In der FDP fliegen die Fetzen
„Vertrauensvolle Zusammenarbeit nicht möglich“

Münster -

Der bisherige FDP-Chef fackelt nicht lange: Mit dem neuen Fraktionsvorsitzenden im Rat hält Manual Lascasas eine Zusammenarbeit für unmöglich. Er zieht deshalb die Konsequenz.

Montag, 14.01.2019, 21:08 Uhr
Ein Bild aus besseren Zeiten: der am Montag neu gewählte Ratsfraktionschef Jörg Berens und der deshalb zurückgetretene Parteichef Manuel Lascasas, hier im Bundestagswahlkampf 2017.  Carola Möllemann-Appelhoff (FDP)
Ein Bild aus besseren Zeiten: der am Montag neu gewählte Ratsfraktionschef Jörg Berens und der deshalb zurückgetretene Parteichef Manuel Lascasas, hier im Bundestagswahlkampf 2017.  Carola Möllemann-Appelhoff (FDP) Foto: spe

„Im November 2016 habe ich nach dem Rücktritt meines Vorgängers in schwierigen Zeiten Verantwortung für unsere Partei übernommen.“ Mit diesen Worten beginnt der bisherige FDP-Kreisvorsitzende Manual Lascasas sein Rücktrittsschreiben an die Mitglieder in Münster. Wenige Minuten vor dem Versand dieser E-Mail ist Lascasas‘ Vorgänger als Parteivorsitzender, Jörg Berens, zum neuen Chef der liberalen Ratsfraktion gewählt geworden. Doch zwischen beiden scheint es keine Arbeitsgrundlage zu geben, sodass der Parteichef noch am selben Tag das Handtuch wirft – trotz „zwei der erfolgreichsten Wahlkämpfe“ und politischer Akzente, die Las­casas in seinem Rücktrittsschreiben unter sieben Punkten aufführt.

Zwischen dem neuen Ratsfraktionsvorsitzenden Jörg Berens, der Münsters FDP-Aushängeschild Carola Möllemann-Appelhoff nachfolgt, und dem bisherigen Parteivorsitzenden ist das Tischtuch zerschnitten: Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit sei nicht möglich, erklärt Lascasas. Und auf Nachfrage sagt er: „Berens geht es mehr um seine persönliche Karriere als um das Interesse der Partei.“

Der neue FDP-Fraktionsvorsitzende Jörg Berens und seine Vorgängerin Carola Möllemann-Appelhoff wollen sich bei einer Pressekonferenz am Dienstagmittag zum Wechsel in der Fraktionsführung äußern. Es ist ein offenes Geheimnis, dass die 69-jährige Politikerin schon länger über einen Rückzug von der Fraktionsspitze nachgedacht hat – auch mit Blick auf die anstehende Kommunalwahl im Jahr 2020.

Möllemann-Appelhoff hat der münsterischen FDP auf vielfältige Art und Weise ihren Stempel aufgedrückt. Seit 1979 sitzt sie – mit Unterbrechung – im Rat, führt die Fraktion jetzt seit gut 18 Jahren. Auch als Kreisvorsitzende war sie viele Jahre aktiv und übernahm einst die Rolle der Oberbürgermeister-Kandidatin der Liberalen in Münster.

Ihrem Nachfolger Jörg Berens weht durchaus Gegenwind ins Gesicht. In der Ratsfraktion gab es in der Vergangenheit Vorbehalte gegenüber dem heute zweifachen Vater, der einst das Büro des früheren Bundestagsabgeordneten und späteren Gesundheitsministers Daniel Bahr aus Münster managte. Auch in dem Schiedsgerichtsverfahren um die Aufnahmepraxis der münsterischen FDP fällt ein Blick auf Berens. Schließlich untersucht die Landespartei ein Verfahren, das schon unter Berens‘ Ägide als Parteivorsitzender beschlossen wurde.  

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