Sterbebegleitung
Das Einmaleins in „Letzter Hilfe“

Münster -

Mariana Durt findet das Sterben zu wichtig, als dass man da „unbedarft reinstolpern“ sollte, wie sie es sagt. Darum sitzt die Münsteranerin im Kreis mit knapp 20 anderen Interessierten, die an einem Letzte-Hilfe-Kursus teilnehmen.

Mittwoch, 02.01.2019, 14:30 Uhr aktualisiert: 02.01.2019, 14:41 Uhr
Einem Sterbenden am Ende die Hand zu reichen, ist gar nicht so schwierig. Das vermitteln die Letzte-Hilfe-Kurse, die unter anderem von der Hospizbewegung gegeben werden.
Einem Sterbenden am Ende die Hand zu reichen, ist gar nicht so schwierig. Das vermitteln die Letzte-Hilfe-Kurse, die unter anderem von der Hospizbewegung gegeben werden. Foto: dpa

„Wir vermitteln das kleine Einmaleins der Sterbebegleitung“, heißt es in einem Flyer der Hospizbewegung. Und die „Heb- und Sterbeamme“ Uli Michel , die Übung darin hat, „die Sprachlosigkeit rund um die Themen Sterben, Tod und Trauer zu brechen“, sagt: „Es geht hier um Sterbende und darum, ihnen den Rücken für den Abschiedsprozess zu stärken“.

Die Männer und Frauen haben viele Gründe, den Kursus zu besuchen: „Ich will gut vorbereitet sein für meine Eltern“, sagt der eine. „Ich will Anregungen, wie ich mit Sterbenden umgehen soll“, die andere. Der eine hat mit dem Sterben noch so gut wie keine Erfahrungen, die andere viel zu viel.

Keine Wissenschaft

In den vier Stunden bei der Hospizbewegung in Münster bekommen die Kursteilnehmer vermittelt, was sie für die ihnen Nahestehenden am Ende des Lebens tun können. Sterbebegleitung sei keine Wissenschaft, sondern auch in der Familie und der Nachbarschaft möglich. „Wir möchten Grundwissen an die Hand geben und ermutigen, sich Sterbenden zuzuwenden. Denn Zuwendung ist das, was wir alle am Ende des Lebens am meisten brauchen“, sagt Uli Michel.

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Georg Bollig (links oben) hat den Letzte-Hilfe-Kursus entwickelt, den Uli Michel, Dieter Broekmann und Sabine Kuck (im Uhrzeigersinn) regelmäßig in Münster geben. Foto: privat/Stefan Werding

Wie befeuchtet man bei einem sterbenden Menschen, der nicht mehr essen und trinken will, die Lippen und den Gaumen? Mit einem Schaumstoff-Lolli. Dieter Broekmann von der Hospizstiftung zeigt, wie man mit dem XXL-Wattestäbchen die letzten Stunden erträglicher machen kann, die ehrenamtliche Sabine Kuck gibt Tipps für eine Handmassage – und verrät so, wie man einem Sterbenden wortwörtlich und im übertragenen Sinn die Hand reicht – ohne sich vorher groß Gedanken darüber machen zu müssen.

Zum Thema

Der nächste Letzte-Hilfe-Kursus im Münsterland findet am 20. Februar statt. Weitere Infos unter: https://www.letztehilfe.info

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All das sind Anregungen, die nicht nur dem Sterbenden, sondern auch dem Begleitenden eine große Hilfe sein können. Am Ende wollen schließlich alle wissen, wie das Sterben geht und da nicht „unbedarft reinstolpern“.

Letzte Hilfe

Als „Letzte Hilfe“ werden Maßnahmen zur Hilfe bei lebensbedrohlichen Erkrankungen bezeichnet. Sie haben vor allem das Ziel, Leid zu lindern und Lebensqualität zu erhalten. Die Idee eines Letzte-Hilfe-Kurses stammt von dem Anästhesisten, Notarzt und Palliativmediziner Georg Bollig. „Damals dachte ich, es wäre klar, dass man sterbende Menschen auch mit Letzter Hilfe versorgt, aber das war nicht so, wie ich gehofft hatte“, sagt er. Darum hat er den Kursus entwickelt, den er im Januar 2015 zum ersten Mal in Schleswig gegeben hat. Seitdem wurden über 900 Kursleiter ausgebildet, die 8500 Teilnehmer betreut haben. 

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