Interview
Michael Solder ist der wahre Wilsberg

Münster -

Der echte Wilsberg heißt Michael Solder, verkauft alte Bücher und hat mit Leonard Lansink augenscheinlich nicht viel gemeinsam. Doch wer genau nachfragt, entdeckt trotzdem die ein oder andere Überschneidung mit dem Fernseh-Detektiv.

Samstag, 05.01.2019, 16:14 Uhr aktualisiert: 08.01.2019, 16:47 Uhr
Michael Solder in seinem Antiquariat: „Ich schaffe eine Interessantheit und einen Wert, der auf den ersten Blick nicht erkennbar ist.“ Gunnar A. Pier
Michael Solder in seinem Antiquariat: „Ich schaffe eine Interessantheit und einen Wert, der auf den ersten Blick nicht erkennbar ist.“ Foto: Gunnar A. Pier

Was haben ein Antiquar und Detektiv gemeinsam?

Michael Solder: Mehr als man denkt. Und leider auch mehr als man im Fernsehen sieht – wenn ich mal was Kritisches sagen darf. Ich kaufe meine Bücher ja häufig aus Nachlässen von Haushalten. Das ist eine Mischung aus Detektivtätigkeit und Heilig Abend. Da bin ich immer auf der Suche nach irgendetwas, das man noch nicht kennt, oder was man kennt und lange gesucht hat. Das hält die Neugierde wach. Das macht diesen Beruf so schön. Ich besorge ja keine Bücher, die Leute bei mir bestellen. Ich habe von allem immer nur eins.

Wie sieht so eine Suche aus? Stöbern Sie bei Haushaltsauflösungen oder in fremden Kellern herum?

Solder: Das weniger. Meine Spezialgebiete sind Philosophie und Altphilologie, also griechische und lateinische Klassiker. In der Regel bieten mir Sammler aus den Fachgebieten ihre Bücher an. Ich habe letztens jemanden im Rheinland getroffen, der sein Leben lang gesammelt hat und jetzt 75 ist. Der hat gesagt: „Kommen Sie mal vorbei. Ich will mich langsam trennen.“ Es kann auch sein, dass Dozenten oder Professoren ins Altenheim gehen und ihren kompletten wissenschaftlichen Nachlass aufgeben.

Antiquar Michael Solder - Der wahre Wilsberg

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  • Original und Fälschung: Michael Solder führt das Antiquariat in Münster, in dem die ZDF-Serie "Wilsberg" unter anderem mit den Darstellern Oliver Korittke, Ina Paule Klink und Leonard Lansink gedreht wird.

    Foto: Gunnar A. Pier, Matthias Ahlke, Andreas Krone
  • "350 Tage im Jahr ist das ja mein Laden. Und nicht Wilsbergs", sagt Solder.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Doch an einigen Tagen übernimmt Wilsberg "Leonard Lansink" die Geschäfte. Jedenfalls vermeintlich.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Oliver Korittke, Ina Paule Klink und Leonard Lansink vor dem Antiquariat.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Wilsberg-Fanartikel verkauft Michael Solder nicht - abgesehen von einigen Postkarten.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Das Antiquariat ist an der Frauenstraße in Münster.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • In seinem Laden beantwortete Michael Solder die Fragen unseres Redakteur Stefan Werding.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Wenn gedreht wird, gibt es regelmäßig einen großen Auflauf vor dem Antiquariat.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • An einigen Tagen übernimmt Wilsberg "Leonard Lansink" die Geschäfte. Jedenfalls vermeintlich.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Das Antiquariat ist an der Frauenstraße in Münster.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Das Antiquariat ist an der Frauenstraße in Münster.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Das Antiquariat ist an der Frauenstraße in Münster.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • In seinem Laden beantwortete Michael Solder die Fragen unseres Redakteur Stefan Werding.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • In seinem Laden beantwortete Michael Solder die Fragen unseres Redakteur Stefan Werding.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Wilsberg-Fanartikel verkauft Michael Solder nicht - abgesehen von einigen Postkarten.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Foto: Gunnar A. Pier
  • Foto: Gunnar A. Pier, Matthias Ahlke, Andreas Krone
  • Foto: Gunnar A. Pier, Matthias Ahlke, Andreas Krone
  • Foto: Gunnar A. Pier, Matthias Ahlke, Andreas Krone
  • Das Antiquariat von Michael Solder ist an der Frauenstraße in Münster.

    Foto: Gunnar A. Pier, Matthias Ahlke, Andreas Krone
  • Das Antiquariat ist an der Frauenstraße in Münster.

    Foto: Gunnar A. Pier, Matthias Ahlke, Andreas Krone
  • Foto: Matthias Ahlke
  • Das Antiquariat ist an der Frauenstraße in Münster.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Leonard Lansink und Michael Solder stehen sonst nie gemeinsam vor der Kamera – auf diesem Bild schon.

    Foto: Andreas Krone
  • Das Antiquariat ist an der Frauenstraße in Münster.

    Foto: Matthias Ahlke

Sind Philosophie und Altphilologie ein boomender Markt, den ich übersehen habe?

Solder: Insofern schon, weil die Kunden sehr buchtreu sind. In den meisten Wissenschaften bekommen die Studenten ihre Sachen ja als PDF oder als Reader im Netz. Und die Leute aus dem Bereich Philosophie, Geschichte und alte Sprachen sind noch bibliotheks- und buchnah. Die wollen noch gerne das komplette Buch haben. Da habe ich aus der ganzen Welt Kunden. Erstaunlicherweise sogar in Japan und Madagaskar.

Warum ruft der Sammler gerade Sie an?

Solder: Das geht wenig ohne Selbstlob.

Krimidrehorte vom Tatort und Wilsberg

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  • Das Antiquariat Solder dient als Dreh- und Angelpunkt von Wilsberg.

    Foto: Markus Lehmann
  • Bei Wilsberg und im Tatort eignet sich der Aasee für dramatische Auftritte und um eine Leiche unter- und auftauchen zu lassen.

    Foto: Oliver Werner
  • Der Aaseitenweg ist auch ein bekannter Drehort.

    Foto: Peter Imkamp
  • Der Allwetterzoo diente dem Tatort-Team bereits als Drehort.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Auch der Alte Steinweg ist hin und wieder im Fernsehen zu sehen.

    Foto: Oliver Werner
  • Auch grüne Umgebung schützt im Film nicht vor Verbrechen.

    Foto: Julia Erdmann
  • Die Diözesanbibliothek diente bereits als Bankgebäude oder Firmenzentrale.

    Foto: Oliver Werner
  • Auch der Erbdrostenhof wurde schon zum Drehort.

    Foto: Markus Lehmann
  • Prinzipalmarkt und Lambertikirche sind stets untrügliche Zeichen dafür, dass auch wirklich in Münster gedreht wurde.

    Foto: Oliver Werner
  • Auch im LWL Museum am Domplatz haben die TV-Spürnasen schon ermittelt.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Die Steinbrücke, die am Spiekerhof über die Aa führt, war ebenfalls schon ein Drehort.

    Foto: Peter Imkamp
  • Wilsbergs Kumpel Ekki Thalkötter geht in "Münsters Finanzamt" seinen beruflichen Pflichten als Steuerprüfer nach.

    Foto: Annika Wienhölter
  • Der Stadthausturm spielte im Tatort und bei Wilsberg bereits zentrale Rollen.

    Foto: Oliver Werner
  • Die Stubengasse war ebenfalls schon Drehort für Tatort und Wilsberg.

    Foto: Oliver Werner
  • Die Überwasserkirche rückt recht häufig ins Bild, unter anderem, weil Wilsberg "sein" Antiquariat direkt gegenüber hat.

    Foto: Oliver Werner
  • Der Prinzipalplatz von Münster ist immer ein Teil im Tatort und Wilsberg Krimi.

    Foto: Markus Lehmann
  • Auch von diesem Winkel aus wird der Prinzipalplatz gerne genutzt.

    Foto: Markus Lehmann
  • In Münsters Szene-Hafen ist Wilsbergs Patentochter als Rechtsanwältin tätig.

    Foto: Markus Lehmann
  • Der Friedensaal diente schon als Drehort für beide Krimis.

    Foto: Markus Lehmann
  • Das Amtsgericht musste in den älteren Wilsberg-Folgen als Stadtverwaltung herhalten.

    Foto: Markus Lehmann
  • Dieses Universitätsgebäude dient im Wilsberg als Polizeirevier.

    Foto: Markus Lehmann
  • Bei einem Tatort wurde der Hafen-Kran in einer Schluss-Szene verwendet.

    Foto: Markus Lehmann
  • Der alte Sitz des Aschendorff-Verlages diente im Tatort als eine Großbäckerei.

    Foto: Markus Lehmann
  • Im Bankhaus Lampe war im Tatort ein Priesterseminar untergebracht.

    Foto: Markus Lehmann
  • Auch die Redaktionszentrale der WN war schon Drehort für eine Wilsberg-Folge.

    Foto: Markus Lehmann
  • Das Universitätsschloss wird gerne als Drehort von beiden Münsterkrimis verwendet.

    Foto: Markus Lehmann
  • Der Domplatz ist ein gern genutzter Hintergrund für beide Krimis.

    Foto: Markus Lehmann

Dann mal raus damit.

Solder: Ich weiß, wo ich lateinische und griechische Klassiker oder Werke der Philosophie finde, die interessant und wertig sind, also Erstausgaben, frühe Ausgaben, wissenschaftliche Gesamtausgaben. Da muss man sich ein bisschen auskennen. So schaffe ich eine Interessantheit und einen Wert, der auf den ersten Blick nicht erkennbar ist.

Wie kommen Menschen auf Madagaskar auf die Idee, sich ein Buch aus dem Fachbereich „Altphilologie“ zu besorgen?

Solder: Weil ich ihnen verrate, was an meiner Ware besonders ist: Dass die Ausgabe die erste ist, oder die maßgebliche oder weil es sich um einen Raub- oder Fehldruck handelt. Exemplare also, die besonders wertig oder selten sind. Ich habe einen Kunden in Japan, der außerhalb von Westfalen die größte Sammlung von orts- und landeskundlicher Literatur über Westfalen hat. Man glaubt das nicht. Der sitzt in Kyoto und hat ein ganzes Haus voller Bücher vom Freckenhorster Taufstein und über Epitaphe im Dom. Er schreibt mir immer sehr höflich und nett: „Ich habe gerade ihre Sendung bekommen, habe mir einen Sake erwärmt und genieße das Aufschlagen des ersten Buches.“ Das ist das Größte im Beruf, was ich erleben kann. Es ist wunderbar.

Wie geht es denn den Antiquaren?

Solder: „Die Zukunft war früher auch besser“, hat Karl Valentin mal so treffsicher gesagt. Ich glaube, dass das Antiquariat, mein Antiquariat, eine Zukunft hat. Aber nur, wenn man bereit ist, sich zu beschränken. Für mich sind (manche) Bücher Individuen, genau wie Menschen, mit einer eigenen Gestalt und Geschichte. Diese Werte in einem Buch zu finden, zu beschreiben und Menschen dafür zu begeistern, ist die eigentliche Aufgabe in meinem Beruf, und die einzige Möglichkeit, das Buch als solches und mein Antiquariat zu bewahren. Das Internet hilft dann dabei, einen möglichst breiten Verteiler zu haben. Aber am besten vermittelt sich die Begeisterung noch im persönlichen Gespräch mit einem Buch in der Hand.

Trotzdem spielt das Internet inzwischen eine wichtige Rolle für Sie, oder?

Solder: Ganz ohne Internet können nur noch ganz wenige. Es gibt einige, die produzieren mit ihrer Ware einen Katalog und verschicken den an ihre Kunden. Das wird wieder stärker. Ich hadre sehr mit dem Internetverkauf. Ich bin als Händler bei den großen Plattformen gar nicht mehr erkennbar. Das kann ja nicht sein: Ich habe das Buch, ich verkaufe es und oben drüber steht fett der Namen einer Plattform, die mich in den Hintergrund drängt.

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Michael Solder vor seinem Antiquariat, das aus den "Wilsberg"-Krimis bekannt ist Foto: Gunnar A. Pier

Ist meine Vermutung richtig, dass sich mit einem Laden wie diesem keine Familie durchbringen lässt? Verkaufen Sie Bücher, die diesen Laden nie von innen sehen?

Solder: Nein, weil ich auch immer wieder Kunden habe, die fragen: „Was haben Sie denn Schönes?“ Und das suche ich dann für sie raus. Hier sind auch schon Leute reingekommen, die gesagt haben: „Ich habe Weihnachtsgeld bekommen, jetzt gönne ich mir das mal.“ Der Laden ist eine von drei Säulen. Die zweite ist der Internetvertrieb, über den ich zum Beispiel kürzlich eine C. G. Jung-Ausgabe an ein Institut in Luxemburg für 2500 Euro verkauft habe. Und das dritte ist der Auftritt auf Messen, wie die Antiquaria in Ludwigsburg vom 24. bis 26. Januar. Da kommt das Tafelsilber hin. Für solche Messen werden extra Kataloge gedruckt, in denen ich auf drei, vier Seiten zeigen kann, was ich zu bieten habe.

Welche Gemeinsamkeiten mit Wilsberg haben Sie noch?

Solder: Meine detektivische Arbeit ist zu erkennen: Wer kommt rein und interessiert sich wegen Wilsberg für mich, und wer möchte wirklich was in diesem Laden kaufen.

Und wie viele kommen hier hin, um die Nähe von Wilsberg zu spüren?

Solder: Samstags ungefähr die Hälfte aller Kunden. Dann sind viele Führungen. Die meisten sind zwar sehr nett. Aber natürlich gibt es darunter auch welche, die finden sich witzig, sind es aber nicht.

Wilsberg: Die Krimi-Kultfigur aus Münster

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  • Leonard Lansink bei Dreharbeiten vor dem Antiquariat.

    Foto: Oliver Werner
  • Auch in der Redaktion der Westfälischen Nachrichten wurden bereits gedreht.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Seit Folge 15 ein Team: Wilsberg und Ekki.

    Foto: ZDF/Eyeworks Fiction & Film
  • Auch in der Redaktion der Westfälischen Nachrichten wurden bereits gedreht.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Leonard Lansink ist Georg Wilsberg.

    Foto: dpa/Andreas Gnegel
  • Nur auf dieser Fotomontage vereint: Wilsberg (Leonard Lansink), Prof. Boerne (Jan-Josef Liefers) und Tatort-Kommissar Frank Thiel (Axel Prahl).

    Foto: gap (Montage)
  • Folge "48 Stunden": Georg Wilsberg (Leonard Lansink, li.) soll Overbeck (Roland Jankowsky) aus der Patsche helfen

    Foto: ZDF
  • Oktober 2015: Jürgen Kehrer stellt seinen 19. Wilsberg "Ein bisschen Mord muss sein" vor.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Leonard Lansink ist Georg Wilsberg.

    Foto: ZDF / Eyeworks
  • Alex (Ina Paule Klink), Wilsberg (Leonard Lansink)

    Foto: ZDF/Thomas Kost
  • Der Autor und Journalist Jürgen Kehrer hat Wilsberg erfunden.

    Foto: Oliver Werner
  • Treffen beim Kramermahl: Roland Jankowsky alias Overbeck aus Wilsberg mit Jürgen Kehrer (Autor Wilsberg).

    Foto: Oliver Werner
  • Im Antiquariat von Michael Solder in Münster werden die entsprechenden Szenen gedreht.

    Foto: dpa
  • Wilsberg auf dem Prinzipalmarkt in der Folge "Treuetest": Alex (Ina Paule Klink) stellt Wilsberg (Leonard Lansink, Mi.) ihrem neuen Freund Jan Faber (Roman Knizka) vor.

    Foto: ZDF
  • Folge "Hengstparade": Wilsberg (Leonard Lansink, li.) erhält von Ekki (Oliver Korittke) erste Ergebnisse.

    Foto: ZDF/Thomas Kost
  • Das Antiquariat, in dem Wilsberg gedreht wird, ist regelmäßig ziel von Besuchergruppen.

    Foto: VHS Gronau
  • Wilsberg

    Foto: ZDF
  • Privatdetektiv Wilsberg (Leonard Lansink) recherchiert auf einem Bauernhof. Hier hofft er, Hinweise in der Mordsache zu finden.

    Foto: ZDF
  • "Wilsberg - Dorfliebe"

    Foto: ZDF / Thomas Kost
  • Wilsberg und Ekki.

    Foto: ZDF / Guido Engels
  • Folge "Frischfleisch": Kommissarin Springer (Rita Russek) ist dringend auf die Hilfe ihres speziellen Freundes Georg Wilsberg (Leonard Lansink) angewiesen.

    Foto: ZDF / Thomas Kost
  • In Münster mischt sich Schauspieler Leonard Lansink gerne unters Volk - wie hier beim Promikellnern an den Aaseeterassen.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Auch in der Redaktion der Westfälischen Nachrichten wurden bereits gedreht.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Am 11. November 2015 lesen Leonard Lansink und Jürgen Kehrer im Cineplex-Kino in Münster aus dem neuen Wilsberg-Krimi "Ein bisschen Mord muss sein".

    Foto: Gunnar A. Pier

Kommen denn hier noch Leute rein, die gar nicht wissen, dass hier Wilsberg gedreht wird?

Solder: Ja, die gibt es.

Das sind aber die Altphilologen und Philosophen, oder?

Solder: Genau. Das sind die Stammkunden, die fragen: Was wird hier denn so viel fotografiert, Herr Solder? Einmal kam während der Dreharbeiten ein guter Kunde durch alle Absperrungen unter dem Scheinwerfer so her gelümmelt, stand mitten im Bild und sagt: „Ach Herr Solder, das hatte ich beim letzten Mal vergessen . . .“ Bis wir dem das klargemacht haben, was hier los ist, hat es ein bisschen gedauert.

Wie sähe Ihr Berufsalltag aus, wenn es Wilsberg nicht gäbe?

Solder: Nicht so abwechslungsreich. Ich mag die Dreharbeiten, weil man sehr viel verschiedene Menschen kennenlernt. Mich fasziniert vor allem die technische Seite: die Kameraleute, der Ton, die Maske, die Beleuchter. Das sind echte Spezis, davon denen man eine Menge lernen kann, wie die zum Beispiel eine Lichtstimmung erzeugen. Da unten habe ich eine Zeitschaltuhr zur Beleuchtung der Schaufenster. Das ist noch so ein mechanisches Ding. Der Tonmeister bekommt jedes Mal einen Anfall, weil der der Einzige ist, der hört, wenn die so knarrt. Beim letzten Mal hat er mir versprochen, eine digitale Uhr mitzubringen.

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Foto: Gunnar A. Pier

Stehen Sie denn während der Dreharbeiten immer hinterm Vorhang und passen auf, dass keiner etwas kaputt macht?

Solder: Habe ich zu Anfang gemacht. Das ist aber nur auf geteilte Begeisterung gestoßen. Beim ersten Mal sind die mit fünf 7,5-Tonnern hier angerauscht. Und ich stand hier hinter den Fenstern, habe abgeschlossen und gesagt: „Ne, mach ich nicht. So viele Leute in meinem Laden.“ Da haben die geklopft: „Wirt müssten jetzt mal langsam anfangen.“ Danach bin ich hier immer rumgerannt und habe denen verboten, sich hier- oder dorthin zu setzen. Mittlerweile ist das Routine. Die bekommen einen Schlüssel, und es passiert fast nie was. Vor vielen Jahren ist mal eine Nebelmaschine umgefallen und hat einen kleinen Schaden verursacht - ist aber alles versichert.

Wie lange sind die denn da?

Solder: Am schlimmsten ist, wenn die nur einen Tag kommen. Der Aufwand, den Laden herzurichten und aufzuräumen ist genauso groß, als wenn sie fünf Tage drehen. Das sind drei Tage Vorlauf und drei Tage Nachlauf, bis alles wieder an einem Platz ist. Gedreht wird normalerweise drei bis fünf Tage, dann werden zwei Folgen in einem Rutsch gedreht.

Und wo sind Sie dann?

Solder: Ich mache dann meistens zu Hause die Buchhaltung. Morgens fahre ich zum Dreh, um zu gucken, dass alles stimmt und versuche hilfreich und freundlich zu sein. Dann muss man sich aber sehr schnell fernhalten. Die haben immer ein gutes Catering, dann isst man den ganzen Tag nur Schnittchen und Gummibärchen und dann … (Solder deutet mit seinen Händen einen Bauch an)

Haben Sie Bücher, die Sie für sich behalten?

Solder: Selten. Im Studium habe ich in Amsterdam „Ich und Du“ von Martin Buber gekauft. Das steht immer noch bei mir zu Hause. Ich fand das damals wahnsinnig faszinierend. Das war für mich damals eine große Investition und kostete 200 Mark. Da musste ich zurücktrampen, weil ich kein Geld mehr für den Zug hatte. Aber ich bin kein Sammler. Ich kenne viele Kollegen, die sich wirtschaftlich zugrunde gerichtet haben, weil die die schönsten Sachen immer nach Hause geschleppt haben.

Gibt hier auch ein Lansink-Ecke für Wilsberg-Fans?

Solder: Nein, Devotionalienhandel betreibe ich überhaupt nicht. 350 Tage im Jahr ist das ja mein Laden. Und nicht Wilsbergs.

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