Abfallwirtschaftstage
Plastikbeutel sind niemals „bio“

Münster -

Biologisch abbaubare Plastik-Beutel für den Bioabfall? Die sind für Wissenschaftler, die gerade in der Halle Münsterland bei den Abfallwirtschaftstagen beraten schlicht eine Mär. Wer will schon Kompost voller Kunststoff-Fetzen?

Mittwoch, 13.02.2019, 10:40 Uhr aktualisiert: 13.02.2019, 10:43 Uhr
Experten bei den Abfallwirtschaftstagen vor dem Biomobil (v.l.): Vera Susanne Rotter, Klaus Gellenbeck und Sabine Flamme.
Experten bei den Abfallwirtschaftstagen vor dem Biomobil (v.l.): Vera Susanne Rotter, Klaus Gellenbeck und Sabine Flamme.

Direkt vor dem Eingang der Halle Münsterland parkt momentan ein Müllfahrzeug der Abfallwirtschaftsbetriebe Münster (AWM) – das schwarz lackierte „Biomobil“, versehen mit der Aufschrift „Bei Plastik seh‘ ich schwarz“. Die AWM sind mit ihrer Kampagne gegen die Verwendung von Kunststoffbeuteln für die Verpackung des Biomülls auf dem richtigen Weg, sagen Fachleute, die noch bis morgen auf Einladung der FH Münster bei den 16. Abfallwirtschaftstagen mit 400 Teilnehmern über viele Facetten des Themas Abfallentsorgung und -recycling diskutieren.

Kunststoffbeutel ein Dorn im Auge

Prof. Sabine Flamme vom FH-Institut „Infrastruktur – Wasser – Ressourcen – Umwelt“ (Iwaru) sind die entgegen der Behauptung der Hersteller eben nicht vollständig abbaubaren Kunststoffbeutel ein Dorn im Auge. Auf diese Weise werde der Kompost mit Kunststoffrückständen durchmischt, sie gelangen in den natürlichen Kreislauf. Aufklärung sei bisher der einzige Weg, dieses gravierende Problem zu lindern, so Flamme.

Am besten so wenig wie möglich kunststoffverpackte Waren kaufen.

Prof. Klaus Gellenbeck

Ganz ähnlich sehen es die Fachleute beim Thema Kunststoff-Abfall. „Am besten so wenig wie möglich kunststoffverpackte Waren kaufen“, rät Prof. Klaus Gellenbeck von der FH Münster. Hier allerdings sehen die Experten langsame Fortschritte. Zunehmend suchten Verpackungs-Hersteller wissenschaftliche Beratung, bevor sie ein neues Produkt entwickeln, so Sabine Flamme.

Die wichtigste Voraussetzung für erfolgreiches Recycling: „Es sollten nicht mehrere Kunststoffarten gleichzeitig verwendet werden“, erklärt Flamme. Wie stark die kritische Debatte um Plastikmüll in den Meeren in der Industrie angekommen ist, zeige die Preisentwicklung: Für recycelten Kunststoff als Grundstoff für neue Produkte werden laut Klamme mittlerweile am Markt höhere Preise gezahlt als für neu hergestelltes Material.

Mit sehr einfachen Mitteln könnte Kunststoff noch viel umfangreicher wiederverwertet werden, erklärt Vera Susanne Rotter von der TU Berlin. In den gängigen Müllsortierungsanlagen werden schwarze Kunststoff-Teile vom Infrarot-Sensor nicht erkannt. So wandern etwa die unzähligen schwarzen Plastik-Blumentöpfe in den Restmüll, obwohl sie wiederverwertbar wären. Rotter: „Warum nicht schwarz gefärbte Kunststoff-Wegwerfartikel nicht mehr herstellen?“

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