„Müllsammler-Prozess“
Zeugen mit Erinnerungslücken

Münster -

Zweiter Verhandlungstag im sogenannten Müllsammler-Prozess: Vor dem Landgericht waren drei Polizisten im Zeugenstand. In Teilen wiesen sie erhebliche Erinnerungslücken auf.

Mittwoch, 27.02.2019, 17:30 Uhr aktualisiert: 27.02.2019, 18:36 Uhr
 
  Foto: dpa

In dem Prozess gegen den Mann, der in seinem Garten große Mengen von Gegenständen gelagert hatte und seine Nachbarn mit dem Tod bedroht haben soll, sagten am Mittwoch drei Polizisten vor dem Landgericht als Zeugen aus.

Die Beamten hatten nach eigener Aussage in den vergangenen Jahren häufiger dienstlich mit dem Angeklagten zu tun. Das Gericht versuchte sich am zweiten Verhandlungstag durch die Schilderungen der Polizisten ein Bild von dem 55-jährigen Münsteraner zu machen, der derzeit in einer geschlossenen psychiatrischen Einrichtung unterbracht ist.

Angeklagter sei eine "Seemine"

Die Polizisten beschrieben dem Richter, wie der Angeklagte, dem ein Gutachter in einem vorangegangenen Prozess vor dem Amtsgericht eine schwere Persönlichkeitsstörung bescheinigt hatte, sie bei Aufeinandertreffen in den vergangenen Jahren mehrfach beleidigt habe. Ein Zeuge beschrieb ihn als „Seemine“, die in allen Richtungen Zünder habe. Andererseits sei der 55-Jährige nicht immer aggressiv aufgetreten und als belesener Mann mit Rechtskenntnis aufgefallen.

In den Mittelpunkt der Zeugenvernehmung, bei der der Angeklagte laufend mitschrieb und ruhig zuhörte, rückte die Festnahme des Beschuldigten, der Tag, an dem dessen Grundstück ein zweites Mal geräumt wurde. Am 13. Juli 2017 soll der Angeklagte deshalb ins Revier am Friesenring gekommen sein, um Anzeige zu erstatten. Bei der Gelegenheit nahmen die Polizisten ihn in Gewahrsam.

Richter zeigt kein Verständnis

Fraglich bleibt, ob dazu die Rechtsgrundlage bestand. Zwei Zeugen wiesen diesen Tag betreffend erhebliche Erinnerungslücken auf. Für den „Gedächtnisverlust“ der Beamten hatte der Vorsitzende Richter „überhaupt kein Verständnis“. Die Darstellungen der Zeugen widersprachen sich zum Teil. 

Der Prozess, in dem es darum geht, ob der Angeklagte in einer psychiatrischen Klinik dauerhaft zwangsweise untergebracht werden kann, wird am 13. März fortgesetzt.

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