Debatte zu Knecht Ruprecht im Internet
„Tradition wird Wichtigtuerei überstehen“

Münster -

Ist Knecht Ruprecht nicht mehr zeitgemäß? Das hat Grünen-Politikerin Josefine Paul aus Münster behauptet. Und damit heftige Reaktionen ausgelöst.

Freitag, 07.12.2018, 18:30 Uhr aktualisiert: 07.12.2018, 19:06 Uhr
 
  Foto: Federico Gambarini/dpa

Die münsterische Landtagsabgeordnete Josefine Paul (Grüne) hat mit ihrer Aussage, Knecht Ruprecht sei nicht mehr zeitgemäß, bundesweit für Diskussionsstoff gesorgt. Kindern solle man nie drohen, das passe nicht mehr zur heutigen Kindererziehung, hatte die 36-Jährige mit Blick auf die Funktion der Figur, unartige Kinder zu bestrafen, gesagt.

Unsere Zeitung hat in den sozialen Medien Leser gefragt, wie sie dazu stehen.

Münsters Ratsherr Stefan Leschniok ( CDU) kommentierte auf Facebook: „Vor ein paar Jahren forderte Linken-Fraktionschef Rüdiger Sagel das Aus für Sankt Martin, jetzt will unsere grüne Landtagsabgeordnete Josefine Paul dem Knecht Ruprecht ans Leder. Ich bin mir aber sicher, dass unsere gelebten Traditionen auch diese Wichtigtuerei überstehen werden.“

Es gibt Wichtigeres zu tun

Die prompte Antwort kam von Andreas Condor Degenkolbe: „Tja, wer das Bestrafen und Einschüchtern als Tradition sieht, der mag das für sich tun – wirft aber ein bezeichnendes Licht auf sich selbst.“

Auch CDU-Politiker Ruprecht Polenz meldete sich zu Wort: "Weshalb die Aufregung? Knecht Ruprecht hat mit dem Christentum nichts zu tun, und die Rute ist - auch im übertragenen Sinn - kein taugliches Erziehungsmittel. Nicht jeder Brauch ist es wert, erhalten zu werden."

Viele User sind der Meinung, dass die Debatte kaum lohne, gebe es für Politiker doch Wichtigeres zu tun. So ist auch der ironische Kommentar von Heinrich Schulte-Brömmelkamp zu verstehen: „Endlich kümmert sich jemand um die wirklichen Probleme in diesem Land.“

Eindeutiges Online-Voting

Leon Herbstmann von der grünen Jugend Münster betonte, dass es nicht um die Abschaffung des Knecht Ruprechts, sondern nur um seine Rolle als „böser Bestrafer der unartigen Kinder“ gehe. „Aber scheinbar wären viele Erwachsene bei der Erziehung ihrer Kinder überfordert, wenn sie auf die Erzählung des bestrafenden Knecht Ruprechts verzichten müssten“, kommentierte er.

Salomonische Worte kamen von Christiane Werner: „Man muss ihn ja nicht abschaffen. Eine Aufgabenumverteilung wäre angebracht.“

In einem Online-Voting hat unsere Zeitung gefragt, ob Knecht Ruprecht noch zeitgemäß ist. 792 Menschen haben abgestimmt (Stand: Freitag, 18.08 Uhr), 85 Prozent haben die Frage mit Ja beantwortet. Nur zwölf Prozent sagten, Josefine Paul habe recht. Drei Prozent gaben an, dazu keine Meinung zu haben.

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