Mit Video: Demo in Münsters Innenstadt
2000 Schüler und Studierende streiken erneut fürs Klima

Münster -

Sie trotzten Eis und Schnee: 2000 Schüler haben am Freitagvormittag erneut in Münsters Innenstadt für konsequentere Klimapolitik demonstriert. Und es wird nicht die letzte Demo gewesen sein.

Freitag, 01.02.2019, 10:50 Uhr aktualisiert: 05.02.2019, 14:01 Uhr
Mit Video: Demo in Münsters Innenstadt: 2000 Schüler und Studierende streiken erneut fürs Klima
2000 Schüler und Studenten demonstrieren für mehr Klimaschutz. Foto: Oliver Werner

500 Teilnehmer sollen es zunächst sein, so schätzt die Polizei, als am Freitagmorgen gerade der zweite Klimastreik der Schüler vor dem Rathaus begonnen hat. Nur wenig später zeigt sich, es sind deutlich mehr, die gekommen sind, um für ihre Zukunft zu streiken. Aus Münster, aber auch aus Warendorf, Beckum und Borken – aus dem gesamten Münsterland.

Rund 2000 Schüler ziehen nach Polizeiangaben schließlich vom Rathaus weiter Richtung Schloss, wo es an diesem kalten Morgen eine Zwischenkundgebung geben soll. Immer wieder rufen Sie: „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut.“ Dabei beschäftigt viele Schüler nicht nur die Klimapolitik, sondern auch ein konkreter Vorwurf.

Vorwurf macht Schülerin sauer

„Dass uns vorgeworfen wird, wir seien hier, um die Schule zu schwänzen, macht mich sauer“, sagt Schülerin Hannah Hohenhövel aus Münster. „Es ist kalt, wir stecken alle im Abi. Wir könnten uns etwas anderes vorstellen als hier zu stehen. Aber hier geht es darum, dass unsere Zukunft verheizt wird“, ergänzt neben ihr Maren Isermeyer. 

Erneuter Klima-Streik von Schülern und Studenten

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Viele andere äußern sich ähnlich – auch Mitorganisatorin Carla Reemtsma : „Es steckt so viel Herzblut in der Bewegung, es ist einfach falsch uns zu unterstellen, wir wollten schwänzen.“ Es gehe einzig und allein darum, durch den Streik Aufmerksamkeit zu erregen – auch in den direkt betroffenen Familien. „Diejenigen, die hierher kommen, müssen das mit Eltern und Lehrern diskutieren. Auch das trägt zu einem politischen Bewusstsein bei.“

Kommentar: Bizarre Pädagogik

Das ist ein starkes Stück. Nein, nicht dass rund 2000 Schüler in Münster für das Klima streiken. Ein starkes Stück ist, dass sie sich dafür anhören müssen, sie wären nur dort, um zu schwänzen. Echt jetzt? Da wird immer gesagt, Schule müsse dahin kommen, weniger theoretische Inhalte auf-, dafür aber auf das Leben vorzubereiten. Besser schlecht als recht klappe das, sagen Kritiker.

Nun spielt sich der Beweis dafür, dass viele junge Leute nicht nur ihre Noten im Blick haben, sondern für ihre Überzeugung einstehen wollen, vor unseren Augen ab. Sie gehen dafür auf die Straße, bei Wind und Wetter. Mit dem Ergebnis, dass sie sich dafür als Schulschwänzer denunzieren lassen müssen – als wäre das eine Art Kapitalverbrechen.

Die Krönung des Ganzen ist aber, dass sie sich das mitunter noch von den eigenen Lehrern – allerdings längst nicht allen, auch das sei betont – anhören müssen. Von Personen also, die lebenslang finanziell versorgt sind, weil sie sich dafür entschieden haben, eine wichtige Aufgabe in der Gesellschaft zu übernehmen – junge Leute aufs Leben vorzubereiten. Wenn genau diese Pädagogen ihren Schülern solch niedere Motive unterstellen, ist das nichts anderes, als das Eingeständnis der eigenen Unzulänglichkeit.

Anstatt sich zu freuen, dass sich Schüler für Dinge außerhalb der Blase Schule interessieren, suggerieren sie den jungen Menschen, es gäbe nichts Wichtigeres als ihren kleinen Schulkosmos. Das ist beschämend und verantwortungslos zugleich – hat aber zumindest ein Gutes für die Schüler: Sie bekommen kostenlos veranschaulicht, dass man im Leben gegen Widerstände aufstehen muss. Viel Glück dabei. Von Björn Meyer

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Die Bezirksregierung sagt, die Entscheidung über den Umgang mit streikenden Schülern liege beim jeweiligen Schulleiter, für viele Lehrer bedeutet das eine Zwickmühle. Das bekommen die Schüler bereits zu spüren. Viele werden für den Streik unentschuldigte Fehlstunden auf ihrem Zeugnis wiederfinden.

Streiken bis sich etwas ändert

Einen anderen Weg geht Torsten Büscher. Der Grundschullehrer ist mit einer großen Gruppe Viertklässler am Rande des Streiks erschienen. „Wir bringen den Schülern hier bei, wie Demokratie funktioniert. Die Klimaziele kommen dazu. Das ist genauso Unterricht, wie ein Besuch im Planetarium. Ein außerschulischer Lernort eben“, sagt Büscher, der Lehrer auf einer Mecklenbecker Grundschule ist. Natürlich, so fügt er an, seien die Eltern vorher um ihr Einverständnis gebeten worden. Und man behandele auch, dass bei dem Streik bestehendes Recht gebrochen werde.

Wie lange die Streiks noch weitergehen sollen? Carla Reemtsma hat darauf eine klare Antwort: „So lange, bis sich etwas bewegt."

 

Schüler und Studenten streiken erneut für Klimaschutz

 

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