Prozess am Landgericht: Überfall im Drogenmilieu
Angeblicher Mittäter aus Haft entlassen

Münster -

Ein Drogendealer bringt einen säumigen Kunden zur Räson: Ein Freund hält das Opfer mit einem Messer in Schach, der Dealer schnappt sich das Portemonnaie aus der Hosentasche. Soweit der Vorwurf. Was an der Geschichte wirklich dran ist, blieb auch am fünften Verhandlungstag vor dem Landgericht ein Rätsel.

Donnerstag, 10.01.2019, 08:00 Uhr aktualisiert: 10.01.2019, 08:22 Uhr
Justitia hat ein Schwert in der Hand – aber war bei einem Vorfall im Bahnhofs-Drogenmilieu im Sommer 2018 wirklich ein Messer im Spiel? Darüber wird am Landgericht Münster verhandelt.
Justitia hat ein Schwert in der Hand – aber war bei einem Vorfall im Bahnhofs-Drogenmilieu im Sommer 2018 wirklich ein Messer im Spiel? Darüber wird am Landgericht Münster verhandelt. Foto: dpa

„Ich weiß nicht, warum ich im Gefängnis bin, und was Sie von mir wollen!“ Das ist ein Satz, den Richter und Staatsanwälte zu Beginn einer Zeugenbefragung öfter mal hören. Wenn aber Minuten später Richter und Staatsanwalt selbst nicht mehr wissen, warum ihr Zeuge eigentlich in Untersuchungshaft sitzt, wird die Sache spannend.

Opfer erkennt Angreifer nicht wieder

Der junge Mann soll einem Kumpel, einem Drogendealer, dabei geholfen haben, einen zahlungsunwilligen Kunden mit gezücktem Messer zur Räson zu bringen. Vor dem Landgericht wird – wie berichtet – derzeit gegen diesen in Ascheberg lebenden Dealer wegen des Überfalls verhandelt ; und sowohl das Opfer als auch der vermeintliche Mittäter sind als Zeugen geladen. Doch der Überfallene erkennt den Messer-Mann nicht wieder. Nie gesehen.

Der Hauptbelastungszeuge, selbst ein Kleinkrimineller, ist unglaubwürdig? Die Verteidigerin wittert Morgenluft. Ihr Mandant könne noch einen weiteren Zeugen benennen; der habe den vermeintlichen Überfall im Sommer 2018 am Hauptbahnhof beobachtet und werde bestätigen, dass alles unverfänglich gewesen sei.

Überraschende Zeugenanhörung

Da wird der Staatsanwalt hellhörig: Ach, da war also doch ein Dritter dabei? Das sei bislang immer ganz anders dargestellt worden . . . Vielleicht weiß die Frau des Angeklagten mehr: Sie verfolgt den Prozess als Zuschauerin – und wird nun völlig überraschend in den Zeugenstand zitiert. Von den Drogengeschäften ihres Mannes habe sie gar nichts gewusst, sagt sie schüchtern – aber klar, die Telefonnummern seiner Freunde sind in ihrem Handy gespeichert . . . Mit weiteren Zeugen ist also zu rechnen, der Prozess wird am 22. Januar fortgesetzt.

Und der vermeintliche Messerstecher? Der Staatsanwalt kümmert sich sofort um seine Haftentlassung. Der junge Mann war wohl nur im Zuge seines Asylverfahrens erkennungsdienstlich erfasst worden, deshalb hatte die Polizei sein Foto. Mit dem Fall hat er anscheinend gar nichts zu tun.

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