Dritte Wahl im Interview
Viele kleine Stufen zum Erfolg

Münster -

Die Rostocker Punkband Dritte Wahl feiert 30. Geburtstag. Mit einer neuen Single im Gepäck spielt das Quartett am Freitagabend im Skaters Palace. Wir haben mit dem Frontmann der Band über Punk, Politik und weitere Pläne gesprochen.

Donnerstag, 13.12.2018, 11:00 Uhr aktualisiert: 15.12.2018, 17:10 Uhr
Dritte-Wahl-Frontmann Gunnar Schröder (l.) und seine Band feiern ihr 30-jähriges Bestehen mit der Hamburger Punkband Slime im Skaters Palace.
Dritte-Wahl-Frontmann Gunnar Schröder (l.) und seine Band feiern ihr 30-jähriges Band-Bestehen mit der Hamburger Punkband Slime im Skaters Palace. Foto: Dritte Wahl

Ihr habt mit Sondaschule den Song „Der große Tag“ aufgenommen. Eine Art eigenes Geburtstagsständchen. Wie kam die Kooperation zustande?

Gunnar Schröder : Ich hatte das bereits im Sommer geplant, weil wir für den Song unbedingt Bläser brauchten. Sondaschule sind wir hin und wieder zwar auf Festivals über den Weg gelaufen, aber da waren wir noch nicht befreundet. Dann haben sie in Rostock auf unserem eigenen Open Air gespielt, das lief sehr harmonisch ab, und sie waren uns direkt sympathisch. Wir haben dann die Sachen aufgenommen, das Video gedreht und so ist eine große Freundschaft entstanden.

Seid ihr stolz darauf, dass ihr im Gegensatz zu vielen anderen Bands, jetzt schon 30 Jahre zusammen seid?

Gunnar: Wenn man mal darüber nachdenkt, ist das doch der Wahnsinn, das schaffen die meisten nicht. Auch wenn wir nur noch zwei von der alten Besetzung sind. Einer fehlt zwangsweise, weil er gestorben ist. Aber das ist etwas anderes: Es gibt Bands, die feiern Jubiläum und da ist von der Originalbesetzung gar keiner mehr dabei. Wir haben auch lange Zeit gekämpft, für'n Appel und 'n Ei vor wenig Leuten gespielt. Viele Bands zerbrechen daran, wenn es nicht schnell vorangeht. Bei uns ging das relativ langsam, wir haben viele kleine Stufen nehmen müssen. Aber wir haben Geduld, sind gute Freunde und unsere Familien unterstützen uns. Das ist wichtig.

Ihr wollt ja noch bis 2048 weitermachen...

Gunnar: . . . ja, da haben wir uns festgelegt (lacht).

Ihr spielt in Münster mit Slime zusammen.

Gunnar: Wir spielen mit ihnen zwei Konzerte, das sind alte Helden von mir. Auch, wenn wir schon öfter mit ihnen zusammengespielt haben, freue ich mich, dass das wieder klappt. Die sind super sympathisch und das wird bestimmt sehr lustig.

Gibt es irgendwas Spezielles bei den Konzerten anlässlich des Geburtstages ? Bläser vielleicht?

Gunnar: Bläser nicht, aber wir haben mittlerweile eine selbstspielende Trompete. Es gibt ja mittlerweile alles heutzutage (lacht). Wir bieten ein buntes Programm, mit Songs, die wir noch nie live gespielt haben. Ein bisschen querbeet, ein bisschen Best-of und einen alten Song, den wir noch nie veröffentlicht haben. Das wird nicht langweilig.

Wie hat sich deiner Meinung nach Punk in den Jahrzehnten verändert?

Gunnar: Ich weiß es gar nicht genau. Man bildet sicher ja selbst ein, dass man sich wenig verändert. Ich glaube, dass der Ernst etwas raus ist, und das tut der Sache auch gut. Die Leute sind heute entspannter, zeigen nicht mehr mit dem Finger auf einen, warten nicht darauf, dass man Fehler macht. Ich fühle mich wohl mit meinen Punkrock-Wurzeln, vor allem auch, wenn es darum geht, politisch an Dinge heranzugehen.

Tickets

Slime & Dritte Wahl, Freitag 14.12., Skaters Palace, 20 Uhr. 

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Wie ist das für dich als Rostocker, wenn du siehst, was in Dresden montags passiert oder was in Chemnitz abgegangen ist? Oder wie hoch die Umfragewerte der AfD sind?

Gunnar: Nach der Wende gab es auch eine krasse Zeit. Aber mit Glasnost hatte ich die Hoffnung, dass die Welt ein bisschen besser werden würde. Aber im Moment ist es ja das Gegenteil, nicht nur bei uns. Kriege überall. Man weiß gar nicht mehr, was man seinen Kindern da hinterlässt. Und dass Leute wie Trump oder Bolsonaro tatsächlich gewählt werden, da bin ich etwas froh, dass es eine solche „Persönlichkeit“ in Deutschland aktuell nicht gibt. Mit deren Personal ist hoffentlich ihr Potenzial auch ausgereizt, aber lass mal jemanden wie Haider aufkommen. Jemanden, der reden kann. Das wäre wirklich sehr beängstigend.

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