Holocaust-Gedenktag der weiterführenden Schulen
Aufstand des Anstands

Münster -

Einfühlsame Projekte der Schüler, deutliche Worte des Oberbürgermeisters. Am Holocaust-Gedenktag der weiterführenden Schulen gab es deutliche Ansagen gegen Rechtspopulismus.

Montag, 28.01.2019, 18:00 Uhr
Oberbürgermeister Markus Lewe sprach vor den Schülern der weiterführenden Schulen deutliche Worte hinsichtlich gesellschaftlicher Entwicklungen und der Bedeutung von Erinnerung.
Oberbürgermeister Markus Lewe sprach vor den Schülern der weiterführenden Schulen deutliche Worte hinsichtlich gesellschaftlicher Entwicklungen und der Bedeutung von Erinnerung. Foto: Björn Meyer

„Der Herr Lewe hat das schon richtig gesagt, die Tendenzen gehen politisch wieder dahin“, findet Jan Jetzorowski . Der 18-Jährige Schüler der Stufe 12 des Schlaun-Gymnasiums hat mit seinen Mitschülern für den Holocaust-Gedenktag der weiterführenden Schulen in Münster das Leben von Erich Waldeck erforscht.

Waldeck, Sohn einer jüdischen Familie, war selbst Schüler des Schlaun-Gymnasiums. 1936 emigrierte er nach Palästina, bevor es ihn später in die USA verschlug. Waldecks Schulvergangenheit, da sind sich Jetzorowski und seine Mitschüler Daniel Heising, Stefan Bühner und Mirco Fleck einig, habe das Interesse der Schüler zusätzlich geweckt.

Projekte für den Gedenktag

Ähnlich wie diesen Vieren ging es auch vielen anderen Schülern in Münster. Sie alle beschäftigten sich in den vergangenen Monaten im Unterricht mit Opfern des Holocausts und bereiteten dabei ganz unterschiedliche Projekte für den Gedenktag vor. „Dieses Gedenken, das ist unsere Aufgabe – und genau das tut ihr“, sagte Oberbürgermeister Markus Lewe am Montagvormittag, der nach einer einleitenden Rede per Schüler-Interviews einige der Projekte vorstellte.

Vorher aber fand Lewe deutliche Worte. Hätte man ihn vor zehn oder 15 Jahren gefragt, ob so etwas wie damals noch einmal passieren könne, er hätte es verneint. „Heute bin ich mir da nicht mehr so sicher“, nahm Lewe Bezug auf „Menschen, die wieder anfangen, andere zu diskriminieren“, so Lewe, der forderte, diesen Einflüssen „keinen Nanometer Raum zu geben“. Doch damit nicht genug: „Wir brauchen einen Aufstand der Anständigen“, sagte Lewe vor den Schülern, die Schilder und Gedenktafeln hochhielten.

Von einer Spaltung der Gesellschaft nichts zu spüren

Jan Jetzorowski und seine Mitschüler waren sich am Montag derweil einig. Nicht nur im Unterricht, auch privat wolle man sich in Zukunft dem Thema widmen. Dabei, das betonten die Schüler, sei in ihrer Stufe von einer Spaltung der Gesellschaft nichts zu spüren. Alle hätten bei dem Thema eine ähnliche Meinung: „Gott sei Dank“, so Mirco Fleck.

Organisiert hatte die Veranstaltung die Bezirksregierung in Zusammenarbeit mit der Villa ten Hompel.

Kommentar

Da es kaum noch Zeitzeugen gibt, und auch die Generation der Väter und Großväter die Verbrechen des Nazi-Regimes nur noch aus Erzählungen kennt, ist es besonders wichtig, Nazizeit und Holocaust im Unterricht zu thematisieren. Doch eine Kritik sei erlaubt: Bei aller Symbolik, das Gedenken an die Holocaust-Opfer gehört nicht auf den Platz des westfälischen Friedens – in einen Innenhof – sondern mitten ins Geschehen, wo es möglichst viele mitbekommen. Von Björn Meyer

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