Einfach unentbehrlich
270 Ehrenamtliche im Klarastift

Münster -

Sie schmeißen den Betrieb in der Cafeteria, dirigieren den Chor oder sind unverzichtbare Bezugspersonen für die Bewohner des Klarastifts. Die städtische Senioreneinrichtung wäre ohne die vielen ehrenamtlichen Helfer eine andere.

Dienstag, 12.02.2019, 09:00 Uhr
Ehrenamtliche in „Klaras Kaffeehaus“, dem Herz des Klarastifts, das jeden Nachmittag geöffnet ist. Ohne sie könnte die große Senioren-Einrichtung mir Pflegeheim und Appartements im betreuten Wohnen gar keine Cafeteria betreiben.
Ehrenamtliche in „Klaras Kaffeehaus“, dem Herz des Klarastifts, das jeden Nachmittag geöffnet ist. Ohne sie könnte die große Senioren-Einrichtung mir Pflegeheim und Appartements im betreuten Wohnen gar keine Cafeteria betreiben. Foto: Karin Völker

Dienstagnachmittag, durchs Foyer des Klarastifts wehen der Duft frisch gebackener Waffeln und der Klang fröhlichen Gelächters. Beides kommt aus „Klaras Kaffeehaus“, der Cafeteria der städtischen Senioreneinrichtung. 

In der kleinen Küche in „Klaras Kaffeehaus“ herrscht gute Laune, am Tresen ebenfalls. Sechs Frauen, sind hier gerade voll in Aktion, bedienen das Waffeleisen, schenken Kaffee aus, tragen Tabletts an die voll besetzten Tische. Sie bedienen die Bewohner und deren Gäste hier ehrenamtlich – alle paar Wochen für einen Nachmittag.

120 Personen helfen ehrenamtlich allein hier im Café, Begegnungszentrum und Herz des Klarastifts, erzählt Hermann Gepp , Sozialarbeiter des Klarastifts. Als er vor 32 Jahren in der Einrichtung anfing, gab es ehrenamtliche Helfer nur hier, in der Cafeteria des Hauses, die ohne die Freiwilligen gar nicht betrieben werden könnte. Mit den Jahren fanden immer mehr Menschen auf der Suche nach einer ehrenamtlichen Aufgabe zum Klarastift – und Gepp begann, die engagierten Menschen, oft aus der Nachbarschaft im Ostviertel, in vielen Bereichen einzusetzen. Mittlerweile sind 270 Frauen und Männer im Klarastift tätig – „so viele Ehreamtliche hat keine andere Alteneinrichtung in Münster“, sagt Gepp nicht ohne Stolz.

Und weil die Freiwilligen mit den Jahren eine so große Gruppe geworden sind, gibt es mit Robert Berg seit einigen Jahren auch einen Sprecher für ihre Belange. Der frühere Arzt im Sanitätsdienst der Bundeswehr arbeitet als Koordinator, Sprachrohr und Verbindungsmann zur professionell tätigen Mitarbeiterschaft. „Zusammen sind wir ein großes Team“, sagt Berg.

Oft sind es nicht hauptamtlich Tätige wie Gepp, die für besondere Tätigkeiten Freiwillige suchen. „Sehr häufig war es so, dass jemand mit einer Idee für ein neues Angebot auf uns zugekommen ist“, erzählt Gepp. So gibt es den von einer ehrenamtlich tätigen Musikerin geleiteten, etwa 100-köpfigen Chor, der nebenbei auch Schützen- und Karnevalsfeste im Haus organisiert, eine Gruppe für den Kräutergarten, einen Handarbeits-Kreis, eine Töpfer- oder die Nähgruppe, die bei Bedarf kostenlos Kleidungsstücke der Bewohner ändert. Andere Ehrenamtliche spielen mit den Bewohnern Gesellschaftsspiele oder begleiten sie bei Ausflügen.

„Ohne Ehrenamtler könnten wir nicht gewährleisten, dass unsere Bewohner bei Arztbesuchen begleitet werden“, sagt Hermann Gepp. Für viele der Hochbetagten, teilweise auch dementen Bewohner sei es unmöglich, ohne Begleitung einen Besuch in einer Arztpraxis zu absolvieren. „Für solche wichtigen Aufgaben haben wir kein professionelles Pflegepersonal“, so Gepp. Ebenso verhält es sich mit der Pflege des Aquariums, beim Anschließen von Telefonanlagen oder dem Programmieren von Fernsehern – alles Aufgaben, die die meisten Bewohner nicht selbst erledigen können, für die es aber auch keine bezahlten Mitarbeiter gibt.

Wer es möchte, kann mit einem ehrenamtlichen Besucher in Verbindung gebracht werden – eine Person, die mindestens einmal pro Woche für eine Stunde kommt, mit dem entsprechenden Bewohner oder der Bewohnerin Zeit verbringt. Eine Aufgabe, für die das Klarastift viele junge Leute gewinnt, oft Studierende, die nach Münster kommen – und es in ihren Heimatorten gewohnt waren, sich zu engagieren. Ehrenamtliche sind auch zur Stelle, wenn Bewohner sterben – Robert Berg hat dafür eine Hospizgruppe gegründet, organisiert Fortbildungen in Zusammenarbeit mit dem Johannes-Hospiz. „Wenn keine Angehörigen da sind, die die Sterbegleitung leisten können oder wollen, sind wir da, wachen rund um die Uhr, sagt Berg – im Drei-Stunden-Wechsel“, erzählt Berg.

Die vielen Freiwilligen ziehen immer wieder neue Menschen an, die ebenfalls aktiv werden wollen, so Gepp. Robert Berg hat seine Frau mit ins Boot geholt. Sie tut, im Wechsel mit anderen Ehrenamtlichen, Dienst am Empfang, wenn die hauptamtlichen Mitarbeiter Dienstschluss haben. So sei schon manches Mal verhindert worden, „dass verwirrte Bewohner unbemerkt das Haus verlassen und womöglich verloren gehen“, erklärt Gepp. Er ist rundum dankbar für die viele Hilfe, „ohne sie wäre das Klarastift eine andere Einrichtung“. Neue Engagierte sind übrigens immer willkommen.

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