Münsterischer Verleger Wolfgang Hölker
Audienz im Privatgemach von Lagerfeld

Münster -

Der münsterische Verleger Wolfgang Hölker brachte Anfang der 1990er-Jahre mit Karl Lagerfeld ein Buch heraus. Im Gespräch mit unserer Zeitung erinnert er sich an die Zusammenarbeit mit dem kürzlich verstorbenen Modezar.

Samstag, 02.03.2019, 11:00 Uhr
Wolfgang Hölker blättert in dem Märchenbuch, das er 1992 mit Karl Lagerfeld herausgegeben hat. Der Modezar steuerte die Zeichnungen bei.
Wolfgang Hölker blättert in dem Märchenbuch, das er 1992 mit Karl Lagerfeld herausgegeben hat. Der Modezar steuerte die Zeichnungen bei. Foto: kal

Der münsterische Verleger Wolfgang Hölker erinnert sich noch bis ins Detail an sein erstes Treffen mit dem kürzlich verstorbenen Modezar Karl Lagerfeld – dabei liegt es schon 29 Jahre zurück. „Er empfing mich in seinem Haus an der Rue de l‘Université, nicht weit vom legendären Café de Flore. Auf dem Tisch brannten Kerzen, alles wirkte wie für mich inszeniert.“

Dass Hölker 1990 mit Lagerfeld an einem Tisch saß, hatte er einer gemeinsamen Bekannten zu verdanken, „einer Adeligen aus dem Münsterland“, wie der Verleger erzählt. Nachdem sie Lagerfeld ein Buch aus Hölkers Coppenrath-Verlag geschenkt hatte, habe der Modeschöpfer gesagt: „Ich möchte denjenigen, der das Buch gemacht hat, kennenlernen.“

Münsterischer Verleger Hölker arbeitete mit Karl Lagerfeld zusammen

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  • Diese Originalskizze für das Buch hängt in Hölkers Feuerwache im Hafen.

    Foto: kal
  • Dieses von Lagerfeld geschaffene Portrait sollte das Frontispiz des Buches zieren. Das wurde jedoch später verworfen. Hölker besitzt die Skizze bis heute.

    Foto: kal
  • Wolfgang Hölker (r.) 1992 mit Karl Lagerfeld.

    Foto: Wolfgang Hölker / Coppenrath Verla
  • Diese Skizze hat Lagerfeld für Wolfgang Hölker signiert - bei der Buchmesse 1992.

    Foto: kal
  • Wolfgang Hölker mit dem längst vergriffenen Buch „Des Kaisers neue Kleider“, zu dem Lagerfeld die Zeichnungen beisteuerte.

    Foto: kal

Ein Mode-Märchen

Einige Wochen später saßen Hölker und Lagerfeld dann mit der gemeinsamen Freundin zusammen. „Ich hatte großen Respekt vor ihm“, erinnert sich der Münsteraner. Die Gespräche seien um Mode, Kunst und Bücher gekreist, schließlich wurden sich beide einig, gemeinsam ein Buch herauszubringen, genauer: ein Märchenbuch.

Hans Christian Andersens „Des Kaisers neue Kleider“, Lagerfelds Lieblingsmärchen. Mehr als 40 Zeichnungen steuerte der Modeschöpfer bei – in einem Zeitraum von zwei Jahren, schließlich musste er zwischendurch ja auch noch Mode entwerfen. 1992 kam das Buch auf den Markt. „Für jeden meiner Mitarbeiter signierte er ein Exemplar“, erinnert sich Hölker.

Skizzen und Entwürfe

Lagerfeld sei sehr detailverliebt gewesen, habe sich immer wieder nach Papierqualität und Intensität der Farben erkundigt. Wiederholt habe ihm Lagerfeld Skizzen vorgelegt, über die Entwürfe diskutiert, Ideen verworfen oder abgesegnet.

Hölker hat diese Skizzen noch, sie belegen eindrucksvoll den Schaffensprozess eines genialen Kreativen. Und auch zwei der Originalzeichnungen für das Buch besitzt Hölker – eine befindet sich in einem pompösen Goldrahmen, die andere – ein kleines, schwarz-weißes Porträt – hängt eher unscheinbar an der Wand.

„Lagerfeld erzählte immer wieder von Münster, hatte viele positive Erinnerungen“, berichtet Hölker. Kein Wunder, Lagerfelds Mutter Elisabeth Bahlmann wurde hier geboren.

Stilles Einverständnis

Hölker und Lagerfeld blieben in Kontakt, auch wenn es kein weiteres gemeinsames Buchprojekt gab. Der Verleger erinnert sich an ein Essen im Hamburger Hotel „Vier Jahreszeiten“ in den 1990er-Jahren, „Lagerfeld bestellte Nürnberger Bratwürstchen und war unter vier Augen viel unprätentiöser als auf der großen Bühne“. Vor drei Jahren gelang es Hölker, mit seiner Frau Siggi Spiegelburg bei einer Chanel-Show in Paris in der ersten Reihe zu sitzen. „Lagerfeld grüßte uns, wir wechselten ein paar Worte.“

Freunde, sagt Hölker, seien Lagerfeld und er nicht gewesen – beide nannten sich zwar beim Vornamen, blieben jedoch beim „Sie“. Es habe allerdings immer ein stilles Einverständnis zwischen ihnen geherrscht: „Beiden war bewusst, dass der jeweils andere von dem, was er macht, Ahnung hat.“

Erinnerungen an den Modezar

Es gab auch Enttäuschungen: Hölker hatte eine Ausstellung mit den Zeichnungen des Buches auf dem Bonner Petersberg inszeniert – doch der Modezar kam nicht zur Eröffnung. Dann wiederum gratulierte Lagerfeld mit einer Zeichnung zur Geburt von Hölkers Tochter.

Und da gibt es noch diese Anekdote: „Während unseres ersten Treffens wartete eine bekannte deutsche Journalistin drei Stunden darauf, mit ihm sprechen zu dürfen. Doch er zog es vor, mit mir über das Buchprojekt zu sprechen.“ Lagerfeld, sagt Hölker, wusste immer ganz genau, was er wollte. Und was er nicht wollte.

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