Stifter Gert Huizinga verstorben
Ihm verdankt Münster das Picasso-Museum

Münster -

Ohne ihn gäbe es das Kunstmuseum Pablo Picasso nicht: Der Kunstsammler Gert Huizinga ist im Alter von 91 Jahren verstorben. 1997 hatte er seine einzigartige Sammlung mit 722 Lithographien von Pablo Picasso in eine Stiftung überführt und so den Grundstein für das Museum gelegt.

Samstag, 15.12.2018, 07:00 Uhr aktualisiert: 16.12.2018, 17:31 Uhr
Im Kunstmuseum Pablo Picasso an der Königsstraße in Münster traf Gert Huizinga (r.) im Jahr 2009 auf Claude Picasso, den Sohn des Jahrhundertkünstlers Pablo Picasso.
Im Kunstmuseum Pablo Picasso an der Königsstraße in Münster traf Gert Huizinga (r.) im Jahr 2009 auf Claude Picasso, den Sohn des Jahrhundertkünstlers Pablo Picasso. Foto: Jürgen Peperhowe

„Wir haben einen großen Menschen und einen leidenschaftlichen Kunstfreund verloren.“ Mit diesen Worten würdigt der Leiter des Kunstmuseums Pablo Picasso, Prof. Dr. Markus Müller, den Lengericher Sammler Gert Huizinga, der am Sonntag im Alter von 91 Jahren verstorben ist. 1997 hatte Huizinga 722 Lithographien in eine von den Sparkassen in Westfalen-Lippe, der Westdeutschen Landesbank Girozentrale, den Westfälischen Provinzial-Versicherungen sowie von ihm und seiner Frau gegründete Stiftung eingebracht und damit den Grundstein für das münsterische Picasso-Museum gelegt.

Ursprünglich wollte Huizinga selbst Künstler werden. Zusammen mit Horst Janssen und Günter Grass studierte er in Hamburg Bildende Kunst, schlug danach allerdings eine Karriere als Grafiker ein, die sehr erfolgreich verlief. Unter anderem entwickelte er Entwürfe für die Verpackungsindustrie. Privat war er indes bis ins hohe Alter künstlerisch tätig.

Bei beruflichen Aufenthalten in Paris lernte er nicht nur Picassos frühere Muse Marie-Thérèse Walter, sondern auch Picassos Drucker Fernand Mourlot kennen. Anfang der 1950er-Jahre erwarb Huizinga seine erste Picasso-Grafik, in den Jahrzehnten darauf trug er die vollständigste Sammlung von Picasso-Lithographien weltweit zusammen – darunter sehr seltene Zustandsdrucke und Unikate, an denen beispielhaft Picassos Schaffensprozess nachvollzogen werden kann. Markus Müller spricht vom „goldenen Weg zum Verständnis von Picassos Genialität“, der in Huizingas Kollektion sichtbar werde. „Gerade dies ist sein großer Verdienst, seine Sammlung ist einzigartig, unerreicht.“

Huizinga sei ein charismatischer, durchsetzungsstarker, vor allem aber leidenschaftlicher Sammler gewesen, der lebenslang das Ziel verfolgt habe, eine bedeutende Sammlung mit grafischen Werken von Picasso zusammenzutragen.

„Huizinga gelang es, andere mit dieser Leidenschaft anzustecken. Selbst Experten konnten noch von ihm lernen. Dabei trat er nie als Besserwisser auf, wollte keine Lektionen erteilen – sondern mit seiner Begeisterung anstecken“, sagt Müller. Für ihn selbst sei Huizinga ein väterlicher Mentor und Freund gewesen. „Wir haben jede Woche mehrmals telefoniert, gleichzeitig ließ er dem Museum freie Hand“, betont der Leiter. Seine Texte habe er, Müller, regelmäßig dem Sammler aus Lengerich vorgelegt – und sei auch schon mal ermahnt worden, nicht so viele Fremdworte zu verwenden. Einmal im Jahr lud Huizinga die gesamte Belegschaft des Museums zu Kaffee und Kuchen ein.

Mit dem großen Berliner Galeristen und Sammler Heinz Berggruen sei Huizinga gut befreundet gewesen. Einmal, berichtet Müller, sei es Huizinga gelungen, bei der Versteigerung der Sammlung der Picasso-Gefährtin Dora Maar einen Platz in der ersten Reihe, neben Berggruen, zu ergattern, obwohl er keine Einladung hatte. „Wie haben Sie das geschafft?“, wollte Berggruen wissen. „Ich habe meine Bahncard am Eingang gezeigt“, sagte Huizinga.

Heute ist das Picasso-Museum in Münster international bekannt – dank Gert Huizinga, ohne dessen Stiftung es nicht existieren würde. Das Museum wird ab heute im Foyer das Bild des Stifters, der seine Frau, zwei Söhne und einen Enkel hinterlässt, aufstellen. Zudem liegt ein Kondolenzbuch aus.

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