Windkraft-Doku „End of Landschaft“ im Mühlenhofmuseum
Grandiose Landschaften als Opfergaben

Münster -

Das Thema Windkraft bewegt. Befürworter eines starken Ausbaus für regenerativen Strom ebenso wie Naturschützer, die Raubbau an Wäldern und Landschaften ins Feld führen. Rund 350 Interessierte waren am Samstag ins Mühlenhofmuseum gekommen, um sich die umstrittene Doku „End of Landschaft“ anzusehen.

Montag, 11.02.2019, 10:00 Uhr aktualisiert: 11.02.2019, 19:58 Uhr
Die „Einkesselung“ der Stadt Wismar in Mecklenburg-Vorpommern, wie im Film zu sehen.
Die „Einkesselung“ der Stadt Wismar in Mecklenburg-Vorpommern, wie im Film zu sehen. Foto: pd

Über 600 Anfragen hat Dokumentarfilmer Jörg Rehmann für seinen Film „End of Landschaft. Wie Deutschland das Gesicht verliert“ bekommen. Viele wollen ihn sehen, manche Windkraft-Lobbyisten wollen die Aufführung verhindern. Denn das Thema Windenergie polarisiert wie kaum etwas.

Am Samstag gab es zwei Vorführungen im Mühlenhofmuseum. Etwa 350 Interessierte hatten sich eingefunden, wie Prof. Werner Mathys von „Windkraft mit Vernunft e.V.“ bilanziert. Die Grevener Initiative hatte die Vorführungen organisiert.

Erster Eindruck: „End of Landschaft“ ist ganz und gar für die große Kinoleinwand gemacht. Wer zeigen will, was in Deutschland dem forcierten Ausbau der Windräder geopfert wird, muss die „Opfergaben“ der Öko-Gemeinde auch so ins Bild setzen, wie sie es verdienen. So besteigt der Dokumentarist dann etwa den „Katzenbuckel“, den höchsten Berg im Odenwald. Was Rehmann hier eingefangen hat, sind Naturbilder von einer Schönheit, die ans Herz greift.

Und er lässt Menschen zu Wort kommen, die dieser Natur emotional verbunden sind – sogar einen Einsiedler, der allein in einem Tipi lebt. Aber es gibt auch die „normalen“ Opfer jener Windräder, die im Schnelltempo wachsen (etwa 30 000 sind es derzeit). Da sind die Anwohner, die der Politik zu sehr vertrauten, dass Abstände eingehalten würden. Da sind jene, denen die vertraute Heimat geraubt wird.

Der 105-Minuten-Film zeigt kritische Experten, die dem Narrativ widersprechen, hier werde durch Deutschland gleichsam das Weltklima gerettet. Ökonom Hans-Werner Sinn etwa verweist auf die immensen Kosten. „Wenn man der Natur all das antut, müsste es sich doch wenigstens lohnen!“ Aber die Bilanz fürs Klima ist so mau, wie die Stromrechnungen hoch sind.

Manche Mühlenhof-Besucher hätten sich sogar noch mehr Fakten gewünscht und finden, dass der Film ein paar Rehkitze zuviel zeigt. „Was ist mit dem Thema Infraschall?“, fragen Beate Wedekind und Albert Röser, die sich in der Bürgerinitiative „Gegenwind Havixbeck-Hohenholte“ engagieren. Ein anderer Zuschauer wirft die Frage nach der geringen Windrad-„Lebensdauer“ von 20 Jahren auf. Organisator Prof. Werner Mathys indes verteidigt die emotionale Machart des Films und wünscht sich, dass er in Münster doch noch die Chance für eine Kinovorführung bekommt.

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