Weltfrauentag
„Von Feminismus profitieren alle“

Münster -

Marisa Uphoff ist die Moderatorin von „Riot Rrradio“, einem Bürgerfunk über Feminismus. Die 24-jährige Kulturpoetik-Studentin im Interview über den Weltfrauentag, das Streiken und den Neid der Männer.

Freitag, 08.03.2019, 09:10 Uhr aktualisiert: 08.03.2019, 10:09 Uhr
Weltfrauentag: „Von Feminismus profitieren alle“
Zum Internationalen Frauentag protestieren tausende Frauen weltweit für ihre Rechte. Foto: dpa: Ben Rushton

Der achte März ist der Weltfrauentag. Sollte dieser bundesweit als gesetzlicher Feiertag anerkannt werden?

Marisa Uphoff : Das ist ja durchaus ein Tag, den man feiern darf. Zudem handelt es sich mal um einen Feiertag, der nicht an eine Religion angebunden ist, sondern an dem man die Erfolge einer gesellschaftlichen Bewegung feiert und einander dazu ermutigt weiter zu machen. In anderen Ländern ist der achte März auch schon ein Feiertag.

Außerdem würde ein gesetzlicher Feiertag das Streiken an dem Tag erleichtern. Da es keine einheitliche Regulierung für das nicht-gewerkschaftliche Streiken an Arbeitstagen gibt. 

Wozu braucht es heute überhaupt noch einen Frauentag?

Uphoff: Ein solcher Tag macht auf zwei Dinge aufmerksam: Erstens auf das, was bis hierhin bereits erreicht wurde. Zweitens darauf, dass wir noch nicht da sind, wo wir hinkommen können. Es gibt noch viele Aspekte, in denen die Geschlechter nicht gleichberechtigt behandelt werden: Gender Pay Gap, Sexismus am Arbeitsplatz, Einstellungsvoraussetzungen sind nur einige Beispiele.

Weltfrauentag als Feiertag in Berlin: Was halten Münsteraner*innen davon?

Oft hört man den Aufruf: Wenn es einen Frauentag gibt, muss es auch einen Männertag geben. Wie stehst du dazu?

Uphoff: Ich habe das Gefühl, dass das immer aus einer bestimmten Ecke kommt. Das sind ganz oft Cis-Männer, die nicht verstehen, worum es an diesem Tag gehen soll und scheinbar die Angst haben, dass ihnen da etwas weggenommen wird. Das Einzige, was da wirklich hilft, ist darüber zu sprechen und die Beweggründe für eine solche Reaktion zu erfahren.

Marisa Uphoff

Marisa Uphoff Foto: Melanie Ploch

Du moderierst die feministische Radiosendung „Riot Rrradio“. Worum geht es in der Sendung?

Uphoff: „Riot Rrradio“ wurde 2014 von Lea Rabe in Zusammenarbeit mit dem autonomen Frauen*referat gegründet, um über das Uni-Leben in Münster zu berichten und zeitgleich einen feministischen Auftrag zu erfüllen. Ich selber bin seit 2016 dabei.

Wir besprechen Themen aus den Bereichen Kultur, Politik und Feminismus und versuchen, das Ganze dann an das Campusleben anzubinden. Wir wollen einen Überblick darüber zu verschaffen, was in der feministischen Szene - vor allem in Münster - so los ist.

Was macht die feministische Szene in Münster für dich aus?

Uphoff: Mein Gefühl ist, dass es hier einen Mix aus politischem Akitivismus, Alltags-Feminismus und wissenschaftlicher Theorie gibt. Außerdem fällt mir auf, dass immer mehr Menschen zusammen kommen und zu feministischen und queeren Themen arbeiten. Es sind viele wichtige Projekte hinzugekommen, wie das Frauen*kollektiv, das Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung und die Projektstelle Muslima Empowerment. Zu sehen, was diese Menschen auf die Beine stellen, finde ich inspirierend. 

Wie sind die Reaktionen auf „Riot Rrradio“? Habt ihr bereits negative Erfahrungen gemacht?

Uphoff: Kaum. Wenn wir mal für eine Umfrage auf die Straße gehen, kommt es schon vor, dass die Leute nichts über Feminismus wissen oder auch nichts dazu wissen wollen. Aber negative Reaktionen auf die Sendung haben wir bis jetzt noch nicht erhalten.

Was ist deine persönliche Definition von Feminismus?

Uphoff: Für mich ist Feminismus auch immer intersektional: Ich finde, Feminismus ist die Forderung danach, dass alle Menschen unabhängig von Geschlecht, Genderidentität, Sexualität, Religion, Hautfarbe, Herkunft gleichberechtigt sind, die gleichen Rechte haben und dementsprechend auch die gleichen Rechte ausleben dürfen. Das schließt natürlich auch Männer ein.

Davon profitieren alle. Eine gleichberechtigte Gesellschaft ist auch eine produktivere Gesellschaft.

Klar, wir sprechen über Frauenrechte; im Grunde geht es uns doch darum, dass es allen gut geht.

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