Interview mit Prof. Dr. Thomas Jüstel
Der Super-Blutmond kommt

Münster -

Am kommenden Montag (21. Januar) findet in den frühen Morgenstunden über Münster eine Mondfinsternis statt. Ein sogenannter „Blutmond“, benannt nach seiner roten Färbung, ist dann zu sehen.

Sonntag, 20.01.2019, 11:00 Uhr
Prof. Dr. Thomas Jüstel
Prof. Dr. Thomas Jüstel Foto: Robert Rieger/FH Münster

Prof. Dr. Thomas Jüstel von der Fachhochschule (FH) Münster hat Chemie und Biologie studiert – und ist am Montag als Hobby-Astronom in aller Frühe dabei.

Wann müssen wir am Montag aufstehen, um das Spektakel am Himmel nicht zu verpassen?

Jüstel: Zumindest nicht mitten in der Nacht. Komplett dunkel wird der Mond ungefähr um 5.41 Uhr mitteleuropäischer Zeit werden, dann beginnt die sogenannte Totalität. Dann erscheint der Mond in tiefroter Farbe – deshalb wird er auch Blutmond genannt. Das Maximum ist gegen 6.12 Uhr erreicht, und um circa 6.43 Uhr endet die Totalität, der Mond wird zunächst wieder zur weißen Sichel, bevor er als Vollmond untergeht. Das wird also kurz vor Sonnenaufgang stattfinden.

Wie kann es denn eigentlich sein, dass wir eine totale Mondfinsternis haben und trotzdem den Blutmond sehen können? Eigentlich müsste doch alles dunkel sein . . .

Jüstel: So eine Mondfinsternis ist eine komplexe Sache. Sie kann nur bei Vollmond stattfinden: Die Erde muss den Mond komplett abschatten, also genau zwischen Sonne und Mond stehen. So fällt keinerlei Sonnenlicht mehr direkt auf den Mond. Aber das passiert nicht bei jedem Vollmond, weil ein weiterer Faktor dazukommen muss: Sonne, Erde und Mond liegen auf einer geraden Linie, auf der sogenannten Knotenlinie. Das ist die Schnittlinie der Erdbahnebene und der Mondbahnebene. Meistens ist das nicht der Fall, weil die Ebene, auf welcher der Mond die Erde umkreist, etwas zur Erdbahnebene gekippt ist, ungefähr um fünf Grad. Dort, wo sich die beiden Ebenen mathematisch treffen, liegt also die Knotenlinie. Für eine totale Mondfinsternis müssen Sonne, Erde und Mond also alle in etwa auf dieser Knotenlinie liegen und zur Sonne hin ausgerichtet sein.

Wo kommen Licht und Farbe des Mondes her, wenn die Erde ihn komplett abschattet?

Jüstel: Das hat zwei Gründe. Die Sonne strahlt weißes Licht ab, also Licht, das alle sichtbaren Spektralfarben beinhaltet. Trifft dieses Licht auf die Erdatmosphäre, wird es gebeugt, das heißt, in die Spektralfarben aufgespalten, wobei ein Teil quasi um unseren Planeten herum gelenkt wird. Und das betrifft insbesondere den roten Anteil des sichtbaren Lichts. Das rote Licht tritt dann sozusagen hinter der Erde in ihren Schatten und wird zum Mond gelenkt. Deshalb erscheint er für uns rot. Aus dem gleichen Grund erleben wir zum Beispiel auch das Abendrot am Himmel, wenn die Sonne untergeht. Nun kann man den Blutmond nur dann erkennen, wenn der Mond nicht mehr weißes Licht reflektiert, da das weiße Licht das rote überstrahlt. Denn unsere Augen haben eine geringe Licht-Empfindlichkeit für tiefrotes Licht, und dieses Licht kann daher nur gut wahrgenommen werden, wenn es insgesamt sehr dunkel ist. Mit anderen Worten: Bei einer totalen Mondfinsternis wird es dunkel genug, dass wir das tiefrote Licht in der Phase der Totalität gut wahrnehmen und somit den Blutmond sehen können.

Manche sprechen auch von einem Super-Blutmond. Was hat es damit auf sich?

Jüstel: Das liegt daran, dass uns der Mond größer erscheint, sogar um etwa 13 Prozent. Das wiederum liegt erneut an der Bahn des Mondes: Die ist nicht nur zur Erdbahn gekippt, sondern auch noch elliptisch. Im Fall des Super-Blutmondes, wie wir ihn am 21. Januar erleben können, befindet sich der Mond auf seiner Bahn etwa am erdnächsten Punkt, dem Perihel. Das heißt, der Abstand zur Erde ist also besonders gering, und damit erscheint uns der Mond größer als gewohnt.

Wie häufig kommt so ein Ereignis vor? Wann bietet sich die nächste Gelegenheit?

Jüstel: Schon vor circa 2750 Jahren haben die Griechen den sogenannten Saros-Zyklus beschrieben. Demnach wiederholen sich Sonnen- und Mondfinsternisse für eine bestimmte geografische Position auf der Erde in regelmäßigen zeitlichen Abständen. Häufig gibt es daher eine Finsternis-Saison: Mitten im Sommer konnten wir letztes Jahr auch schon einmal einen Blutmond am Nachthimmel zusammen mit dem Planeten Mars beobachten. Das nächste Spektakel dieser Art ereignet sich für uns in Mitteleuropa erst wieder am 8. Oktober 2032 beziehungsweise am 14. April 2033.

Mondfinsternis live beobachten

Mondfreunde haben die Möglichkeit, die Finsternis auf dem Vorplatz des LWL-Museums für Naturkunde, Sentruper Straße 285, gemeinsam mit Fachleuten zu erleben. Die Sternfreunde Münster und LWL-Chefastronom Dr. Björn Voss erklären, was genau am Himmel zu sehen ist. Von 4.30 Uhr bis 7 Uhr stehen außerdem die Teleskope auf dem Museumsvorplatz bereit, um dieses seltene Himmelsschauspiel zu verfolgen und Mondkrater zu betrachten. Die Fachleute erklären auch andere Besonderheiten des Sternenhimmels. Die Beobachtung findet nur bei klarer Sicht auf den Mond statt. Der Eintritt ist frei.

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