Verkehrsunfallstatistik 2018
"Ein schlechter Tag für Münster"

Münster -

Die Zahl der Unfälle ist in Münster im vergangenen Jahr gesunken – die der Verletzten aber gestiegen. Mehr Sicherheit für Radfahrer forderte deshalb Polizeipräsident Hajo Kuhlisch bei der Bekanntgabe der Verkehrsunfallstatistik 2018 am Mittwochmorgen.

Mittwoch, 27.02.2019, 11:20 Uhr aktualisiert: 27.02.2019, 19:25 Uhr
Vor allem Fahrradfahrer werden bei Verkehrsunfällen in Münster verletzt.
Vor allem Fahrradfahrer werden bei Verkehrsunfällen in Münster verletzt (Archivbild). Foto: Jürgen Peperhowe

Der Polizeipräsident spricht von einer „besorgniserregenden, erschreckenden Entwicklung“. 2018 sind bei Verkehrsunfällen im Stadtgebiet 1570 Menschen verletzt worden – so viele wie seit Jahren nicht mehr. Besonders betroffen: Radfahrer. Zudem verloren sechs Verkehrsteilnehmer ihr Leben.

„Das ist heute ein richtig schlechter Tag für Münster und den Verkehr“, stellte Hajo Kuhlisch am Mittwoch bei der Präsentation der Verkehrsunfallstatistik 2018 fest. Dass die Gesamtzahl der Verkehrsunfälle um 183 auf knapp 10 800 zurückging, war da nur ein schwacher Trost.

Um die Situation in den Griff zu bekommen, gebe es keine Knopfdruck-Lösung. „Wir brauchen ein Mosaik an Maßnahmen“, so Kuhlisch. Als wichtigen Schritt bezeichnete er die an mehreren Stellen umgesetzten Geschwindigkeits-Reduzierungen: „Tempo-30-Zonen sind super. Sie bringen mehr Sicherheit für alle.“ In Zukunft seien weitere Maßnahmen erforderlich.

Wir müssen Münster für Radfahrer sicherer machen.

Polizeipräsident Kuhlisch

„Die Stadt ist mit ihrer Zukunftsarena und dem Masterplan Mobilität auf dem richtigen Weg. Die damit verbundenen Einschränkungen müssen nicht jedem gefallen, aber ein Senken des allgemeinen Geschwindigkeitsniveaus oder das konsequente Bevorzugen schwächerer Verkehrsteilnehmer machen Sinn“, so Kuhlisch. Für gute, international bewährte Verkehrskonzepte fehle es indes in der schnell wachsenden Stadt Münster an Platz.

Der Polizeipräsident machte für die schlechten Zahlen vor allem Unachtsamkeit, Überforderung und Rücksichtslosigkeit verantwortlich. Dies gelte für Auto- und Radfahrer gleichermaßen. Eindringlich appellierte Kuhlisch an alle Verkehrsteilnehmer, „ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht“ walten zu lassen.

Umfrage: Wie sicher fühlen sich Münsteraner im Straßenverkehr?

Die Wahrscheinlichkeit, als Radfahrer in einen Unfall verwickelt zu werden, ist 2018 deutlich gestiegen, berichtete Polizeirat André Niewöhner . Gegenüber dem Vorjahr nahm die Zahl der verunglückten Radfahrer um 118 auf 863 zu – 156 wurden schwer und 705 leicht verletzt. Radfahrer waren an 910 Unfällen beteiligt. Die Dunkelziffer dürfe allerdings noch deutlich höher liegen, so Niewöhner. Die häufigsten Ursachen bei Radunfällen seien Fehler beim Abbiegen, Nichtbeachtung der Vorfahrt, mangelnder Abstand und Alkohol gewesen.

„Wir nehmen diese Zahlen ernst“, sagte Kuhlisch. Die Polizei werde noch stärker auf Prävention und Repression setzen. Dabei werde sie eng mit der Stadt und der Ordnungspartnerschaft Verkehrsunfallprävention zusammenarbeiten, so der Polizeipräsident. 

Zehn Brennpunkte

Besonders viele Unfälle unter Beteiligung von Radfahrern ereigneten sich 2018 an Wolbecker Straße, Warendorfer Straße, Hammer Straße, Kanal-, Hafen- und Friedrich-Ebert-Straße, Albersloher Weg, Grevener Straße und Promenade. Die Polizei wird an diesen Brennpunkten verstärkt nadelstichartig Kon­trollen durchführen, so der Polizeipräsident. 

Zahl der Pedelecs-Nutzer nimmt zu

Immer mehr Radfahrer nutzen für ihre Fahrten Pedelecs, entsprechend nehmen auch die Unfälle zu. Die Zahl der Verkehrsunfälle, in die Pedelecs verwickelt waren, hat sich im vergangenen Jahr nahezu verdoppelt, lag mit 77 allerdings auf relativ niedrigem Niveau. Zugleich nahm die Zahl der verletzten Pedelec-Radfahrer gegenüber 2018 zu – von 37 auf 74. Gerade für ältere Radfahrer seien Elektrofahrräder nicht nur eine Hilfe, sondern auch eine Herausforderung, so der Leitende Polizeidirektor Rudi Koriath.

Verkehrsstatistik_2019

Weniger Unfälle mit Pkw

Während die Anzahl der Verletzten bei Unfällen unter Beteiligung von Pkw-Nutzern auf 395 (-31) gesunken ist, stieg die Anzahl der verletzten jungen Erwachsenen (18 bis 24 Jahre) auf 285 (+32) und die der verunglückten Senioren auf 222 (+26). „Bei nahezu gleichen Unfallzahlen zur Nutzung von Kraftfahrzeugen ist die Zunahme der Verunglückten in den beiden Altersgruppen klar auf die gestiegenen Radfahrerunfälle zurückzuführen“, begründete der Polizeirat.

„Nur die Beteiligung von Kindern an Verkehrsunfällen begegnet diesem Trend mit einer positiven Entwicklung.“ Die Zahl der bei Verkehrsunfällen verletzten Kindern ist seit Jahren rückläufig und liegt mit 92 (-9) verunglückten Kindern erstmalig unter 100.

Polizei warnt vor alkoholisiertem Radfahren

Zwischen Weiberfastnacht und Aschermittwoch wird es verstärkt Kontrollen auf den münsterischen Straßen geben, so Polizeirat André Niewöhner. Er appellierte an alle Verkehrsteilnehmer, mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder Taxi nach Hause zu fahren, wenn sie Alkohol getrunken haben. Im vergangenen Jahr habe es an den tollen Tagen 60 Fahrradunfälle geben – bei mehr als der Hälfte habe es sich um einen Alleinunfall gehandelt.

Die gesamte Bilanz ist auf der Homepage der Polizei Münster abrufbar.

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