Initiative „Aufstehen“ stellt sich in Münster vor
„Die Aufregung muss von links kommen“

Münster -

Was haben die Initiative „Aufstehen“ und die Gelbwestenbewegung in Frankreich gemeinsam? Eine ganze Menge, wie eine Veranstaltung in Münster belegt.

Donnerstag, 24.01.2019, 21:00 Uhr aktualisiert: 30.01.2019, 12:17 Uhr
„Aufstehen“ lautete nicht nur der Titel der Veranstaltung im Bennohaus, die Besucher standen auch immer wieder auf.
„Aufstehen“ lautete nicht nur der Titel der Veranstaltung im Bennohaus, die Besucher standen auch immer wieder auf. Foto: kb

Als die Bundestagsabgeordnete Sarah Wagenknecht (Linke) im September 2018 die Initiative „Aufstehen“ vorstellte, da spekulierten viele Journalisten über Sinn und Ziel dieser parteiübergreifenden Aktion.

Als der Mitinitiator Steve Hudson die Initiative am Mittwochabend im Bennohaus in Münster vorstellte, da demonstrierte er bereits mit seinem Outfit die Zielsetzung: Hudson trug eine gelbe Warnweste. Die französische Gelbwestenbewegung hat mit großen Demonstrationen und Straßenblockaden der Regierung eine harte Auseinandersetzung aufgezwungen. „Wir sehen am Beispiel Frankreich, dass Änderungen möglich sind.“

Andrang größer als erwartet

Rund 200 Besucher kamen zu der Veranstaltung. Teilweise standen sie im Foyer, weil sich der Veranstaltungsraum als zu klein erwies.

Hudson wie auch der zweite Redner, der aus der SPD ausgetretene Bundestagsabgeordnete Marco Bülow , kritisierten immer wieder die ungleiche Verteilung von Einkommen und Vermögen im Land. Reiche und große Konzerne müssten stärker besteuert werden, so ihre Forderung, zugleich müssten Kleinverdiener, Arbeitslose, Rentner und Pflegebedürftige besser gestellt werden.

„Leistung lohnt sich nicht mehr“, wetterte der Dortmunder Bülow in Richtung der FDP. Es gebe immer mehr Menschen, die würden 40 Stunden in der Woche arbeiten und hätten trotzdem nicht genug Geld zum Leben.

Konsens: Links vor rechts

Wie ein roter Faden durch die Veranstaltung zog sich die Skepsis gegenüber den etablierten Parteien, wenn es um die Lösung der Probleme gehe. Der Druck, so der Tenor, müsse von der Straße kommen. Oder wie es Bülow in klarer Abgrenzung zur AfD sagte: „Die Aufregung darf nicht von rechts kommen, sie muss von links kommen.“

Wie eine Abfrage ergab, waren rund zwei Drittel der Teilnehmer an der Veranstaltung nicht Mitglieder einer Partei. In der Aussprache gab es weitgehende Einigkeit bei der Zielsetzung, zugleich aber auch kritische Nachfragen. Ein Münsteraner bemängelte ausländerkritische Äußerungen von Oskar Lafontaine, einem der Prominenten bei „Aufstehen“. Ein anderer fragte, wie man sich verhalten solle, wenn auch Rechtspopulisten die Warnweste überziehen . . .

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6343790?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F
Michael Mittermeier: „Haltung ist wichtig“
Michael Mittermeier ist mit seinem Programm „Lucky Punch“ auf Tour.
Nachrichten-Ticker