Dagmar Berghoff im Interview
„Miss Tagesschau“ spielt gerne am Computer

Münster -

Ihr Lachanfall nach dem „WC-Turnier-Versprecher“ in der Tagesschau ist bis heute legendär. Dagmar Berghoff war von 1976 bis 1999 prägendes Gesicht von Deutschlands meistgesehener Nachrichtensendung. Bevor sie am Sonntag vor dem Tennengericht der KG Paohlbürger steht, verrät die 75-Jährige, welche Computerspiele sie am liebsten zockt.

Mittwoch, 23.01.2019, 20:01 Uhr aktualisiert: 24.01.2019, 09:13 Uhr
Die frühere Tageschau-Sprecherin Dagmar Berghoff spielt zur Entspannung gerne mal am Computer.
Die frühere Tageschau-Sprecherin Dagmar Berghoff spielt zur Entspannung gerne mal am Computer. Foto: dpa

Sie gilt bis heute als „Miss Tagesschau“: Dagmar Berghoff war von 1976 bis 1999 prägendes Gesicht von Deutschlands meistgesehener Nachrichtensendung. Am Sonntag muss sich die 75-Jährige vor dem Tennengericht der KG Paohlbürger verantworten – vielleicht auch für ihre Begeisterung für Computerspiele, von der sie unserem Redakteur Dirk Anger erzählte.

23 Jahre lang Tagesschau-Nachrichten, jetzt im Karneval : Welchen Bezug haben Sie zum närrischen Treiben?  

Berghoff: Einen nicht ganz so großen, wenn ich ehrlich bin, weil wir Hamburger ja nicht so richtig Karneval haben. Ich habe aber schon einmal einen Orden entgegengenommen und zwar von der Nürnberger Luftflotte „Wider die Neidhammel“. Das war Anfang der 80er-Jahre. Man bekam damals ein Loblied auf sich, dann den Orden verliehen und musste im Jahr darauf ein Loblied auf den nächsten Ordensträger bringen. Das war in meinem Fall Hugo Strasser.

Wenn man sich die Welt so anschaut, geht es manchmal verrückter zu als im Karneval, oder?

Berghoff: Wenn ich England angucke, das Hin und Her um den Brexit und was da im Parlament passiert, dann denke ich, irgendwie in einer anderen Welt zu sein. Es ist unglaublich, was sich dort abspielt mit Schreien und Bravo-Rufen. Und sie hängen ihre Schwerter noch an die Seite: Das ist viel crazier als im Karneval.

Kommen wir zu Ihrem Humor: Als Sie einst Boris Becker beim „WC-Turnier“ ankündigten, hatten Sie selbst den wohl größten Lachkrampf der deutschen Nachrichten-Geschichte. Sind Sie ein lustiger Mensch?

Berghoff: Man kann das selbst schlecht beurteilen, aber ich glaube schon. Ich lache gerne, und ich lache viel, wenn es die Situation hergibt. Mir ist so etwas ja insgesamt dreimal öffentlich passiert: Einmal stand ich auf einer Theaterbühne in Rheinland-Pfalz; aus irgendeinem Grund kam ich aus dem Lachen nicht heraus. Das ist wirklich eine schwierige Nummer bei mir.

Und beim zweiten Mal?

Berghoff: Da kriegte ich 14 Tage Strafe beim Südwestfunk, weil ich mich verlacht hatte bei irgendwelchen Kirchenfürsten, die so abenteuerliche Namen hatten. Damals war eine Freundin mit im Studio: Da sie lachte, kam ich da auch nicht mehr raus. Das ist natürlich nicht so einfach, wenn man sich bei einem Kirchenfürsten verlacht. Beim WC-Turnier hatte ich aber das Glück, dass danach die Lottozahlen kamen und nicht noch ernste Meldungen. Ich weiß nicht, was sonst passiert wäre.

Und es gibt kein Entkommen aus diesen Situationen?

Berghoff: Man kann sich gegen Niesen wehren, aber nicht gegen einen Hustenreiz oder einen richtigen Lachanfall. Niesen und Gähnen werden Sie nie auf dem Schirm sehen – mal abgesehen von Talkshows. Aber gegen Hustenreiz oder Lachkrampf ist nichts zu machen.

Dagmar Berghoff - Bilder aus ihrer TV-Karriere

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  • Dagmar Berghoff war die erste Nachrichtensprecherin bei der Tagesschau (Archivbild von 1976). 

    Foto: dpa
  • Die scheidende Chefsprecherin der "Tagesschau", Dagmar Berghoff, am Silvesterabend (31.12.1999) während ihrer letzten Sendung.

    Foto: dpa
  • Im Jahr 2013 feierte „Mrs. Tagesschau“ ihren 70. Geburtstag (Archivfoto vom 15.01.2009).

    Foto: dpa
  • Fototermin anlässlich des 60-jähriges Bestehens der „Tagesschau“: Ex-Tagesschau Sprecher Wilhelm Wieben (l.), Kai Gniffke, Chefredakteur der Tagesschau, und Ex-Tagesschau Sprecherin Dagmar Berghoff am 6.12.2012 in Hamburg.

    Foto: dpa
  • Nach 23 Jahren verabschiedete sich Berghoff von Deutschlands bekanntester Nachrichtensendung.

    Foto: Klaus de Carné
  • Gastauftritt 2016: Genau vor 40 Jahren hatte Berghoff zum ersten Mal die „Tagesschau“ moderiert. Sie war damit die erste Frau. 

    Foto: dpa

Ihre mit Verlaub leicht rauchig klingende Stimme ist Ihr unverkennbares Markenzeichen. Haben Sie da schon die ein oder andere lustige Episode erlebt?

Berghoff: Nein, ich erlebe jetzt eher anderes: Wenn ich irgendwo anrufe, sitzt da eine junge Sekretärin, die mich nicht mehr kennen kann und fragt: Wie schreiben Sie sich denn? Aber das ist der Lauf der Zeit. Die Älteren kennen mich noch fast alle. Und wenn dann manch einer sagt, wie es mir noch öfter passiert, „Oh, wir vermissen Sie am Schirm“, dann sage ich: Danke, das ist so ein Kompliment, mein Tag ist gerettet! 

Lassen Sie uns ernst werden: Das Thema Fake News beschäftigt Journalisten wie Nachrichtenzuschauer. Gab es das auch zu Ihrer Zeit?

Berghoff: Wir hatten hervorragende Redakteure, die eine Nachricht dreimal recherchierten. Einmal kam sie über die Agentur, dann wurde der Korrespondent vor Ort angerufen, und dann wartete man noch auf eine dritte Bestätigung. Eine bedeutende Meldung wurde nie sofort rausgepustet, um der Erste zu sein. Es ging um seriöse Recherche.

Die Nachrichtenwelt ist durch das Internet in den vergangenen Jahren kurzatmiger und schnelllebiger geworden . . .

Berghoff: Ich glaube, dass viele Menschen ja immer noch Tagesschau gucken, weil sie sich vergewissern wollen, ob das alles so stimmt. Die Tagesschau hat nach wie vor ein gutes Image.

Welche Gefahren sehen Sie durch Computer und Internet?

Berghoff: Man kann am Foto retuschieren und zusammenfügen, was nie zusammen war, das macht mir schon Angst. Das finde ich sehr bedenklich. Genauso wie die Tatsache, dass Kinder und Jugendliche nicht begreifen, dass das, was im Internet ist, dauerhaft dort steht. Und ein Firmenchef, der sie später einstellen soll, mal gucken kann, was sie in der Jugend gemacht haben. Und jeder macht mal Unfug in der Jugend. Das ist doch völlig klar.

Sie waren die erste weibliche Tagesschausprecherin. Da hat sich offensichtlich viel getan…

Berghoff: Nicht nur an diesem Punkt. Damals waren die Sprecher und die Sprecherin zwei Drittel der Tagesschau im Bild, ein Drittel waren Film- und Korrespondentenberichte. Heute ist es genau umgekehrt, der Sprecher ist nur ein Drittel im Bild. Eine weitere große Veränderung: Es gibt den Teleprompter. 

Sie haben Ende 1999 bei der Tagesschau aufgehört. Mit welchen Dingen beschäftigten Sie sich heute?

Berghoff: Ich gehe sehr gerne und ziemlich viel ins Theater. Ich treffe mich mit Freunden. Ich sitze am Computer – und mache auch Spiele. Den Umgang mit dem Computer habe ich 2007 gelernt. Vorher konnte ich das nicht. Was ich aber nicht mache, ist Online-Banking, das will ich auch nicht. Außerdem bin ich ein bisschen ehrenamtlich engagiert etwa beim Israelitischen Krankenhaus. Ich langweile mich nicht mit mir selbst.

Können Sie mir erklären, warum ich mir gar nicht vorstellen kann, dass Sie Computerspiele spielen?

Berghoff (lacht): Ich weiß nicht . . . Es gibt so einige Computerspiele, da kommt es auf Schnelligkeit an. Die habe ich ganz gerne.

Jetzt müssen Sie auch die Namen verraten.

Berghoff: Mein Lieblingsspiel heißt Jewel Master. Das ist wirklich spannend. Davon gibt es mehrere, die ich ganz gerne zur Entspannung spiele. Auch Bubbles spiele ich gerne.

Sie kommen jetzt zum Tennengericht: Was verbinden Sie mit Münster?

Berghoff: Natürlich den Westfälischen Frieden. Ich habe in Tecklenburg direkt nach der Schauspielschule einen Sommer lang Theater gespielt. Da habe ich oft Münster besucht. Und ich habe eine Freundin dort.  

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