100 Jahre Münster-Musik: Ute Lemper erinnert sich an prägende Jahre
„Schubert war nicht so mein Ding“

Münster -

Münsters Sinfonieorchester, die Musikhochschule und die Westfälische Schule für Musik feiern in diesem Jahr gemeinsam das 100-jährige Bestehen. In einer Serie blicken Musiker, Dirigenten und Schauspieler mit Wurzeln oder prägenden Eindrücken in der Westfalenmetropole auf ihre Erfahrungen mit der Musik- und Bühnenwelt der Stadt zurück. Heute: Ute Lemper.

Freitag, 08.02.2019, 18:12 Uhr aktualisiert: 08.02.2019, 18:59 Uhr
Ute Lemper zählt zu den bekanntesten Sängerinnen und Bühnenakteurinnen, die die Stadt Münster hervorgebracht hat. Sie lebt in New York, pflegt aber familiäre und zuletzt auch wieder engere kulturelle Kontakte in ihre Heimatstadt.
Ute Lemper zählt zu den bekanntesten Sängerinnen und Bühnenakteurinnen, die die Stadt Münster hervorgebracht hat. Sie lebt in New York, pflegt aber familiäre und zuletzt auch wieder engere kulturelle Kontakte in ihre Heimatstadt. Foto: dpa

Münsters Sinfonieorchester, die Musikhochschule und die Westfälische Schule für Musik feiern in diesem Jahr gemeinsam das 100-jährige Bestehen. In einer Serie blicken Musiker, Dirigenten und Schauspieler mit Wurzeln oder prägenden Eindrücken in der Westfalenmetropole auf ihre Erfahrungen mit der Musik- und Bühnenwelt der Stadt zurück. Vor allem die Anfänge der aus Münster stammenden und heute in New York lebenden Sängerin Ute Lemper weisen einige Verbindungen zur Musikschule, zur Musikhochschule und zum Sinfonieorchester auf. Welche, darüber sprach unser Redakteur Martin Kalitschke mit ihr.

Frau Lemper, wann fing Ihre Leidenschaft für die Musik an?

Lemper: Die ersten Einflüsse gingen von meinem Elternhaus aus. Mein Vater hat Gitarre, Geige und Klavier gespielt, ein Klavier stand auch bei uns zu Hause. Und meine Mutter hat gesungen, Operette. Ab und zu haben wir gemeinsam Musik gemacht und gesungen.

Welche Stilrichtungen wurden zu Hause gehört?

Lemper: Mein Vater hatte einen Plattenschrank voller Platten von George Gershwin, Ella Fitzgerald, Louis Armstrong, Cole Porter, Frank Sinatra. So hatte ich schon früh Kontakt zum Jazz.

Wie sahen Ihre ersten musikalischen Gehversuche aus?

Lemper: Als ich sieben Jahre alt war, begann ich mit Ballettunterricht, zunächst in einer Ballettschule. Später nahm ich dann Tanzunterricht am Stadttheater. Parallel begann ich mit Klavierunterricht an der Musikschule. Ich hatte allerdings furchtbar Angst vor dem Lehrer. Er hatte so strenge Augen, ich war jedes Mal froh, wenn die 45 Minuten zu Ende waren – von denen er nicht selten 30 Minuten herumtelefonierte. Das war keine gute Erfahrung. Ich habe das abgebrochen und bin später als Teenager an die Musikschule zurückgekehrt, um im Jazz-Chor zu singen. Klavierstunden habe ich weiterhin im Gymnasium Mauritz genommen.

Wie sah das musikalische Repertoire denn in jenen zurückliegenden Jahren eigentlich aus?

Lemper: Es wurde in Harmonien gesungen, wie bei Manhattan Transfer. Wir haben damals viele interessante Platten gehört, die mich in Sachen Jazz weiter inspiriert haben. Dann war ich Mitglied eines Jazz-Trio, zusammen mit zwei „älteren“ Männern um die 40. Das waren echte Jazzkumpel. Wir haben Klassiker wie „Take the A Train“ gespielt und sind oft aufgetreten.

Dann taten Sie sich mit Schülern der Musikhochschule zusammen.

Lemper: Genau. Das waren ganz coole Typen, wir haben auf einem Kotten auf dem Land geübt, Rock und Jazz. Bei der „Panama Drive Band“ war ich bis 1978 als Sängerin dabei. Das waren meine Kumpel. Eine tolle Zeit. Wir haben zusammen gekocht, viele Gigs gehabt, in der Eule, im Jovel.

Gab es weitere Berührungspunkte mit der Musikhochschule?

Lemper: Ja, bei einem Professor der Musikhochschule nahm ich als Teenager Gesangsunterricht. Da wurden allerdings Lieder gesungen, die mir nicht so lagen. Schubert war nicht so mein Ding. Ich wollte schon immer lieber frei singen als mit künstlicher Stimme. Immerhin, ein Jahr lang zog ich das durch.

Welchen Einfluss hatte das Sinfonieorchester auf Sie?

Lemper: Ich wurde Ende der 1970er Jahre wiederholt für Stücke engagiert. Ich habe zum Beispiel in der Operette „Die Maske in Blau“ mitgespielt, und da war natürlich auch das Sinfonieorchester dabei. Als ich dann an die Musikhochschule und Dramaschule, das Max-Reinhardt-Seminar in Wien, wechselte und danach einen intensiven Karriereweg begann, passierte in Münster allerdings erst einmal nicht mehr so viel. Aber ich kam natürlich immer wieder zurück nach Münster. 2016 war ich dann anlässlich des 60-jährigen Bestehens des Theaters zu Gast – und 2017 mit meinem Programm „The Nine Secrets“.

Mit dem münsterischen Sinfonieorchester sind Sie da allerdings nicht aufgetreten, oder?

Lemper: Nein, da habe ich meine eigenen Musiker mitgebracht. Doch anderswo stehe ich immer wieder mit Sinfonieorchestern auf der Bühne. Ich liebe es, mit Sinfonieorchestern aufzutreten. Es ist ein großes Privileg, zusammen mit 60 bis 80 Musikern auf der Bühne stehen zu dürfen. Ich sage immer: Das ist durchaus der beste Platz im Haus – vor den Violinen und neben dem Dirigenten.

Würden Sie denn eigentlich gerne mal wieder mit dem münsterischen Sinfonieorchester auftreten?

Lemper: Absolut! Das kann sich gerne mal bei mir melden. Ich freue mich auf eine E-Mail!

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