Kinder bekommen Eindruck von inklusivem Leben
Für einen Tag im Rollstuhl

Münster -

„Cool, Rollstuhlfahren!“ Der Verein „SeHT Münster“ vermittelt Kindern in dem Projekt „Kinder inklusiv politisch aktiv“ (Kipa) ein Bewusstsein dafür, wie es Menschen mit Einschränkungen ergeht. Ganz schnell ist das Fahren im Rollstuhl nicht mehr ganz so cool.

Montag, 21.01.2019, 21:00 Uhr
Wenn die Stufe zum Hindernis wird: Schüler der Idaschule probieren aus, wie es ist, wenn man im Rollstuhl sitzt.
Wenn die Stufe zum Hindernis wird: Schüler der Idaschule probieren aus, wie es ist, wenn man im Rollstuhl sitzt. Foto: Pjer Biederstädt

Ganz vorsichtig setzt Milena einen Fuß vor den anderen. Mit einer Schlafmaske auf den Augen und einem Blindenstock in der Hand „tastet“ sich die Grundschülerin Schritt für Schritt über den Pausenhof der Idaschule in Gremmendorf. Denn zu Besuch ist der Verein „SeHT Münster“, der mit dem Projekt „Kinder inklusiv politisch aktiv“ (Kipa) Schülern ein Bewusstsein dafür vermitteln will, wie es Menschen mit Einschränkungen ergeht.

„Ich habe immer Angst, dass ich gleich umgerempelt werde“, sagt Milena, die gerade nichts sieht und zur Sicherheit von einem Mitschüler am Arm geführt wird. Gleich nebenan versuchen zwei Schüler, mit dem Rollstuhl eine Stufe zu passieren. „Gar nicht so leicht“, findet Lennox. Dieser „Barriere-Check“ auf dem Pausenhof ist ein Teil der insgesamt vierstündigen Aktion, die meist im Rahmen des Offenen Ganztages stattfindet. Vorher wird besprochen, was Behinderungen überhaupt sind, nachher werden die Erfahrungen ausgetauscht.

„Die Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren erkunden während unseres Besuchs ihren Sozialraum unter dem Aspekt der Barrierefreiheit“, erklärt Frauke Schweter, Leiterin des Kipa-Projekts. „Dabei lernen die Kinder aus der Perspektive von Menschen mit Beeinträchtigungen, worauf man Rücksicht nehmen muss und wie man helfen kann. Es dient außerdem dem Abbau von Vorurteilen“, sagt Projektkoordinatorin Frederike Burhorst.

Das Projekt, das vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) gefördert und in Kooperation mit dem Jugendrat der Stadt durchgeführt wird, gibt es bereits seit sechs Jahren. Seit Bestehen hat das Projekt rund 50 „Barriere-Checks“ an Münsters Schulen durchgeführt. 2016 wurde es mit dem Inklusionspreis NRW ausgezeichnet, im vergangenen Jahr mit dem Bürgerpreis der Stiftung „Bürger für Münster“.

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