Wohnungsnot in Münster
Caritas sieht Stadt in der Pflicht

Münster -

Dass überschuldete Haushalte oder Alleinerziehende es ziemlich schwer auf dem hochpreisigen Wohnungsmarkt in Münster haben, ist nicht neu. Die Caritas sieht die Wohnungsnot mittlerweile aber auch bei Familien mit gutem Einkommen angekommen – und nennt Versäumnisse seitens der Stadt.

Donnerstag, 20.12.2018, 12:15 Uhr aktualisiert: 20.12.2018, 12:49 Uhr
Caritas-Mitarbeiterin Theresa Deuschler berät einen Klienten. Wohnungsnotfälle haben in Münster inzwischen auch Familien mit gutem Einkommen erreicht. 1500 Kontakte jährlich bei drei Mitarbeitenden zeigen die Problematik.
Caritas-Mitarbeiterin Theresa Deuschler berät einen Klienten. Wohnungsnotfälle haben in Münster inzwischen auch Familien mit gutem Einkommen erreicht. 1500 Kontakte jährlich bei drei Mitarbeitenden zeigen die Problematik. Foto: Caritasverband für die Stadt Münster

Sie spüren die Folgen des Wohnungsmangels in Münster täglich: Drei Mitarbeiter des Sozialdienstes Wohnungsnotfälle der Caritas beraten Menschen, wenn diese Gefahr laufen ihre Wohnung zu verlieren. Wichtig ist die präventive Unterstützung, damit es gar nicht erst zu Notlagen kommt. Rund 1500 Kontakte jährlich, 60 bis 80 intensive monatelange Beratungen pro Mitarbeitendem zeigen: „Der Druck steigt, weil der Wohnungsmarkt in Münster stark von Konkurrenz geprägt ist. Dies erleben auch gut verdienende Familien“, sagt Sozialarbeiter Alfred Dickhoff .

Münster läuft Gefahr, eine lebenswerte Stadt nur für Reiche zu werden.

Caritas-Vorstand Thomas Schlickum

Aus Sicht der Caritas Münster ist in den vergangenen Jahren viel zu wenig in den Sozialen Wohnungsbau investiert worden. „Hier ist die Stadt in der Pflicht, bei der Planung benachteiligte Menschen und ihre Bedürfnisse stärker zu berücksichtigen“, betont Caritas-Vorstand Thomas Schlickum auch mit Blick auf die künftigen Wohngebiete in Gievenbeck und Gremmendorf. „Münster läuft sonst Gefahr, eine lebenswerte Stadt nur für Reiche zu werden.“

Die bundesweite Caritas-Kampagne 2018 „Jeder Mensch braucht ein Zuhause“ sei für Münster jedenfalls treffender denn je. „Seit Mitte des Jahres 2018 können wir keine weiteren Fälle im Sozialdienst Wohnungsnotfälle im Stadtbezirk Mitte aufnehmen, da wir unsere Kapazitätsgrenzen erreicht haben. Hier ist die Stadt Münster in der Pflicht, einer Stellenerweiterung zuzustimmen“, betont Caritas-Abteilungsleiter Bernhard Paßlick.

Überschuldete Haushalte haben es schwer auf dem Wohnungsmarkt

Schwer auf dem Wohnungsmarkt haben es beispielsweise überschuldete Haushalte. „Viele Vermieter verlangen eine Schufa-Auskunft. Mit Einträgen sind unsere Klienten schnell aus der Vergabe heraus“, berichtet Sozialarbeiterin Theresa Deuschler . Dies betrifft nach den derzeit aktuellen Zahlen des Schuldneratlasses rund jeden elften Haushalt in Münster. „Für ärmere Menschen und Familien sind viele Mieten zu hoch“, so dass angebotener Wohnraum gar nicht in Betracht kommt, ist die Erfahrung der Caritas. Generell sei das Angebot äußerst klein.

Ein typischer Fall: Eine junge Mutter von zwei Kindern trennt sich von ihrem Lebenspartner. Schulen und Arbeitsplatz der Mutter befinden sich in Handorf. Sie selbst hat kein Auto. „Ich habe dort keine bezahlbaren Wohnungen gefunden“, berichtet die junge Frau. In der bisherigen Wohnung habe sie wegen der Trennung aus finanziellen Gründen auch nicht bleiben können.

Sie wendet sich an die Caritas. Gemeinsam wird nach einer Lösung gesucht und dabei werden durch die Sozialarbeiter auch bestehende Netzwerke der Zusammenarbeit mit Behörden, Vermietern und Wohnungsbaugesellschaften genutzt. Darüber kann die Notlage für die alleinerziehende Mutter abgewendet werden. Wichtig ist den Caritas-Mitarbeitenden, dass sie nicht nur in Akut-Situationen unterstützen, sondern auch präventiv beraten, um Mietschulden oder Räumungsklagen vorzubeugen.

Gute Zusammenarbeit mit der Wohn- und Stadtbau

„Wir haben bei der städtischen Wohn- und Stadtbau Ansprechpartner, bei denen wir für unsere Klienten in besonderen Notlagen oft noch Lösungen finden können, weil dort soziale Aspekte berücksichtigt werden“, lobt Alfred Dickhoff die Zusammenarbeit. Auch private Vermieter ließen sich oft auf die Vermittlung ein. „Wichtig ist, dass jemand im Konfliktfall dazwischengeschaltet ist“.

Dabei ist der Caritas wichtig zu betonen, dass sich auch Vermieter frühzeitig an den Dienst wenden können, um Unstimmigkeiten zu klären. So kann im Vorfeld beispielsweise eine Räumungsklage verhindert werden, denn daran „hat ja in der Regel keiner ein Interesse“, sagt Alfred Dickhoff.

Unser erstes Ziel ist es in Krisen, die Wohnung zu erhalten.

Sozialarbeiterin Theresa Deuschler

„Unser erstes Ziel ist es in Krisen, die Wohnung zu erhalten“, berichtet Theresa Deuschler. Manchen Klienten sei nicht bekannt, welche Möglichkeiten der Förderung – etwa durch Wohngeld – bestehen. Hierbei unterstützt die Caritas beim Ausfüllen von Formularen. In besonders dringenden Fällen könne das Sozialamt mit einem Darlehn bei Mietschulden helfen.

Zum Thema

Offene Sprechstunden des Sozialdienstes Wohnungsnotfälle unter www.caritas-ms.de

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