Stadt bremst Erweiterungspläne
„Lucky Bike“ darf wohl nicht wachsen

Münster -

Das Fahrradgeschäft „Lucky Bike“ an der Robert-Bosch-Straße möchte gern wachsen. Die Stadt tritt auf die Bremse. Jetzt hat das Gericht das letzte Wort.

Freitag, 18.01.2019, 13:00 Uhr aktualisiert: 18.01.2019, 16:11 Uhr
Die Chancen, dass der Fahrradhändler „Lucky Bike“ erweitern darf, stehen schlecht.
Die Chancen, dass der Fahrradhändler „Lucky Bike“ erweitern darf, stehen schlecht. Foto: Oliver Werner

Die Chancen für das Fahrradgeschäft „Lucky Bike“ an der Robert-Bosch-Straße auf eine Erweiterung der Verkaufsfläche um rund 800 Quadratmeter stehen schlecht. Dabei steht neben dem bisherigen Zweiradhandel mit seinen gut 2000 Quadratmetern der Laden eines früheren Möbelgeschäfts seit geraumer Zeit leer. Diese Fläche würde der Immobilieneigentümer allzu gerne zusätzlich an „Lucky Bike“ verpachten. Doch die Stadt Münster spielt nicht mit. Und scheint mit dieser Auffassung auf der sicheren Seite zu sein, wie sich am Donnerstag vor dem Verwaltungsgericht abzeichnete.

Unter Verweis auf das Einzelhandels- und Zentrenkonzept hält die Stadtverwaltung nämlich eine Ausweitung des Fahrrad-Sortiments abseits der Innenstadt oder der Stadtteil-Zentren nicht für wünschenswert. So wurde eine 2016 gestellte Bauvoranfrage des Grundstückseigentümers auf Erweiterung der Verkaufsfläche für den Zweiradhandel von der Stadt im April 2017 abgelehnt. Kurz zuvor war eine später verlängerte Veränderungssperre für den Bereich Robert-Bosch-Straße beschlossen worden – mit dem Ziel, in der Folge einen neuen Bebauungsplan für den Bereich zu erlassen. Dieser soll den großflächigen Verkauf von zentrumsrelevantem Sortiment gemäß städtischer Maßgabe ausschließen.

Auch Decathlon scheiterte schon

In der Vergangenheit war bereits der Sportartikelverkäufer Decathlon mit seinem Vorstoß juristisch gescheitert , an der Robert-Bosch-Straße einen entsprechenden Fachmarkt zu errichten. Doch im Fall „Lucky Bike“ sah der Kläger in der erlassenen Veränderungssperre eine reine Verhinderung eines eigentlich erlaubten Erweiterungsvorhabens. Damit sei diese aus seiner Sicht rechtswidrig, so die Argumentation.

Dieser Auffassung wollte der Richter wegen des Bezugs der Veränderungssperre zur geplanten Fortschreibung des Einzelhandels- und Zentrenkonzepts nicht folgen. Allerdings ließen seine Nachfragen beim städtischen Vertreter Zweifel erkennen, ob eine Erweiterung des bestehenden Zweiradmarktes um 800 Quadratmeter die Fahrradhändler in der Innenstadt oder den Stadtteil-Zentren tatsächlich spürbar beeinträchtigen würde.

Der Verwaltungsmitarbeiter erklärte, dass der großflächige Einzelhandel nicht mehr die Struktur der Zukunft sei. Das ließ die Gegenseite – unter Verweis auf die Vermittlung der Wirtschaftsförderung bei der Ansiedlung des Zweirad-Marktes an der Robert-Bosch-Straße – nicht unbeantwortet: „Wenn der Bedarf nicht da wäre, wäre ,Lucky Bike‘ nicht an diesen Standort gezogen.“

E-Bikes - eine Kaufberatung

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  • E-Bike, schnelles E-Bike, Pedelec oder S-Pedelec?

    „Die Branche hat sich darauf geeinigt, von E-Bike und schnellem E-Bike zu reden“, sagt Franz-Josef Feldkämper, Vorstandsmitglied im Bundesinnungsverband für das Deutsche Zweiradmechaniker-Handwerk. Alternativ könne man Pedelec und S-Pedelec sagen. Die Unterscheidung liegt im „S“ für „schnell“: Während übliche E-Bikes das Strampeln nur bis Tempo 25 (E-Bike 25) unterstützen, schiebt die schnelle Variante bis 45 Kilometer pro Stunde. Aber: S-Pedelecs müssen wie ein Mofa versichert werden, der Fahrer muss immer Helm tragen. Folge: Nur ein Prozent aller verkauften elektrischen Räder sind E-Bike 45.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Wo soll der Motor sitzen – im Vorderrad, im Hinterrad oder in der Mitte, am Tretlager?

    Feldkämper verkauft „80 bis 90 Prozent“ seiner Räder mit Mittelmotor. Aber: Sein Geschäft ist im hügeligen Tecklenburger Land – und Mittelmotoren sind meist stärker als Motoren in der Radnabe. Dafür sind letztere meist preiswerter. „Der Frontmotor reicht aus, wenn es nur darum geht, im Flachland ein wenig Gegenwind auszugleichen“, sagt Feldkämper, „aber wenn auch mal ein Berg oder weite Strecken bewältigt werden sollen . . .“

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Wie stark muss der Motor sein?

    Gegenfrage: Wie viel PS braucht ein Auto? Es hängt entscheidend vom Einsatz ab: Wo soll gefahren werden? Wie sportlich? Wie schwer ist der Fahrer? Alle E-Bike-25-Motoren haben eine Nenndauerleistung von 250 Watt, unterstützen nur, wenn der Fahrer strampelt und regeln ab, sobald Tempo 25 erreicht ist.

    Worin sie sich unterscheiden, ist das Drehmoment: So bietet Bosch vier Mittelmotoren von 40 bis 75 Newtonmeter Drehmoment an: Active Line (40 Nm), Active Line Plus (50Nm), Performance Line (max. 63 Nm) und Performance Line CX (75Nm). Sie verstärken den Pedaldruck des Fahrers um zwischen 40 und 300 Prozent – je nach Motor und gewählter Unterstützungsstufe.

    Für den Stadtverkehr im Flachland reichen kleinere – und sparsamere – Motoren, am Berg darf es mehr Power sein. Und den CX-Motor wird wählen, wer es mit dem Mountainbike im Gelände krachen lassen will. Und: Die stärkeren Bosch-Motoren lassen sich nicht mehr mit Rücktrittbremsen kombinieren.Der Motor ist ein größerer Faktor beim Preis. Beispiel: Ein Performance Line Motor kostet beim Fahrrad-Neukauf gegenüber dem Active Line Plus etwa 100 Euro Aufpreis.

    Foto: dpa
  • Welche Motor-Marke sollte ich wählen?

    „Den Motor und das E-Bike, für das der Händler Ihres Vertrauens auch Ersatzteile bekommt“, sagt Fachhändler Feldkämper. Verbreitete Marken für Mittelmotoren sind neben Bosch auch Shimano, Yamaha und Panasonic.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Wie groß muss der Akku sein?

    Wie groß muss der Tank eines Autos sein? Die Reichweite hängt vom Verbrauch des Motors ab, dem Gewicht des Fahrers, dem Reifendruck, dem Gegenwind, der Geschwindigkeit, dem Gelände...

    In Standardmodellen mit Mittelmotor sind oft Akkus mit einem Energiegehalt von 400 Wattstunden (Wh) verbaut. Das reicht laut Bosch je nach Motor und Bedingungen für zwischen 25 Kilometern (CX-Motor am Berg) und 110 Kilometern (Active Line/ideale Bedingungen). Und – egal welcher Motor: Wer oft hohe Unterstützungsstufen wählt, bezahlt das mit deutlichen Reichweite-Einschnitten.

    Auch der Akku ist ein wichtiger Preisfaktor: Ein 500er Akku kostet gegenüber dem 400er etwa 200 Euro mehr. Wer sein Rad nicht frostsicher abstellen kann und/oder am Stellplatz keinen Stromanschluss hat, sollte darauf achten, dass der Akku herausnehmbar ist. Frost schadet.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Naben- oder Kettenschaltung?

    Feldkämper würde Freizeitradlern die leichtere Kettenschaltung, Pendlern die wartungsärmere Nabenschaltung empfehlen. Es gibt auch stufenlose Nabenschaltungen, zudem Systeme mit elektronischer Schaltunterstützung.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Sind Scheibenbremsen wirklich nötig?

    Sie sind kein Luxus! „Wer den Berg schnell hinauffährt, kommt auch schnell wieder runter“, sagt Feldkämper. Ein E-Bike ist schwerer und schneller als ein normales Rad. Inzwischen gibt es sogar ABS für E-Bikes – für rund 300 Euro Aufpreis.

    Foto: Roland Weihrauch
  • Was ist noch zu beachten?

    Das zulässige Gesamtgewicht! Viele E-Bikes haben nur ein zulässiges Gesamtgewicht von 120 Kilogramm, meist wiegt aber schon das E-Bike deutlich über 20 Kilo. Da wird es bei kräftigen Zwei-Zentner-Männern oder schwererem Gepäck eng. Viele Hersteller bieten aber Modelle mit größerer Zuladung an.

    Foto: Daniel Karmann/dpa
  • Was darf man beim Kauf nicht vergessen?

    Das Fahrrad! Auch das E-Bike ist ein Fahrrad, das von Rahmenhöhe, -form, -geometrie und von der Ausstattung her zum Radler und zum Einsatzzweck passen muss. Käufer sollten nicht allein auf Motor und Akku, sondern unbedingt auch auf die Qualität des Rades selbst achten.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Wann sollte ich mich nach einem E-Bike umgucken?

    „Jetzt, wenn ich sicher sein will, dass ich im Frühjahr losradeln kann“, sagt Feldkämper. Denn: Weil E-Bikes derzeit boomen, gibt es längere Lieferzeiten. 720.000 E-Bikes sind 2017 in Deutschland verkauft worden, sie machen inzwischen 19 Prozent am Gesamtfahrradmarkt aus – Tendenz: steigend

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Was muss ich für ein E-Bike anlegen?

    Im Fachhandel gehen die Preise bei 2000 Euro los, sagt Feldkämper. Dafür gibt es Räder mit Nabenmotor vorne. Mittelmotor-Räder gibt es für etwa 2500 Euro. Stärkere Motoren, größere Akkus und bessere Ausstattung schlagen zu Buche. 3000 oder 3500 Euro sind schnell erreicht. Nach oben ist – wie fast immer im Leben – kaum eine Grenze gesetzt.

    Foto: Wilfried Gerharz
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