Skater-Legende feiert Geburtstag
Titus Dittmann rollt durchs Leben

Münster -

Münsters Skate-Papst Titus Dittmann wird 70 Jahre alt. Zeit für einen Blick zurück. Er selbst schaut natürlich nur in eine Richtung: Nach vorne.

Samstag, 08.12.2018, 16:00 Uhr aktualisiert: 09.12.2018, 12:29 Uhr
Auch im Alter von 70 Jahren steht Titus Dittmann noch regelmäßig auf seinem Skateboard.
Auch im Alter von 70 Jahren steht Titus Dittmann noch regelmäßig auf seinem Skateboard. Foto: Thomas Gentsch

Es ist die Geschichte von einem, den einer seiner Lehrer einst nach vorne holte und zur Klasse sagte, wenn man nichts aus sich machen wolle, dann müsse man nur so werden wie dieser Junge. Von einem, der trotzdem Lehrer wurde und seinen Beamtenstatus für eine fixe Idee aufgab. Von einem, der als Unternehmer auch schwerste Krisen bewältigen musste. Es ist die Geschichte von einem, der Pionier und Extremsportler, Firmenchef und Stiftungsgründer, Arbeitstier und Lebemann ist. Es ist die Geschichte von Titus Dittmann, dem vielleicht weltweit bekanntesten Münsteraner.

Brötchen holen mit dem Skateboard

Heute, an seinem 70. Geburtstag (8. Dezember), wird Dittmann, den sie alle nur Titus nennen, wohl auf sein Skateboard steigen. „Das mache ich am Wochenende eigentlich immer, wenn ich Brötchen hole“, sagt er und lächelt. Manchmal, so verrät er, putze er sich auch die Zähne auf einem Bein, nur um sein Gleichgewicht zu trainieren.

Wirklich verwundern mag das wohl niemanden, der ihn kennt. Titus Dittmann, der ab Ende der 70er-Jahre das Skateboarden in Deutschland populär machte, hat so viel erlebt und aufgebaut, er könnte sich einfach zurücklehnen und bis an seinen Lebensabend Anekdoten erzählen, ohne dass es langweilig werden würde.

Ziele bis zum Lebensende

Wie er zum Beispiel einst den späteren Skateboard-Weltstar Tony Hawk im Zimmer seines Sohnes mit Lego spielend entdeckte. Oder wie er bei seiner Abiturprüfung im Hochsprung eine Technik anwendete, die arg an die des wenig später weltweit bekannten Fosbury Flops erinnerte. Wie er im Internat einen Fahrdienst für seine Mitschüler anbot, um sich sein Auto zu finanzieren. Oder eben, wie er vom Beobachter eines Skaters am Aasee innerhalb weniger Jahre zum Organisator der Skateboard-Weltmeisterschaft wurde.

Titus Dittmann – Stationen seines Lebens

1/30
  • Titus bei der Einschulung mit Schultüte 1955.

    Foto: privat
  • Heimweg aus der Sonntagsschule 1957.

    Foto: privat
  • ...mit dem Titus-Flop

    Foto: privat
  • Jetzt wird es heiß: 1968 mit Backenbart und Minipli.

    Foto: privat
  • Titus beim Drachenfliegen, 1974.

    Foto: privat
  • Rollen am Aaseehügel 1978.

    Foto: privat
  • Als Sportstudent mit Handstand auf dem Brett 1978.

    Foto: privat
  • Titus mit Schnauzbart in den 70ern.

    Foto: privat
  • Titus 1978 bei der WN-Roller-Disco in der Halle Münsterland.

    Foto: privat
  • Titus Skates Show Team, 1979.

    Foto: privat
  • Titus als Lehrer mit seiner Skateboard-AG am Hittorf-Gymnasium (1979).

    Foto: privat
  • Gut geschützt in der Halfpipe 1980.

    Foto: Björn Meyer
  • Klassenfahrt als Studienrat 1981.

    Foto: privat
  • Eine Skate-Show am Stadthaus 1 Anfang der 80er-Jahre.

    Foto: privat
  • Titus 1987 als Snowboarder.

    Foto: privat
  • Eine Halfpipe im Garten darf nicht fehlen, 1988.

    Foto: privat
  • Skateparkbau am Berg Fidel, 1988.

    Foto: privat
  • Starke Fridur bei der Münster Monster Mastership 1988 in der Eishalle.

    Foto: privat
  • Tony Hawk, der bekannteste Skater weltweit, war 1989 bei der Münster Monster Mastership in Westfalen zu Gast und wohnte bei Titus.

    Foto: privat
  • Als Vorstand der Titus AG 2000.

    Foto: privat
  • Auszeichnung als Entrepreneur des Jahres 2001.

    Foto: Joopen
  • Auch über den Wolken auf dem Skateboard: Bei einem solchen Sprung geriet Titus einst ins Trudeln, löste die brenzlige Situation schließlich aber selbst (2005).

    Foto: privat
  • Besteigung des Kilimandscharo 2008.

    Foto: privat
  • Verleihung des NRW-Verdienstordens 2009.

    Foto: privat
  • Mit seiner Stiftung skate-aid 2010 in Afghanistan.

    Foto: Maurice Ressel
  • 2013 erhält Titus den Deutschen Gründerpreis

    Foto: Franziska Krug
  • Flüchtlingsprojekt 2016 in Münster

    Foto: Stefan Lehmann
  • Vorlesestunde mit Titus in Uganda, 2018.

    Foto: skate-aid
  • Erste Rollversuche für einen Skatepark in Damaskus, 2018

    Foto: skate-aid
  • Noch immer auf dem Brett, das ihm die Welt bedeutet: Titus Dittmann.

    Foto: Thomas Gentsch

Doch obwohl Titus Dittmann gerne erzählt, es gebe da etwas, das ihn weitaus stärker antreibt. „Pionier sein, mitzugestalten, das ist das Größte“, sagt er und ergänzt: „Ich werde mir bis zu meinem Lebensende Ziele setzen. Die Latte immer wieder ein bisschen höher legen.“ So eben, wie er das stets getan hat. Ziele, die nie leicht, aber doch irgendwie erreichbar waren. „Und wenn ich sie erreicht habe, dann freue ich mich darüber so richtig“, sagt Dittmann mit einem spitzbübischen Lächeln.

Den eigenen Weg gehen

Derzeit arbeitet Titus Dittmann an einem Buch. „Lernen muss nicht scheiße sein“, soll es heißen. Pädagogik, findet Titus, sei in der richtigen Dosis wie Medizin, zu viel aber sei Gift. Titus hält viel von dem, was ihn selber stark gemacht hat: Intrinsische Motivation. Lernen durch Spaß, könnte man sagen. Und er sagt: „Wir müssen unseren Kindern Dinge beibringen, die Maschinen nicht besser können.“

Von „Normierung und Anpassung“ hält Titus Dittmann dagegen auch im Alter von 70 Jahren nichts. Eine Einstellung, die für ihn persönlich stets aufging. Auch, weil er nach eigenen Angaben schon als Junge bereit war, die Strafen für Unangepasstheit einzustecken. Titus Dittmann ist stets seinen Weg gegangen, oder besser, er ist ihn gerollt. Das Ergebnis: „Egal, wo ich hinkomme, fast überall sind die Reaktionen heute positiv“, sagt Titus.

Mit Skateboard im konservativen Münster

Mit der Stadt Münster hätte er dennoch noch ein Hühnchen zu rupfen: „Münster, das war mal der Skate-Mittelpunkt der Welt. Aber daraus gemacht haben sie nichts.“

Vielleicht aber ist Titus Dittmann gerade deshalb in Münster geblieben. Pläne, nach Los Angeles umzuziehen, wurden jedenfalls schnell ad acta gelegt. „Irgendwie war es damals der Reiz, es mit Skateboarden gerade im konservativen Münster zu schaffen. Und das hat ja auch eineinhalb Jahrzehnte geklappt“, sagt Dittmann. Im Hintergrund, und dennoch immer an seiner Seite, Frau Brigitta, mit der er schon 44 Jahre lang verheiratet ist.

Titus Dittmanns Geschichte ist die von einem, der Dinge stets anders machen wollte, um sie besser machen zu können. Es ist eine Geschichte, die noch nicht zu Ende geschrieben ist.

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