Klarastift: Einigung mit Ex-Chef
Vergleich statt Rechtsstreit

Münster -

Verständigung statt fristloser Kündigung: Nach dem Zerwürfnis der Stadt Münster mit dem früheren Klarastift-Geschäftsführer haben sich die Parteien jetzt auf eine fristgerechte Kündigung verständigt – inklusive Abfindung.

Mittwoch, 06.03.2019, 07:00 Uhr
Das Klarastift, die städtische Altenhilfe-Einrichtung im Ostviertel Münsters
Das Klarastift, die städtische Altenhilfe-Einrichtung im Ostviertel Münsters Foto: Matthias Ahlke

Dass die Stadt Münster und der frühere Klarstift-Geschäftsführer Dr. Michael Lucas getrennte Wege gehen, war schon mit der außerordentlichen fristlosen Kündigung Ende vergangenen Jahres klar. Der städtischen Altenhilfeeinrichtung, die in finanzielle Schieflage geraten war, sollte so ein personeller Neuanfang ermöglicht werden.

Jetzt hat sich die Stadt Münster mit dem ehemaligen Geschäftsführer der Klarastift-Gesellschaften auf einen Vergleich geeinigt, wie unsere Zeitung erfahren hat. Dieser sieht vor, dass die außerordentliche fristlose Kündigung in eine ordentliche fristgerechte Kündigung bei Gehaltsfortzahlung bis zum 30. Juni umgewandelt wird.

Gehaltsfortzahlung und Abfindung

Außerdem zahlt die Stadt eine Abfindung in Relation zu den geleisteten Dienstjahren. Alles in allem ist hinter vorgehaltener Hand von einem finanziellen Paket in Höhe von bis zu 250 000 Euro die Rede.

„Die Vorwürfe für die Kündigung waren nicht grundlos“, sagt ein Kenner der Materie. Doch ein sich abzeichnender Rechtsstreit – Lucas hatte zwischenzeitlich Klage erhoben – hätte womöglich ebenfalls in einem Vergleich münden können. Dann, so die Einschätzung auf städtischer Seite, hätte womöglich eine deutlich höhere Summe fällig werden können – von bis zu einer Million Euro ist die Rede.

Vergleich statt Rechtsstreit 

Schließlich besaß der Klarastift-Geschäftsführer einen unbefristeten Vertrag, was bei anderen städtischen Gesellschaften im Übrigen nicht so gehandhabt wird. Aus Gründen der Risikoabwägung habe man sich deshalb auf eine Einigung mit dem freigestellten Geschäftsführer verständigt, dem die schwierige Situation beim Klarastift angelastet wird.

Für Außenstehende sei es gewiss nicht leicht zu verstehen, dass derjenige, den man für die verfahrene Lage verantwortlich mache, jetzt noch mit einem goldenen Handschlag verabschiedet werde, räumte ein Insider gleichwohl ein.

Doch aus Sicht der Stadt, respektive der städtischen Stiftung Magdalenenhospital als Klarastift-Gesellschafterin, überwiegen die Vorteile der jetzt offenbar gefundenen Lösung: „Mit dem Vergleich wird die Durchführung eines Rechtsstreits mit vermutlich hoher öffentlicher Aufmerksamkeit vermieden“, heißt es in einer entsprechenden Ratsvorlage, die in nicht öffentlicher Sitzung unlängst Zustimmung fand.

Belegungsstopp wird aufgehoben

Auch weil die Einrichtung nach der Rücknahme des verhängten Belegungsstopps zum 1. Januar 2019 nun „ihre zukunftsorientierte Neustrukturierung unbelastet stabilisieren und weiter ausbauen“ könne.

Lucas war vorgeworfen worden, Probleme und Personalmangel in der Pflege nicht gelöst zu haben. Diese Mängel hatten zu dem besagten Aufnahmestopp geführt, der weitere finanzielle Einbußen nach sich zog. Zugleich habe sich unter Lucas rund um das Altenstift eine verschachtelte Struktur mit weiteren Firmen gebildet. Das alles soll nun neu und transparent geordnet werden, wie aus Aufsichtsratskreisen zu hören ist.

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