Müllprobleme in der Aaseestadt
Wenn die soziale Kontrolle fehlt

Münster -

Die drei gelben Hochhäuser an der Tormin-Brücke sind schon von Weitem zu sehen. Wer hier wohnt, hat einen großartigen Blick über die Stadt. Doch es gibt hier auch Probleme. Bewohner kritisieren, dass es zunehmend Ärger mit Müll gibt – da sich die Mieterstruktur in letzter Zeit verändert habe.

Mittwoch, 09.01.2019, 19:00 Uhr aktualisiert: 09.01.2019, 19:18 Uhr
Immer wieder gibt es im und am Wohnhaus Goerdelerstraße 3 Ärger mit dem Müll.
Immer wieder gibt es im und am Wohnhaus Goerdelerstraße 3 Ärger mit dem Müll. Foto: Oliver Werner

Seit 18 Jahren lebt Adam Leipold in einem der drei gelben Hochhäuser an der Goerdelerstraße. „Damals war hier alles in Ordnung“, sagt der 61-Jährige. Die Bewohner hätten sich untereinander gekannt, hätten Rücksicht aufeinander genommen, seien pfleglich mit dem Haus und den Anlagen umgegangen.

Doch in den vergangenen zwei, drei Jahren habe sich vieles zum Schlechten verändert, sagt Leipold. Er berichtet von ausgedienten Elektrogeräten, die Bewohner einfach im Eingangsbereich entsorgt haben, alten Teppichen, die ins Treppenhaus geworfen wurden, Müll im Aufzug und vor den Müllbehältern im Freien – sowie Sperrmüll, der regelmäßig vor dem Gebäude abgelegt werde.

Ratten gesichtet

Fotos bestätigen seine Aussagen. Anwohner hätten bereits rund um das Haus ­Goerdelerstraße 3 Ratten gesichtet und Unterschriften gesammelt, dass sich der Hausverwalter noch intensiver um das Haus kümmern sollte. Verbessert habe sich die Situation bislang nicht.

Sperrmüll auf dem Bürgersteig vor dem Haus

Sperrmüll auf dem Bürgersteig vor dem Haus Foto: privat

„Die Mieterstruktur hat sich in letzter Zeit geändert“, berichtet Gaby Lechler . Sie arbeitet für die Stiftung Bethel, kümmert sich seit zehn Jahren um mehrere Klienten im Haus Goerdelerstraße 3. Es gehört einem deutschen Investor, der habe vor ein paar Jahren die Miete angehoben.

Sozialhilfeempfänger mussten daraufhin ausziehen, berichtet sie. In Wohnungen, in denen bis dahin ein bis zwei Personen wohnten, leben heute nach ihren Angaben bis zu vier Personen, Studenten in Wohngemeinschaften, Migrantenfamilien. „Die Struktur ist nicht mehr so gemischt wie früher, es gibt mehr Konflikte“, sagt Lechler. Mit der zunehmenden Anonymität sei immer mehr die Sozialkontrolle verloren gegangen.

Wahllos Müll abgelegt

Gerade für ältere Mieter, die in dem in den 1960er-Jahren erbauten Hochhaus wohnen, sei die Situation mittlerweile teilweise „unzumutbar“. „Immer wieder wird im oder vor dem Haus wahllos Müll abgelegt“, hat auch sie beobachtet.

Eine Mitarbeiterin der Hausverwaltung Wentzel Dr. bestätigt, dass ihr Unternehmen die Immobilie im Blick habe. Genug Müllcontainer seien vorhanden, ein permanentes Müllproblem gebe es nicht – gleichwohl sehe es immer mal wieder „nicht schön“ aus, wenn sich kurz vor der Leerung an einigen Stellen der Müll häuft. „Diese Situation ist bekannt, die Hausmeister reagieren dann schnell.“

Sonderleerung beantragt

Weiter betont sie, dass es in der gesamten Anlage an der Goerdelerstraße 320 Parteien gebe, „nicht jeder Mieter entsorgt den Müll so, wie es sein sollte“. „Viele sehen sich nicht in der Verantwortung – eine solche Mentalität beobachten wir seit einiger Zeit auch in anderen Immobilien, die wir verwalten“, sagt die Wentzel-Mitarbeiterin. „Dabei spielt es überhaupt keine Rolle, ob es sich um eine teure Anlage in Düsseldorf oder eine günstige Anlage anderswo handelt.“

Die Abfallwirtschaftsbetriebe (AWM) bestätigen, dass es „immer mal wieder“ Müllprobleme an der Goerdelerstraße 3 gebe. Aktuell habe die Hausverwaltung eine Sonderleerung beantragt, die die AWM auch durchgeführt hätten. Auch das Problem, dass auf dem Bürgersteig regelmäßig illegal Sperrgut abgestellt wird – – „auch von Bürgern aus anderen Stadtteilen“ –, sei den AWM bekannt, so Sprecherin Manuela Feldkamp. Das Unternehmen reagiere darauf mit Sonderabfuhren.

Immer wieder quellen die Müllcontainer über.

Immer wieder quellen die Müllcontainer über. Foto: privat

In der Regel gebe es keine Hinweise auf die Verursacher, die Entsorgungskosten gehen dann auf Kosten der Allgemeinheit. Auch anderswo in Münster werde immer wieder illegal Sperrgut entsorgt, gerade bei Großwohnanlagen unter dem Deckmantel der Anonymität. Mit den Wohnungsgesellschaften arbeiten die AWM bei dieser Problematik eng zusammen, betont Feldkamp.

Vielleicht, sagt Adam Leipold, sollten sich alle Mieter der Goerdelerstraße 3 einmal zusammensetzen. Der 61-Jährige schlägt eine Mieterversammlung vor, an der auch die Hausverwaltung teilnimmt. „Ich wohne nach wie vor gerne hier“, sagt Leipold, der von seiner Wohnung in der elften Etage den Blick über Münster genießt. „Aber der Müll, der sollte endlich verschwinden.“

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