Kritik am neuen Hochschulgesetz
Uni-AStA sieht „Freiheit in Gefahr“

Münster -

Der AStA der Universität kritisiert das neue Hochschulgesetz. Unter anderem reiben sich die beiden Vorsitzenden an den vorgesehenen Änderungen bei der Anwesenheitspflicht.

Freitag, 21.12.2018, 18:00 Uhr aktualisiert: 21.12.2018, 18:13 Uhr
Die Vorsitzenden Anna Holeck und Nikolaus Ehbrecht stoßen sich an den vorgesehenen Änderungen zur Anwesenheitspflicht in Lehrveranstaltungen.
Die Vorsitzenden Anna Holeck und Nikolaus Ehbrecht stoßen sich an den vorgesehenen Änderungen zur Anwesenheitspflicht in Lehrveranstaltungen. Foto: AStA

Die schwarz-gelbe Landesregierung will im Februar ein neues Hochschulgesetz verabschieden. Studierenden-Vertretungen an vielen Hochschulstandorten haben nach der Vorstellung der Eckpunkte des neuen Gesetzes Alarm geschlagen – jetzt auch der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) der Universität Münster .

Die beiden Vorsitzenden Anna Holeck und Nikolaus Ehbrecht stoßen sich vor allem an den vorgesehenen Änderungen zur Anwesenheitspflicht in Lehrveranstaltungen der Hochschulen. Hier nämlich sollen die Hochschulen mehr Freiheiten bekommen, Anwesenheitspflicht zu verhängen.

Freiheit der Lehre in Gefahr?

Die rot-grüne Vorgänger-Regierung hatte die Anwesenheitspflicht abgeschafft. Die Hochschulen hatten aber die Möglichkeit, bei Seminaren und Übungen, in denen die regelmäßige Anwesenheit essenziell für den Lernfortschritt ist, eine Anwesenheitspflicht zu verlangen.

Demo in Münster gegen das neue Hochschulgesetz

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  • Demo in Münster gegen das neue Hochschulgesetz Foto: Matthias Ahlke
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  • Foto: Matthias Ahlke

Nikolaus Ehbrecht und Anna Holeck nehmen in einem auf der Facebook-Seite des AStA verbreiteten Video Stellung und warnen, die Freiheit der Lehre sei in Gefahr.

„Studierende müssen um jedes einzelne Seminar kämpfen“, beschreibt AStA-Vorsitzender Nikolaus Ehbrecht das künftige Szenario. Den Kampf gelte es in den Gremien der Uni zu führen – der Nachteil dabei sei aber, dass Studierende dort immer in der Minderheit seien. Dennoch bleibe keine Alternative, in den Räten der Fachbereiche zu versuchen, die Anwesenheitspflicht zu verhindern, betont Anna Holeck.

Das Facebook-Video wird geladen

Die beiden AStA-Vorsitzenden beklagen außerdem, dass die mit Vertretern aller Gruppen der Uni besetzten Gremien der Universität künftig weniger Einfluss erhalten sollen. Ehbrecht: „Was die Landesregierung da tut, ist fatal und schränkt unsere Freiheit als Studierende massiv ein.“

Streit um Anwesenheitspflicht seit Jahren geführt

In der Zentrale der Uni werden die anstehenden Veränderungen aber keineswegs dramatisch bewertet. „Es wird sich bei uns gar nichts ändern“, erklärt Uni-Sprecher Norbert Robers. Auch bisher schon haben Fachbereiche die Möglichkeit, die Einführung einer Anwesenheitspflicht zu beantragen. Aussichtsreich ist dies, wenn die Art der Lehrveranstaltung eine regelmäßige Anwesenheit nahelegt – etwa bei Praktika, Experimental-Übungen in den Naturwissenschaften oder Veranstaltungen, die mit Exkursionen verbunden sind.

Der Streit um die Anwesenheitspflicht im Hochschulstudium wird seit vielen Jahren geführt und flammte vor der Abschaffung durch Rot-Grün wiederholt auf. Im Grundsatz geht es um die Frage, ob erwachsenen Studierenden nicht zugetraut werden darf, selbst zu entscheiden, ob sie an Veranstaltungen ihres Studiums teilnehmen.

In der Praxis war vor der Abschaffung der Anwesenheitspflicht wiederholt über Professoren berichtet worden, die auch bei konventionellen Vorlesungen die Anwesenheit verlangt hätten – aus Sorge, vor leeren Reihen zu sprechen.

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