Steifer Gegenwind an der Haskenau
Protest gegen Münsters größtes Windrad

Münster -

Münsters größtes Windrad ist bei Anliegern und Naturschützern nach wie vor hoch umstritten. Wenige Wochen vor einer Entscheidung des Verwaltungsgericht zur Zulässigkeit der Baugenehmigung kam es nun zu einem Eklat in der Bezirksvertretung Münster-Ost.

Montag, 18.02.2019, 20:00 Uhr aktualisiert: 18.02.2019, 21:38 Uhr
An der Haskenau wird nach einer Winterpause wieder gearbeitet: Der Kran hievt einige Mitarbeiter der Baufirma an die Spitze des 120 Meter hohen Betonturms.
An der Haskenau wird nach einer Winterpause wieder gearbeitet: Der Kran hievt einige Mitarbeiter der Baufirma an die Spitze des 120 Meter hohen Betonturms. Foto: Matthias Ahlke

Es geschieht selten, dass eine Sitzung der Bezirksvertretung Münster-Ost derart aus dem Ruder läuft: Rund 20 Zuschauer verlassen unter Protest die Mehrzweckhalle Gelmer – nur um vor der Tür weiterzudiskutieren. Hektisch arbeitet das Gremium den Rest der Tagesordnung ab, dann sucht Bezirksbürgermeisterin Martina Klimek das Gespräch mit den verärgert Wartenden, ohne die Wogen nachhaltig glätten zu können.

Der Stein des Anstoßes? Das Windrad Haskenau

Fachleute des Grünflächenamts sollten über den Sachstand des Projekts berichten. Peter Hemecker (Piraten) hatte einen Katalog von 22 kritischen Fragen dabei, den er vor dem Gremium und den überwiegend von ihm selbst eingeladenen Zuschauern abzuarbeiten begann. Das Unbehagen im Saal war deutlich zu spüren: Bezirksvertreter Jörn Möltgen, als Ratsherr der Grünen zugleich Vorsitzender des Planungsausschusses, beendete mit einem „Antrag zur Geschäftsordnung“ die seiner Auffassung nach „unseriöse“ Fragestunde: Die Verwaltung möge alles schriftlich beantworten. Starker Protest der Zuschauer („Sie können sich allesamt schämen“), breite Zustimmung des Gremiums. „Dies ist keine Bürgerinformationsveranstaltung“, betonte die Bezirksbürgermeisterin.

Windrad Haskenau: Der Betonturm steht

1/8
  • Der 120 Meter hohe Betonturm des Windrads Haskenau ist fertiggestellt. Foto: spe
  • Der 120 Meter hohe Betonturm des Windrads Haskenau ist fertiggestellt. Foto: spe
  • Der 120 Meter hohe Betonturm des Windrads Haskenau ist fertiggestellt. Foto: spe
  • Der 120 Meter hohe Betonturm des Windrads Haskenau ist fertiggestellt. Foto: spe
  • Der 120 Meter hohe Betonturm des Windrads Haskenau ist fertiggestellt. Foto: spe
  • Der 120 Meter hohe Betonturm des Windrads Haskenau ist fertiggestellt. Foto: spe
  • Der 120 Meter hohe Betonturm des Windrads Haskenau ist fertiggestellt. Foto: spe
  • Der 120 Meter hohe Betonturm des Windrads Haskenau ist fertiggestellt. Foto: spe

Was sich zum Stand des Projekts immerhin sagen ließ: Der 120 Meter hohe Betonmast des Windrades steht seit über zwei Monaten, Maschinenhaus und Flügel fehlen noch. Dass die Arbeiten im Januar eine Zeit lang ruhten, bestätigt Projektleiter Thomas Siepelmeyer auf Anfrage der Redaktion. Es habe Probleme beim Aufbau und witterungsbedingten Stillstand gegeben. Derzeit wird wieder gearbeitet.

VG entscheidet über zwei Klagen gegen die Baugenehmigung 

In Kürze ist mit einer Entscheidung des Verwaltungsgerichts über zwei Klagen gegen die Baugenehmigung zu rechnen. Wegen des schwebenden Verfahrens konnte sich der Verwaltungsmitarbeiter in der BV nicht zu Fragen der Lärmbelastung äußern. Weitere Anlagen seien in der Windvorrangzone Haskenau mangels Nachfrage kein Thema, hieß es; ausgeschlossen wäre ihre Genehmigung jedoch nicht.

„Gegenwind-Initiative“ sieht europäisches Naturschutzrecht missachtet

Unterdessen wurde aus den Reihen der „Gegenwind-Initiative“ ein Antrag auf ein „Vertragsverletzungsverfahrens“ an die EU-Kommission gerichtet: Mit dem Bau der Anlage werde europäisches Naturschutzrecht missachtet, meint Mitunterzeichner Dr. Michael Harengerd von der Biologischen Station Rieselfelder: „Diese Höhe ist für uns völlig neu.“ Zwar sei das Windrad knapp über zwei Kilometer von den Rieselfeldern entfernt, doch bedrohe es Vögel auf ihrem Flug zu den Emsauen: „Da gibt es einen regelrechten Pendelverkehr.“  

Zum Thema

Diskutieren Sie mit uns über das Windrad auf unserer Facebookseite .

...
230-Meter-Windrad an der Werse

An der Werse zwischen Handorf und Gelmer entsteht zurzeit Münsters größte Windenergie-Anlage, eine 230 Meter hohe „Enercon E-141“ mit einer Leistung von 4,2-Megawatt. 2016 hatte der Rat der Stadt Windvorrangzonen beschlossen, zu denen auch das Umfeld der historischen Wallburg Haskenau gehörte. Viele Anlieger und Naturschützer sprachen sich vehement gegen diesen politischen Kompromiss aus – der auch dem Windenergie-Proporz der Stadtbezirke Rechnung tragen sollte. Aus dem Umfeld einer Bürgerinitiative erfolgten mehrere Klagen gegen den im April 2017 von der Stadt erteilten „Immissionsschutzrecht­lichen Genehmigungsbescheid“ – ohne damit den Baubeginn im Sommer 2018 verhindern zu können. Mit einer Entscheidung des Verwaltungs­gerichts wird in Kürze ­gerechnet.

...
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6402362?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F
Punkteteilung gegen Uerdingen: Preußen bleiben im eigenen Rund ungeschlagen
Fußball: 3. Liga: Punkteteilung gegen Uerdingen: Preußen bleiben im eigenen Rund ungeschlagen
Nachrichten-Ticker