Wohin mit den Lkw?
Parkplätze ja – aber bitte nicht hier

Münster -

Jeder will sie, aber nicht vor der eigenen Haustür: Für die Autobahnraststätten Münsterland-Ost und -West an der A 1 möchte Straßen NRW insgesamt rund 100 zusätzliche Lkw-Parkplätze bauen. Die Stadt hat das abgelehnt. Ein Konflikt mit Sprengkraft...

Freitag, 08.03.2019, 07:00 Uhr
An der Raststätte Münsterland West und Münsterland-Ost (vorne) will der Landesbetrieb Straßen NRW insgesamt weitere 100 LKW-Stellplätze bauen, doch es tun sich Widerstände auf.
An der Raststätte Münsterland West und Münsterland-Ost (vorne) will der Landesbetrieb Straßen NRW insgesamt weitere 100 LKW-Stellplätze bauen, doch es tun sich Widerstände auf. Foto: Cengiz Sentürk

„Ja, wir erleben den Widerstand überall in der Republik, aber in Münster ist er noch etwas ausgeprägter.“ Christian Müller , Abteilungsleiter beim Landesbetrieb Straßen NRW, hat einen Job, um den ihn vermutlich niemand beneidet. Er ist verantwortlich für die Planung großer Lkw-Parkplätze entlang der Autobahnen in der Region.

Für die Autobahnraststätten Münsterland-Ost und -West an der A 1, wo Straßen NRW insgesamt rund 100 zusätzliche Lkw-Parkplätze bauen möchte, steht das Urteil der Stadt Münster bereits fest: abgelehnt. Ein entsprechender, für den 3. April geplanter Ratsbeschluss gilt als sicher, da ihn alle Ratsfraktionen unterstützen.

Langjährige Kontroverse

Müller möchte sich zu dieser Stellungnahme nicht äußern. „Die rechtliche Bewertung nimmt die Bezirksregierung vor“, hält er sich bedeckt. Nur so viel ist ihm zu entlocken: Leichter werde es nicht. Immerhin hält die Kontroverse in Münster bereits seit 16 Jahren an.

Welche Sprengkraft das Thema hat, macht der CDU-Bundestagsabgeordnete Reinhold Sendker aus Westkirchen deutlich. Das Mitglied des Bundestags-Verkehrsausschusses bezeichnet das Problem fehlender Lkw-Parkplätze als „dramatisch und verkehrsgefährdend“. Er beklagt auch, dass die Genehmigungsverfahren durch „kommunale Vetos oder Klagen“ in die Länge gezogen werden. Nur bei dem konkreten Fall der Raststätten an der A1 auf dem Stadtgebiet Münster möchte er „zurzeit keine Einschätzung“ abgeben.

Mit entwaffnender Ehrlichkeit argumentiert die münsterische CDU-Bundestagsabgeordnete Sybille Benning . Einerseits bestätigt sie den „deutlichen Mehrbedarf an Lkw-Stellplätzen entlang der Autobahnen“. Die Rastanlagen in Roxel indes hält sie wegen der Lärmbelastung für Anwohner für ungeeignet. „Außerdem würde der Rastplatz eine Frischluftschneise der Stadt Münster empfindlich schädigen.“ Neue Stellplätze an der A1 sollten außerhalb von Münster gebaut werden. Denn für das Stadtgebiet Münster, so Benning, sei sie zu der Überzeugung gekommen, „dass keine neuen Flächen für Stellplätze benannt werden können“.

Alternativen?

Auch der münsterländische SPD-Bundestagsabgeordnete Bernhard Daldrup tut sich schwer, eine klare Position zu finden. Angesichts des steigenden Güteraufkommens sei „die Verhinderung neuer Stellplätze nicht das richtige Mittel“, zumal die Deutsche Bahn derzeit nicht in der Lage sei, die Zuwächse aufzufangen. Doch der Sendenhorster Daldrup kann auch die Sorgen der Münsteraner verstehen und hält diplomatisch fest: „Ich respektiere die kommunale Selbstverwaltung.“

In einem Punkt sind sich Benning und Daldrup einig, ebenso wie die CDU-Landtagsabgeordneten Simone Wendland und Stefan Nacke: Es müsse doch möglich sein, alternative Standorte zu finden.

Ist es auch, so der Straßenplaner Christian Müller. Aber bei neuen großen Stellplatzanlagen abseits der bestehenden Tank- und Rastanlagen sei der ökologische Eingriff noch größer und der finanzielle Aufwand noch höher. Wie groß der Druck ist, zeigen zwei Zahlen: Aktuell gibt es an Autobahnen in NRW rund 6400 Lkw-Stellplätze. Bis 2025 sollen 4000 dazukommen. Übrigens: Unsere Zeitung hat auch die münsterischen Land- und Bundestagsabgeordneten von Grünen und Linken um eine Stellungnahme gebeten – vergeblich.  

Kommentar: Wer am lautesten schreit

St. Florian lässt grüßen. Das Problem fehlender Lkw-Parkplätze dürfte auch Münsteraner nerven, wenn sie auf Autobahnen unterwegs sind. Zugleich indes sind sich die Parteien in Münster einig darin, dass die erforderlichen Parkplätze überall geschaffen werden können, aber nicht in Münster. Es gibt sicherlich gute Gründe, den Ausbau der Raststätten Münsterland-Ost und -West kritisch zu sehen. Aber sollten sich alle Kommunen, durch die eine Autobahn verläuft (und das sind sehr viele), genauso verhalten, dann gibt es gar keine neuen Parkplätze.

Was ist, wenn Münsters Veto Erfolg hat? Dann müssen andere Standorte die Belastung schultern. Oder an den Auffahrten müssten Schlagbäume installiert werden, um die Zahl der Lkw auf den Autobahnen zu reduzieren. Man stelle sich den Aufschrei vor.

Was bleibt, ist die Hoffnung, dass die übergeordneten staatlichen Instanzen die Standortfragen nach klaren Kriterien klären. Zu groß ist die Gefahr, dass es jene trifft, die sich am wenigsten wehren. Von Klaus Baumeister

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