"Bürgerkrieg light"
Empörung über AfD-Chats

Düsseldorf/Münster - Der Richtungs- und Personalstreit innerhalb der AfD in NRW verschärft sich. Auslöser sind radikale und die Nazi-Verbrechen verharmlosende WhatsApp-Äußerungen von lokalen Politikern, auch der Chef des AfD-Bezirks Münster steht in der Kritik.

Montag, 04.03.2019, 12:47 Uhr aktualisiert: 04.03.2019, 18:50 Uhr
"Bürgerkrieg light": Empörung über AfD-Chats
Steffen Christ bei der Veranstaltung der Alternative für Deutschland (AfD) am 13. April 2018 in der Stadthalle Ahlen. Foto: Gunnar A. Pier

Ein Kreisvorsitzender aus dem Rheinland soll laut Recherchen des WDR-Magazins Westpol eine Hasenfigur mit Hitler-Gesicht und der Aufschrift „Frohe Ostern Kameraden“ versendet haben, ein anderer erklärte in einer Gruppe „Integrativ-Konservativ“ wörtlich, man müsse sich „für das Dritte Reich nicht schämen.“

Hintergrund sind die Bestrebungen der Gruppe „Der Flügel“ um den thüringischen Landesvorsitzenden Björn Höcke , seine Macht in der AfD-NRW zu festigen. Höcke verfügt über Kontakte zu rechtsextremen Kreisen wie der Identitären Bewegung, die verdeckt an einem Staatsputsch arbeiten. Der AfD-Bezirkschef Münster, Steffen Christ (Recklinghausen), scheint diese Idee zu unterstützen. Wörtlich hat er unter anderem geschrieben: „Ohne einen Bürgerkrieg light wie bei Erdogan wird's nicht laufen“.

Vonseiten des AfD-Kreisverbandes Münster wird jetzt auf ein hartes Vorgehen gegen Christ gedrängt: „Christ muss aus der Partei raus“, fordert der münsterische AfD-Vorsitzende Martin Schiller. Seine Äußerungen seien allen bürgerlichen und konservativen Kräften in der Partei zuwider. In der Partei „koche gerade die Hütte.“  

AfD verliert deutlich an Stimmen

Die AfD hatte zuletzt zumindest im Westen deutlich an Stimmen verloren, Umfragen in NRW sehen sie bei acht Prozent. Zuletzt hatte es beim Neujahrsempfang der der Partei in Münster erhebliche, aber friedliche Proteste gegen den Auftritt des Vorsitzenden Meuthen gegeben. Dabei waren 8000 Demonstranten in die Innenstadt gekommen. 

 

Protest gegen AfD-Empfang in Münster

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  • Münster protestiert gegen den Neujahrsempfang der AfD im Rathaus.

    Foto: Oliver Werner
  • Am Freitagnachmittag versammeln sich am Hauptbahnhof in Münster die ersten Demonstranten.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Die Polizei ist mit einem Großaufgebot vor Ort.

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  • Demonstranten zeigen am Hauptbahnhof die ersten Plakate.

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  • Der Bahnhofsvorplatz ist am Nachmittag schon gut gefüllt.

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  • „Ein Licht für die AfD“ – eine Anspielung auf die ausgeschaltete Beleuchtung am Prinzipalmarkt beim letzten Neujahrsempfang der AfD in Münster vor zwei Jahren.

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  • Auch am Servatiiplatz findet eine Kundgebung statt

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  • Sie steht unter dem Motto „United against Rechtsruck“.

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  • Die Polizei stellt am Syndikatplatz Sperren auf.

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  • Zum Rathaus-Innenhof wird es für Demonstranten keinen Zugang geben.

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  • Friedenslichter werden in der Kirche St. Lamberti entzündet.

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  • Friedensgebet in der St. Lamberti-Kirche

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  • Die Kirchenbänke sind gut gefüllt.

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  • Hunderte Friedenslichter brennen.

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  • Carsten Peters vom Bündnis „Keinen Meter den Nazis“ spricht auf dem Prinzipalmarkt.

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  • Großkundgebung des Bündnisses "Keinen Meter den Nazis" auf dem Prinzipalmarkt.

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  • Demonstranten auf dem Prinzipalmarkt.

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  • Das Bündnis "Keinen Meter den Nazis" demonstriert auf dem Prinzipalmarkt.

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  • Großkundgebung des Bündnisses "Keinen Meter den Nazis" auf dem Prinzipalmarkt.

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  • Die Demonstranten haben kreative Plakate dabei.

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  • Zahlreiche Demonstranten haben sich bereits bei der Hauptkundgebung auf dem Prinzipalmarkt eingefunden.

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  • Großkundgebung des Bündnisses "Keinen Meter den Nazis" auf dem Prinzipalmarkt

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  • Carsten Peters vom Bündnis „Keinen Meter den Nazis“ auf dem Prinzipalmarkt.

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  • Die Demonstranten finden: Münster ist bunt!

    Foto: Matthias Ahlke
  • Demonstranten ziehen vom Hauptbahnhof zur Stubengasse

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  • Die Demonstrationen sorgen für Verkehrsbehinderungen.

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  • Ein Wagen mit Musikanlage begleitet die Demonstration.

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  • Die Tanz-Demo „Raven gegen Rechtsruck“ führt zur Stubengasse.

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  • Die Demonstranten haben sichtlich Spaß.

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  • Hunderte Menschen haben sich dem Protest angeschlossen.

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  • Die Polizei beaufsichtigt den Zug.

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  • Die Polizei bittet um Verständnis für Sperrungen.

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  • Die Tanzdemo ist auf dem Stubengassenplatz angekommen.

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  • Auf dem Prinzipalmarkt ist die Kundgebung in vollem Gange.

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  • Die Demonstranten sammeln sich au dem Prinzipalmarkt.

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  • Sie schwenken Fahnen und Luftballons.

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  • Blick auf die Bühne auf dem Prinzipalmarkt.

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  • Carsten Peters vom Bündnis „Keinen Meter den Nazis“ glaubt, dass diesmal noch mehr Menschen da sind als 2017.

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  • Im Rathaus startet die Pressekonferenz der AfD.

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  • AfD-Bundessprecher Jörg Meuthen (2.v.r.) sagte im Rathaus, die Stimmung sei insgesamt gereizter geworden. Viele Demonstranten untenliegen laut Meuthen einem Missverständnis über die AfD.

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  • Polizeikräfte schreiten gegen Demonstranten an der Stubengasse in Höhe Kaufhof ein.

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  • Großkundgebung mit Live-Musik auf dem Prinzipalmarkt.

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  • Die Demonstranten beweisen Kreativität bei der Gestaltung ihrer Plakate.

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  • Großkundgebung mit Live-Musik auf dem Prinzipalmarkt.

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  • Die Polizei hält die Demonstranten in dem Durchgang vom Dom zum Rathaus, dem Michaelisplatz, zurück.

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  • Klaviermusik im Rathausfestsaal: In zehn Minuten soll AfD-Bundessprecher Jörg Meuthen reden.

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  • Jörg Meuthen beklagt den Umgang mit seiner Partei.

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  • Am 22. Februar demonstrieren in Münster Tausende gegen einen Rechtsruck Foto: Matthias Ahlke
  • Am 22. Februar demonstrieren in Münster Tausende gegen einen Rechtsruck Foto: Matthias Ahlke
  • Die Stimmung ist stellenweise aufgeheizt: Bei Kaufhof beispielsweise liefern sich rund 100 Demonstranten Schubsereien mit der Polizei.

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  • Am 22. Februar demonstrieren in Münster Tausende gegen einen Rechtsruck Foto: Matthias Ahlke
  • Auf dem Prinzipalmarkt wird Live-Musik gespielt.

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  • Die Musik von der Demonstration ist deutlich im Rathausfestsaal zu hören.

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  • Am 22. Februar demonstrieren in Münster Tausende gegen einen Rechtsruck Foto: Matthias Ahlke
  • Am 22. Februar demonstrieren in Münster Tausende gegen einen Rechtsruck Foto: Matthias Ahlke
  • Im Rathausfestsaal geht der AfD-Neujahrsempfang los.

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  • Am 22. Februar demonstrieren in Münster Tausende gegen einen Rechtsruck Foto: Oliver Werner
  • Ausgelassene Stimmung auf dem Prinzipalmarkt: Die Band Mr. Irish Bastard spielt, die Demonstranten tanzen und klatschen

    Foto: Matthias Ahlke
  • Am 22. Februar demonstrieren in Münster Tausende gegen einen Rechtsruck Foto: Matthias Ahlke

 

Ein Kommentar zum Thema

Die Rituale sind immer die Gleichen: AfD-Funktionäre aller Ebenen fallen mit politisch-historische Äußerungen auf, die entweder Minderheiten verunglimpfen, Nazi-Verbrechen verharmlosen oder mehr oder minder offen zum Kampf gegen die freiheitlich demokratische Grundordnung aufrufen. Auf die Empörung folgt die Distanzierung, verbunden mit einer augenzwinkernden Geste an die Anhängerschaft, das alles doch nicht so gemeint zu haben. Und ein Fünkchen Wahrheit sei ja wohl dran . . .

Auch die Reaktion der AfD-Spitze läuft stets nach dem gleichen Muster ohne Wert ab: Auf die Feststellung, dass diese Leute der Partei schadeten und ausgeschlossen gehörten, folgt – nichts. Dafür gibt es zwei Erklärungen: Entweder die gemäßigten Kräfte haben den Kampf gegen die rechtsextremen Flügel-Kämpfer um Höcke verloren. Dann sollten sie dies offen eingestehen.

Oder die Parteiführung hat sich auf eine Arbeitsteilung verständigt: Hier die Konservativen, die im enttäuschten bürgerlichen Wähler-Klientel fischen wollen. Und dort die nationalistisch-völkischen Hetzer, die die Weltsicht der Pegida-Schreihälse teilen und diese in Stimmen vor allem im Osten umwandeln wollen. (Von Frank Polke)

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