Der Brexit und die Universität
Brite darf Beamter bleiben

Münster -

Der Brexit beschäftigt auch die Universität Münster. Es drohen nicht nur Komplikationen bei zahlreichen Kooperationen. Immerhin ein Problem ist vom Tisch. Ein hochrangiger Wissenschaftler mit britischer Nationalität darf nun auch nach einem möglichen harten Brexit deutscher Beamter bleiben.

Mittwoch, 23.01.2019, 08:00 Uhr aktualisiert: 24.01.2019, 19:38 Uhr
Ryan Gilmour ist Schotte und hat einen britischen Pass
Der Fachbereich Chemie der Uni Münster ist erleichtert: Ein preisgekrönter britischer Forscher darf auch bei einem harten Brexit an der Hochschule bleiben. Foto: Pjer Biederstädt

Ende vergangenen Jahres gab es ein hörbares Aufatmen im Rektorat und am Fachbereich Chemie der Universität. Da hatte die Bundesregierung mit Blick auf den drohenden Brexit noch schnell das Beamtengesetz geändert. Letzteres machte der Uni ziemliche Sorgen – denn ohne diese Gesetzesänderung hätte sie einen ihrer derzeit hoch gehandelten Wissenschaftler entlassen müssen. Der Chemiker Ryan Gilmour hatte soeben einen prestigeträchtigen Wissenschaftspreis, den mit zwei Millionen hoch dotierten Consolidator Grant der Europäischen Union gewonnen.

Gilmour stammt aus dem schottischen Glasgow, er besitzt ausschließlich einen britischen Pass, gleichzeitig ist der 36 Jahre alte Wissenschaftler Beamter der Universität und des Landes Nordrhein-Westfalen. Bisher kein Problem, denn EU-Bürger können, anders als Nicht-EU-Ausländer auch ohne deutschen Pass in Deutschland Beamte sein. „Wir hätten Gilmour entlassen müssen“, bestätigt Universitäts-Sprecher Norbert Robers – wenn die Bundesregierung das Gesetz nicht kurzfristig zugunsten britischer Staatsbürger geändert hätte.

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Ryan Gilmour ist Schotte und hat einen britischen Pass. Foto: privat

Unklare Zukunft

Die Sorge um das Bleiben von Ryan Gilmour ist somit vom Tisch – das Ringen um den Brexit schafft aber weiter viel Unruhe. Die Fakultäten der WWU sind mit zahlreichen Universitäten im Vereinigten Königreich durch Partnerschaften und Projekt-Kooperationen verbunden. Allein die Internet-Seite des International Office der Uni Münster listet 13 britische Hochschulen auf, die Aufenthalte für Studierende der WWU anbieten. Die meisten Partnerschaften laufen – immer auf Ebene der Institute im Rahmen des Erasmus-Programms. Für viele deutsche Studenten, die gern nach Großbritannien wollen, könnten nach einem harten Brexit die hohen Studiengebühren ein erhebliches Hindernis werden. EU-Studierende zahlten bisher geringere oder keine Gebühren.

Forschungs-Kooperationen vor dem Aus?

Vollkommen unklar ist auch die Zukunft der vielen Kooperationen in der Forschung. Die EU fördert zahlreiche Kooperations-Projekte, in die auch britische Hochschulen eingebunden sind. In der Wissenschaft war, wie das International Office der Uni Münster bereits kurz nach dem Brexit berichtete, große Unruhe angesichts des bevorstehenden Ausscheidens aus der Union aufgekommen. Hochschulen im Vereinigten Königreich waren in der Vergangenheit eine der größten Empfänger von EU-Fördermitteln.

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