„Woche der Brüderlichkeit“ eröffnet
„Judenhass wird immer schlimmer“

Münster -

Die „Woche der Brüderlichkeit“ ist am Montagabend im Rathausfestsaal eröffnet worden. Die Redner warnten vor zunehmendem Antisemitismus. Außerdem wurde der Dr.-Julius-Voos-Preis 2019 verliehen - an sehr junge Preisträger. 

Dienstag, 12.03.2019, 13:00 Uhr aktualisiert: 12.03.2019, 18:36 Uhr
Die vier Schüler Justus Roters (3.v.l.), Moritz Kortüm (4.v.l.), Lukas Grave (5.v.l.) und Jannis Völlering (6.v.l.) erhielten am Montag den Dr.-Julius-Voos-Preis. Mit auf dem Foto (v.l.): Prof. Dr. Johannes Schnocks (Vorsitzender der CJZ), Andreas Determann (Geschäftsführer der CJZ), Ruth Frankenthal (Vorsitzende der CJZ), Bürgermeisterin Beate Vilhjalmsson und Pfarrer Martin Mustroph (Vorsitzender der CJZ).
Die vier Schüler Justus Roters (3.v.l.), Moritz Kortüm (4.v.l.), Lukas Grave (5.v.l.) und Jannis Völlering (6.v.l.) erhielten am Montag den Dr.-Julius-Voos-Preis. Mit auf dem Foto (v.l.): Prof. Dr. Johannes Schnocks (Vorsitzender der CJZ), Andreas Determann (Geschäftsführer der CJZ), Ruth Frankenthal (Vorsitzende der CJZ), Bürgermeisterin Beate Vilhjalmsson und Pfarrer Martin Mustroph (Vorsitzender der CJZ). Foto: Matthias Ahlke

Aus den Worten von Ruth Frankenthal klingt Frust – und Wut. Als Kind von Auschwitz-Überlebenden habe sie ein Leben lang gegen Antisemitismus gekämpft, „gebetsmühlenartig“, wie sie am Montagabend bei der Eröffnung der „Woche der Brüderlichkeit“ betont. Doch der Judenhass sei nicht besiegt, im Gegenteil: „Es wird immer schlimmer“, sagt Frankenthal.

Der Antisemitismus sei in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Die jüdische Vorsitzende der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Münster (CJZ) , die die „Woche der Brüderlichkeit“ ausrichtet, fordert „rasches Handeln“ – bevor es zu spät ist. 200 Personen haben sich im Rathausfestsaal versammelt. Die Stimmung ist gedrückt, jeder im Raum weiß, dass der Antisemitismus eine Renaissance erlebt. „Ich hoffe, dass das nur eine vorübergehende Erscheinung ist“, sagt Bürgermeisterin Beate Vilhjalmsson – überzeugt wirkt sie nicht.

„Erschreckenden Zunahme judenfeindlicher Hetze“

Pfarrer Martin Mustroph, neben Prof. Dr. Johannes Schnocks neuer Vorsitzender der CJZ, bezeichnet unter anderem jenen Antisemitismus als „perfide“, der hinter dem Feigenblatt der Israel-Kritik daherkomme: „Er befindet sich moralisch auf einem hohen Ross, gibt sich antirassistisch – und diskreditiert doch die Opfer der Shoah.“

„Antisemitismus ist keine Meinung, sondern eine Menschenrechtsverletzung“, stellt Sharon Fehr , Vorsteher der Jüdischen Gemeinde, klar. Auch er berichtet von einer „erschreckenden Zunahme judenfeindlicher Hetze“ in sozialen Netzwerken, Angriffen und Pöbeleien in ganz Europa und darüber hinaus. „Das ist eine schreckliche Entwicklung, die uns Angst macht“, sagt Fehr.

Preis für Schüler-Kurzfilm

„Wie antisemitisch ist Münster?“ lautet der provokante Titel eines Kurzfilms, den Lukas Grave, Jannis Völlering, Moritz Kortüm und Justus Roters gedreht haben. Die vier Schüler des Annette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasiums interviewten Mitglieder der jüdischen Gemeinde, einen Studenten der Islam-Wissenschaften und einen Politiker. Ergebnis: Münster sei keine Insel der Glückseligen – doch es gebe viele, die sich gegen Antisemitismus engagieren. Für ihren professionellen Beitrag erhalten die Schüler am Montagabend den Dr.-Julius-Voos-Preis der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit.

Im Rahmen der „Woche der Brüderlichkeit“ sind weitere Veranstaltungen geplant. Am Mittwoch (13. März 2019) spricht Georg M. Hafner über „Das Kreuz mit der Israelpolitik“ (19 Uhr, Synagoge). Am Donnerstag folgt ein Vortrag von Prof. Dr. Sven Hanuschek über Erich Kästners Roman „Der Gang vor die Hunde“ (19 Uhr, Villa ten Hompel). 

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