Unterstützung für Kinderhospiz in Lublin
Bruder Filip begleitet letzte Etappe

Lublin -

Seit mehr 20 Jahren versorgt das Kinderhospiz „Der kleine Prinz“ in Lublin schwerstkranke Kinder. Das Hospiz hat vielfältige Angebote: Fachärzte sind vor Ort, aber auch Ausflüge werden organisiert, um dem letzten Abschnitt Leben einzuhauchen. Selbsthilfegruppen helfen den Familien, Trauer und Schmerz zu bewältigen.Der Förderverein Münster-Lublin sammelt unter anderem dafür Spenden.

Dienstag, 11.12.2018, 10:00 Uhr
Bruder Filip leitet das Kinderhospiz „Der kleine Prinz“.
Bruder Filip leitet das Kinderhospiz „Der kleine Prinz“. Foto: Dirk Anger

Der kleine Kuba liegt ruhig in den Armen seiner Mutter. Vor Kurzem ist der Junge ein Jahr alt geworden. Der süße Babyspeck steht ihm noch richtig im Gesicht. Ein Wonneproppen, dem seit seinem ersten Lebenstag auf dieser Welt ein düsteres Schicksal anhängt. „Genetisch bedingt kommt es bei ihm immer wieder zu Atemstillstand“, erzählt Bruder Filip beim Gang über die Station des Kinderhospizes in Münsters polnischer Partnerstadt Lublin. Hier erleichtert ein Beatmungsgerät Kuba die ihm verbliebene Zeit. Elf kleine Patienten wie er liegen hier – allesamt mit todbringenden Diagnosen.

Ein Auftrag und eine Verpflichtung

Gegründet hat Bruder Filip das Kinderhospiz mit dem Namen „Der kleine Prinz“ 1997, als zweites in ganz Polen. Als der Franziskaner-Mönch Anfang der 90er-Jahre in Lublin Psychologie studierte, hatte er freiwillig auf einer Kinderonkologie-Station mitgearbeitet. „Die Idee für ein Kinderhospiz entstand damals beim Tode eines Jungen“, erzählt Bruder Filip in seinem kleinen Büro zwischen Engeln im Regal und vielen Dankschreiben an der Wand. „Der schwer kranke Junge sagte mir vor seinem Tod: Ich will nach Hause.“ Diesen eindringlichen Wunsch empfand Bruder Filip gleichsam als Auftrag und Verpflichtung, wie er sagt: „Ein Kind sollte so eine Möglichkeit haben.“

Seit nunmehr 21 Jahren betreut das Kinderhospiz, das vom gleichnamigen Verein „Der kleine Prinz“ getragen wird, die kleinen Patienten auch zu Hause, leistet kostenfreie Palliativversorgung in den eigenen vier Wänden, hilft damit den Eltern und Familien, so lange, wie es geht, im heimischen Umfeld bleiben zu können: Aktuell kümmert sich Bruder Filip mit seinen Mitarbeitern hierbei um 46 unheilbare kranke Kinder in der Großstadt Lublin und der gesamten Region.

„Wenn es sich um schlechte soziale Verhältnisse handelt oder der Gesundheitszustand sich verschlechtert, kommen sie ins stationäre Hospiz“, berichtet der Mönch, der seit 37 Jahren dem Franziskaner-Orden angehört. „Die kleinen Patienten werden hier auf der letzten Etappe aufgenommen.“ Die medizinische Rund-um-die-Uhr-Versorgung ist kostenfrei, Eltern und Geschwister können kostenlos übernachten.

1,5 Millionen Euro im Jahr

Im Kinderhospiz finden sich vielfältige Angebote: Fachärzte sind vor Ort, aber auch Ausflüge werden organisiert, um dem letzten Abschnitt Leben einzuhauchen. Selbsthilfegruppen helfen den Familien, Trauer und Schmerz zu bewältigen.

Bruder Filip ist der Motor der Einrichtung, ein gefragter Mann. Ständig bimmelt sein Smartphone, die Wege im Hospiz legt er eilenden Schritts zurück. Schließlich steht später noch ein Gespräche mit einem schwer kranken kleinen Patienten und den Eltern an. Daneben umtreibt den Franziskaner-Bruder stets die Frage, wie er all das Geld zusammenbekommt, das der Betrieb des Kinderhospizes erfordert.

„Wir brauchen sechs Millionen Zloty im Jahr“, berichtet er. Das sind umgerechnet fast 1,5 Millionen Euro, gut 60 Prozent davon kommen aus dem nationalen Gesundheitsfonds. Der Rest? „Wir betteln, wo wir können“, sagt Bruder Filip schmunzelnd und freut sich, dass der Förderverein Münster-Lublin sich unter anderem für sein Hospiz einsetzt. Schließlich kostet ein transportables Beatmungsgerät schnell 1000 Euro – und andere Dinge sind nicht billiger.

Für Kubas Mutter ist das Kinderhospiz eine große Hilfe. Sie schläft nicht in einem der Übernachtungszimmer, sondern auf der Pritsche neben dem Gitterbett – ganz nah bei ihrem Liebling. Das sind für sie kleine Glücksmomente auf einem schweren letzten Weg, den Bruder Filip und sein Team so menschlich wie möglich begleiten wollen.

Projekte: Wünschewagen (Schwerkranken soll ein letzter Wunsch erfüllt werden), Knochenmarkzentrum (ergänzende Einrichtung von 20 neuen Patientenzimmern im Erweiterungsbau), Lublin (Unterstützung für hilfebedürftige Kinder und Jugendliche in Münsters Partnerstadt), Bildung + Behinderung (Ermöglichung gleichberechtigter Teilhabe am Leben)

► Wer für ein bestimmtes Projekt spenden möchte, sollte das bei der Überweisung vermerken. Eine Spendenquittung wird ab 200 Euro automatisch ausgestellt, wenn die Adresse angegeben ist.

► Namensnennung: Wenn Sie mit der Nennung Ihres Namens in der Zeitung einverstanden sind, tragen Sie bitte bei der Überweisung unter Verwendungszweck „Veröffentlichung: Ja“ ein.

► Konto: Sparkasse Münsterland-Ost (BLZ: 400 501 50); IBAN: DE 43 4005 0150 0000 0088 88

► Datenschutz: Ihre personenbezogenen Daten verwenden wir, soweit keine darüber hinausgehende Einwilligung vorliegt, nur zur Abwicklung des der Erhebung zugrundeliegenden Zwecks. Nähere Informationen zu unserem Umgang mit personenbezogenen Daten erhalten Sie unter www.wn.de/service/datenschutz.

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