Hoher Andrang
Keine Entspannung vor dem Amt - Ausländerbehörde benötigt Personal

Münster -

Seit Sommer 2018 bilden sich lange Warteschlangen vor der Ausländerbehörde. Ohne neues Personal wird sich die Situation wohl nicht verbessern. Doch hinsichtlich neuer Stellen gibt es verschiedene Probleme.

Mittwoch, 09.01.2019, 20:00 Uhr aktualisiert: 09.01.2019, 21:00 Uhr
Um eine Chance darauf zu haben, bei der offenen Sprechstunde der Ausländerbehörde vorgelassen zu werden, ist es derzeit geübte Praxis, sich bereits mitten in der Nacht vor dem Amt anzustellen.
Um eine Chance darauf zu haben, bei der offenen Sprechstunde der Ausländerbehörde vorgelassen zu werden, ist es derzeit geübte Praxis, sich bereits mitten in der Nacht vor dem Amt anzustellen. Foto: Oliver Werner

Bereits Ende Oktober 2018 berichtete unsere Zeitung über nächtliche und vor allem lange Warteschlangen vor der Ausländerbehörde. Die Stadtverwaltung sprach damals von Frequenzspitzen, die es zu überbrücken gelte und erhoffte sich eine „Normalisierung“ durch zusätzliche Terminvergaben an ausgewählten Samstagen.

Zwei dieser insgesamt vier Angebote wurden mittlerweile durchgeführt. Geändert hat sich seitdem tatsächlich etwas – allerdings nicht an den langen Schlangen, sondern lediglich an der Bewertung der Verwaltung. Man gehe nach internen Analysen mittlerweile davon aus, dass sich die Situation 2019 mit den aktuellen Ressourcen nicht entspannen werde, äußerte Helga Sonntag, Leiterin der Behörde, gegenüber unserer Zeitung.

Was sich getan hat

Sonntag legt in diesem Zusammenhang Wert darauf, dass nicht etwa Flüchtlinge, sondern Menschen, die zum studieren, forschen oder für sonstige Arbeit nach Münster kommen, den Großteil der Belastung ausmachen. Angehörige aus rund 150 Staaten der Welt leben ihr zufolge mittlerweile in Münster. Dabei, so sagt Sonntag, habe sich seit 2016, als bei der Ausländerbehörde der Andrang schon einmal kaum noch zu bewältigen war, viel getan. „Es wurde seitens der Stadt viel investiert, und auch technisch war das seitdem ein Quantensprung“, sagt Sonntag.

Inakzeptable Wartezeiten 

Doch obwohl die Behörde täglich weitaus mehr Fälle als noch vor zwei Jahren abwickelt, reichten die Kapazitäten nicht aus, um dem täglichen Andrang in einem angemessenen Zeitrahmen Herr zu werden. Das, so Sonntag, habe sie auch intern so kommuniziert. „Es ist einfach nicht akzeptabel, dass man zweieinhalb Monate auf einen Termin warten muss“, so Sonntag, die betont, dass für viele Menschen existenzielle Dinge von den Terminen bei der Behörde abhingen.

Personal soll aufgestockt werden

Besonders problematisch daran: Das Stellenplan-Verfahren für das Jahr 2019 ist längst abgeschlossen. Sie werde gerade gefragt, wie viele Stellen sie für 2020 benötige: „Dabei brauche ich die Stellen eigentlich jetzt“, sagt Sonntag. Aufgrund dieser schwierigen Situation hegt sie die Hoffnung, dass man seitens der Verwaltung noch vor 2020 reagieren werde.

Cornelia Wilkens, Dezernentin für Soziales und damit Sonntags Vorgesetzte, bestätigt, dass direkt nach Weihnachten die Gespräche mit dem Personal- und Organisationsamt aufgenommen worden seien. Zusätzlich schwierig sei die Situation aber, weil auch die Ausländerbehörden im Umkreis immer mehr Personal benötigten. Dennoch gelte es, so kurzfristig wie möglich, Personal aufzustocken. Um „drei, vier oder fünf Stellen“, so Wilkens. Über den konkreten Bedarf gebe es noch Gespräche. Wichtig sei: „Ich spüre das Bemühen aller Beteiligten, dieses Problem lösen zu wollen“, sagt Cornelia Wilkens.

Kommentar

Es geht bei der Diskussion um die Zustände in, vor allem aber vor der Ausländerbehörde, nicht darum, Probleme einer Minderheit aufzuzeigen. Es geht auch nicht darum, sich darüber zu echauffieren, dass die Lobby der Geflüchteten vielleicht doch nicht so groß ist, wie immer wieder in dieser Stadt gesagt wird. Denn die meisten derer, die zum Ausländeramt kommen, sind überhaupt keine Flüchtlinge.Es geht einzig und allein darum, dass es weder in Münster noch irgendwo anders in diesem Land sein darf, dass Menschen – gerade wenn es um für sie existenzielle Fragen geht – nachts vor einer Behörde auf der Straße warten müssen, ohne zu wissen, ob ihr Anliegen bearbeitet werden wird.Dieses Land und damit auch die Stadt Münster unterhalten einen riesigen Bürokratie-Apparat, um Recht und Ordnung zu gewährleisten. Wenn ein einzelner Teil dieses Apparats seine Aufgaben nicht mehr erfüllen kann, dann gilt es, das zu ändern. So schnell wie möglich – oder aber man muss sich eingestehen, dass man die Ordnung nicht mehr aufrechterhalten kann. Ist irgendjemand bereit dazu?

...
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6308845?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F
Alarm auf der Schafweide
Der Wolf ist ein schwieriger Nachbar: Alarm auf der Schafweide
Nachrichten-Ticker