St. Ida Gremmendorf
Kinostühle auf dem Orgelboden

Münster-Gremmendorf -

Wenn der Kirchenchor von St. Ida singt, dann nimmt er auf ungewöhnlichen Stühlen Platz: Seit fast 60 Jahren befinden sich auf dem Orgelboden Sitze aus einem Kino, das sich einst an der Hammer Straße befand – und schon lange nicht mehr existiert.

Sonntag, 17.02.2019, 09:00 Uhr
41 Kinostühle aus dem Lichtspielhaus „Residenz“ stehen auf dem Orgelboden von St. Ida. Hier haben Pfarrer Robert Schmäing (l.) und Kirchenchor-Vorsitzender Heinz van Husen Platz genommen.
41 Kinostühle aus dem Lichtspielhaus „Residenz“ stehen auf dem Orgelboden von St. Ida. Hier haben Pfarrer Robert Schmäing (l.) und Kirchenchor-Vorsitzender Heinz van Husen Platz genommen. Foto: kal

Sowohl die Gremmendorfer St.-Ida-Kirche als auch die Stühle auf dem Orgelboden stammen aus den 50er-Jahren. Doch wirklich zusammen passen das schlichte, helle Gotteshaus und die mit rosa Cord-Stoff bezogenen, in Messing gefassten Klappstühle nicht. Kein Wunder – befanden sie sich doch ursprünglich in einem Kino.

Genauer: in der „Residenz“ an der Hammer Straße, die in den 50er-Jahren eröffnet und in den Achtzigern geschlossen und abgerissen wurde. Heute befindet sich hier ein Rewe-Markt.

Blick vom Orgelboden mit den Kinostühlen in den Chorraum von St. Ida.

Blick vom Orgelboden mit den Kinostühlen in den Chorraum von St. Ida. Foto: kal

Kinositze wurden gespendet

„Bei den Kino-Stühlen in St. Ida handelt es sich um die ersten Reihen des Residenz-Kinos“, erzählt Heinz van Husen, Vorsitzender des Kirchenchores. „Sie mussten raus, weil sie zu nah an der Leinwand waren.“

Direkt nach der Kirchweihe, die am 3. Mai 1959 stattfand, kamen 41 Kino-Klappsitze nach Gremmendorf, berichtet van Husen. Eine Holzbaufirma baute das Podest, wo sie seitdem stehen. Die vier Stuhlreihen bekam die Gemeinde zum Nulltarif, Kinositze wie Podest wurden gespendet, sagt der Vorsitzende des Kirchenchores. „Die Kinositze kamen bei den Sängerinnen und Sängern sehr gut an“, erinnert sich van Husen. Bequeme Sitzgelegenheiten seien damals Mangelware gewesen.

Ein wenig wehmütig erinnert er sich an Zeiten, als auf jedem Kinositz ein Chormitglied Platz nahm. „Heute“, berichtet van Husen, „haben wir gerade noch 20 Mitglieder“. Der Altersdurchschnitt steige immer mehr, Nachwuchs werde daher dringend gesucht.

41 Kinostühle befinden sich auf dem Orgelboden.

41 Kinostühle befinden sich auf dem Orgelboden. Foto: kal

Nächster Auftritt an Ostern

„Auch bei Hausfrauen war der Kirchenchor beliebt“, erzählt Pfarrer Robert Schmäing. „Für sie bot er eine gute Gelegenheit, Kontakte in die Kirchengemeinde zu knüpfen“. Und ja, aus dem Kirchenchor sei im Laufe der Jahre auch so manche Ehe hervorgegangen.

Der nächste große Auftritt des heute nicht mehr ganz so großen Chores ist für Ostern geplant, berichtet Chor-Vorsitzender Heinz van Husen. Auch an Weihnachten und beim Patronatsfest ist der Kirchenchor St. Ida nicht aus den Gottesdiensten wegzudenken. Van Husen hofft, dass sich daran auch in den kommenden Jahren nichts ändern wird. Die Kinositze sind jedenfalls noch so gut in Schuss, dass sie problemlos weitere Jahrzehnte durchhalten dürften.

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