommt.

Donnerstag, 06.12.2018, 07:00 Uhr aktualisiert: 06.12.2018, 09:10 Uhr
Passend zum Design: Das E-Motorrad „Nera“ kommt ganz in schwarz daher. Ein weiteres Charakteristikum sind die luftleeren Reifen, die auf diesem Bild gut zu erkennen sind.
Passend zum Design: Das E-Motorrad „Nera“ kommt ganz in schwarz daher. Ein weiteres Charakteristikum sind die luftleeren Reifen, die auf diesem Bild gut zu erkennen sind. Foto: NowLab/BigRep GmbH

Die Formen sind futuristisch, alles ist in schwarz gehalten. „Nera“ heißt das E-Motorrad, das von „ BigRep“, nach eigenen Angaben international führender Hersteller großformatiger 3D-Drucker, entwickelt worden ist. Das bislang weltweit Einzigartige an der Maschine: Abgesehen vom Elektromotor, dem Akku und etwas Verkabelung kommt das gesamte Motorrad aus einem 3D-Drucker des Unternehmens. Hergestellt mittels vieler kleiner Schichten. Entwicklungsleiter des Projekts ist Daniel Büning, der einst in Münster an der Fachhochschule studierte.

„Wir wollten zeigen, dass mit einem 3D-Drucker ein funktionstüchtiges Fahrzeug herstellbar ist“, sagt der geborene Emsländer Büning, der von 2003 bis 2011 in Münster lebte. Zudem wolle man das revolutionäre Potenzial des 3D-Drucks für die Industrie zeigen, heißt es von Unternehmensseite. Der 36-jährige Büning ging 2011 nach Berlin, gründete dort 2014 das „NowLab“, das 2016 von „BigRep“ gekauft wurde und seitdem die Innovationsabteilung der Firma ist.

Ein echter Coup

Auf den ersten Blick überraschend: Büning, der lange in der Kinderhauser Straße im Kreuzviertel wohnte, studierte in Münster Architektur. Erst im Zuge eines Stipendiums kam er in den USA mit „Digital Technology“ in Berührung. Zurück in Münster machte Büning 2011 seinen Master of Arts in Architektur und zog daraufhin in die Hauptstadt. Weil es in Münster zu diesem Zeitpunkt kaum Möglichkeiten im Bereich der digitalen Technologien gegeben habe, erzählt Büning.

Der ehemalige FH-Student Daniel Büning.

Der ehemalige FH-Student Daniel Büning. Foto: NOWlab/BigRep GmbH

Mit „Nera“ ist „BigRep“ und Entwicklungsleiter Büning nun offenbar ein echter Coup gelungen. „Das geht gerade um die Welt“, erzählt Büning, der bis 2016 noch Lehraufträge an der FH Münster wahrnahm. Die andere Art der Fertigung, bei der nur das Material verbraucht werde, das auch wirklich benötigt wird, sei neben der lokalen Verfügbarkeit von Ersatzteilen ein großer Vorteil der Innovation.

Nur ein Prototyp

Wer aufgrund der Herstellungsweise starre Formen erwartet, der liegt in diesem Fall weit daneben. „BigRep“ präsentiert mit dem Motorrad zugleich auch einen speziellen Sitz, genannt „Aero Seat“. Mithilfe eines vorher angefertigten 3D-Körperscans sowie dem aus flexiblem Material gedruckten Sitzkissen verspricht das Unternehmen eine Anpassung an die jeweilige Körperform und dadurch eine sinkende körperliche Belastung gerade bei längeren Fahrten. Aus dem 3D-Drucker sind übrigens auch die Reifen, die ohne Luft auskommen.

Wer auf den Geschmack gekommen ist, auf den wartet bis auf weiteres allerdings eine Enttäuschung. „Nera“ ist lediglich als Prototyp konzipiert. Doch eine serienreife Produktion ist für Büning nur eine Frage der Zeit. Schließlich ließen sich durch den 3D-Druck höchst individuelle Produkte ohne finanziellen Mehraufwand herstellen.

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