Bauhaus in Münster: Emil Bert Hartwig
Der Meisterschüler von Paul Klee

Münster -

Vor 100 Jahren wurde in Weimar das Bauhaus gegründet. Heute gilt die bis 1933 bestehende Einrichtung als einflussreichste Bildungsstätte in den Bereichen Architektur, Kunst und Design im 20. Jahrhundert. Unter den Schülern waren auch Münsteraner.

Samstag, 09.03.2019, 12:00 Uhr
Bauhaus in Münster: Emil Bert Hartwig: Der Meisterschüler von Paul Klee
Hartwigs Werk „Souvenirladen“ entstand 1955 – und hat mit den Bauhaus-Ideen nicht mehr viel zu tun. Foto: LWL-Museum

Die Zeit am Bauhaus , das scheint für Emil Bert Hartwig die schönste Zeit seines Lebens gewesen zu sein.

„Wenn er von damals spricht, bekommen seine Augen Glanz“, heißt es in einer Ausstellungsbroschüre aus den 1980er-Jahren. „Mit Enthusiasmus spricht er von jener Aufbruchstimmung, von jenem neuen Denken, von der Ästhetik der Sachlichkeit, die dennoch nicht auf das Schöne verzichtete.“

Hartwig, 1907 in Sinsen geboren, beginnt bereits mit 14 Jahren eine Architekturausbildung in Essen, bevor er 1925 an die Essener Folkwang-Schule wechselt.

Malklassen bei Kandinsky und Klee

1927 erhält er ein Stipendium am Bauhaus Dessau. Hartwig absolviert einen Vorkurs bei Josef Albers, bevor er ab 1928 als einziger Mann in der Weberei-Werkstatt arbeitet. Seine Webbilder sind Bestandteil der Wanderausstellung „Moderne Bildwirkereien“, die 1929 in neun deutschen Städten gezeigt wird.

Daneben absolviert Hartwig Malklassen bei Wassily Kandinsky und Paul Klee. 1931 erhält er vom Bauhaus ein Stipendium für einen einjährigen Paris-Aufenthalt, findet dort für einige seiner Werke Käufer. Danach kehrt er nicht ans Bauhaus zurück, sondern folgt seinem Lehrer Paul Klee an die Kunstakademie in Düsseldorf, wo er ein weiteres Stipendium bekommt. Dort wird er Klees Meisterschüler, begeistert seinen Lehrer mit seinem Fleiß und seinen Arbeiten.

Fristlos entlassen

Nach der Machtergreifung kommt es an der Kunstakademie zu gewalttätigen Ausschreitungen durch radikale NS-Anhänger. Viele Studenten werden verhaftet und verhört, unter ihnen ist auch Hartwig.

Im April 1933 wird Paul Klee fristlos entlassen, auch Hartwig geht – und wendet sich von der nunmehr unerwünschten abstrakten Malerei ab, wie Burckhard Kieselbach auf der Internet-Seite zum Bauhaus-Jubiläum schreibt. Klee zeigt sich enttäuscht: „Dass mein bester Schüler mich verraten hat und zu meinen Feinden überlief, um wieder Blümchen und Ziegen zu malen, ist bodenlos“, soll Klee danach gesagt haben.

Atelier in Hiltrup

1934 zieht Emil Bert Hartwig nach Münster, malt fortan kleine Blumenbilder und Landschaften, also politisch absolut unverdächtige Motive. Er tritt in die gleichgeschaltete Künstlergemeinschaft „Schanze“ ein. 1939 leistet er Kriegsdienst, 1949 richtet er sich in Hiltrup ein Atelier ein. 1959 wird er Dozent für Zeichnen und Malen an der Werkkunstschule Münster, dem späteren FH-Fachbereich Design, wo er bis 1976 lehrt. Hartwig starb 1996 in der Pfalz.

„Ein Leben für die Kunst, mit Höhen und Tiefen“, heißt es in der Ausstellungs-Broschüre aus den 1980er-Jahren. Hartwigs Lebenswerk umfasst 90 Holzschnitte, 100 Grafiken, 160 Aquarelle und mehr als 500 Bilder in Öl und Mischtechniken.

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