Ende der Kaffeehauskultur
Jetzt schließt auch Café Grotemeyer

Münster -

Jetzt schließt auch Café Grotemeyer auf der Salzstraße. 169 Jahre besteht der Familienbetrieb, den Dr. Gabriele Kahlert-Dunkel in fünfter Generation betreibt. Aus Altersgründen möchte sich die 68-Jährige zurückziehen.

Dienstag, 05.03.2019, 20:00 Uhr
Stückchenweise wie bei einer Torte verschwindet Münsters Kaffeehaus-Tradition: Das Café Kleimann (links), das Café Schucan (rechts) und das Café Müller (rechts oben die Theke, die im Stadtmuseum wiederaufgebaut ist) wurden teilweise schon vor vielen Jahren geschlossen. Ende März hört nun Familie Grotemeyer auf.
Stückchenweise wie bei einer Torte verschwindet Münsters Kaffeehaus-Tradition: Das Café Kleimann (links), das Café Schucan (rechts) und das Café Müller (rechts oben die Theke, die im Stadtmuseum wiederaufgebaut ist) wurden teilweise schon vor vielen Jahren geschlossen. Ende März hört nun Familie Grotemeyer auf. Foto: ohw/Haunfelder (1)/Stadt Münster (1)

Erst das Café Schucan am Prinzipalmarkt, dann das Café Müller am Marienplatz, später das Café Kleimann am Drubbel, und jetzt das Café Grotemeyer an der Salzstraße: Die Kaffeehauskultur in der münsterischen Innenstadt hat sich radikal verändert. Am 23. März schließt mit Café Grotemeyer eines der letzten traditionellen Cafés seine Türen. Familie Grotemeyer war es beispielsweise, die im Jahr 1970 mit Annelie Kahlert als Inhaberin das erste Straßencafé in Münster eröffnete. „Damals eine Revolution“, erinnert sich Inhaberin Dr. Gabriele Kahlert-Dunkel .

Viele Gründe spielten eine Rolle für die Aufgabe des Cafés. Der Familienrat habe ihr zugesetzt, so Kahlert-Dunkel, die „gerne noch ein paar Jahre weitergemacht hätte“, aber die auch rechtzeitig den Absprung schaffen wollte.

Gute Gründe für das Aus

In erster Linie seien es ihr Alter und die offene Nachfolgeregelung gewesen, betont die 68-Jährige, die zu diesem Entschluss führten – nicht der Umzug vor fünf Jahren in die erste Etage. „Damit haben sich unsere Gäste längst versöhnt“, sagt die 68-jährige Kaffeehausbetreiberin, die sich nach eigenen Angaben freut, dass das Café so gut läuft.

„Abgesehen vom heißen Sommer im letzten Jahr gibt es keinen Grund, das Café zu schließen“, sagt Kahlert-Dunkel. Sie habe sich darum auch viele Gedanken über die Zukunft des Familienbetriebes gemacht, vor allem seit dem Tod ihres Bruders Reinolf Kahlert im Jahr 2015.

Café Grotemeyer schließt

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  • Bereits vor fünf Jahren zog sich Café Grotemeyer in die erste Etage zurück.

    Foto: Oliver Werner/Matthias Ahlke / gh
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  • Die Marzipanfiguren aus dem Haus Grotemeyer sind zu Klassikern geworden.

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  • Besonders „geschminkt“ werden die Früchte aus Marzipan.

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  • Foto: Kahlert
  • Ob Bananen oder Kirschen – die Marzipanfrüchte sehen täuschend echt aus.

    Foto: Oliver Werner
  • Die Firmengründer des Cafés haben ihren Platz im Treppenhaus zur ersten Etage erhalten.

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  • Foto: Matthias Ahlke
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  • Auch die Erdbeeren gehören zum Stammsortiment.

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  • Die Auslage des Cafés im Erdgeschoss zeigt die Vielfalt von Marzipan und Pralinen.

    Foto: Oliver Werner
  • Foto: Matthias Ahlke
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  • Dr. Gabriele Kahlert-Dunkel fühlt sich der Tradition verpflichtet.

    Foto: Oliver Werner
  • Bilder von Fritz Grotemeyer schmücken die Wände des Cafés, das deutlich verkleinert wurde.

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  • Der rote Aufgang ist ein Hingucker im neuen Café, das seit einigen Jahren mit Blick auf den Erbdrostenhof betrieben wird.

    Foto: Oliver Werner
  • Das Sendbild von Fritz Grotemeyer ist eines der Lieblingsbilder von Dr. Gabriele Kahlert-Dunkel.

    Foto: Oliver Werner
  • Kleine süßen Grüße aus Münster sind im Sortiment.

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  • Gravur "seit 1850"

    Foto: Oliver Werner
  • Glücksbringer aus dem Haus Grotemeyer

    Foto: Oliver Werner
  • Foto: gh

Gabriele Kahlert-Dunkel ist die fünfte Grotemeyer-Generation, die das münsterische Café betreibt, das seit 169 Jahren besteht. Eine sechste Generation steht nicht bereit, ihre drei Kinder gehen eigene berufliche Wege.

Entscheidung gefallen

Als das Restaurant „Hans im Glück“, seit 2013 Mieter im Erdgeschoss, bei ihr nachgefragt habe, ob sie auch die obere Etage mieten könne, fiel die Entscheidung.

Gegründet wurde das Café Grotemeyer im Jahr 1850, als auch Schucan eröffnet wurde. Im Jahr 1912 zog Grotemeyer von der Aegidiistraße zur Salzstraße um. Ihre Mutter Annelie Kahlert habe den Wechsel der Geschäftsführung auf ihre Kinder zu ihrem 80. Geburtstag offiziell verkündet.

Gabriele Kahlert-Dunkel, die beruflich als Psychologin am Universitätsklinikum tätig war, stieg bereits 1986 in den Familienbetrieb ein, in dem sie aufgewachsen ist. „Als Kind habe ich schon angefangen, Löffelchen abzutrocknen“, erinnert sie sich. Gabeln waren für das kleine Mädchen damals tabu. Dieses Verbot der Mutter weckte ihren Ehrgeiz. Als Studentin half Gabriele Kahlert-Dunkel im Café mit und sprang auch in der Backstube ein, wenn kurzfristig Torten herzustellen waren. Neben den Torten sind auch Grotemeyers Pralinenvielfalt und die Marzipanfiguren bekannt.

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